Kaiser-Wilhelm-Turm: Panoramaansicht aus dem Jahr 1890 wiederentdeckt

Marburg 2.12.2018 (pm/red) Turm-BesucherInnen des  können sich jetzt orientieren. Die 2005 gefundene, handgemalte und aus dem Eröffnungsjahr des Kaiser-Wilhelm-Turmes stammende Rundumsichtskarte, wurde von Lutz Götzfried überarbeitet und am 1. Advent 2018 im TurmCafé veröffentlicht. In …

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Marktfrühschoppen 2013 – Fest mit massiver Polizeipräsenz

dbau0707_0005-MarktfruehschoppenMarburg 8.7.2013 (yb) Die Mehrheit am ersten Julisonntag in Marburg war klar auf Seiten der Polizei. Eine Hundertschaft in schwarz, Schutzwesten, Helm, Dienstwaffe, Schlagstock und was noch dazu gehört. Örtliche Kräfte ergänzten die Lage. Dazu Männer der Security des Veranstalters als gelangweilte Gestalten. An jedem denkbaren Zugang zum Marktplatz waren Polizisten in schwarz postiert. Außerdem ganz oben im Rathaus Polizei mit Kamera, ebenso in einem Gebäude seitlich Filmkamera auf Stativ. Ein Großaufgebot für die Sicherheit – Marktfrühschoppen in Marburg 2013. Während es im Großen und der Politik um unkontrollierte Datenüberwachung aller Bürger geht, genießen kappentragende Burschenschaftler und angereiste alte Herren ein Stelldichein im Sonnenschein.

dbau0707_0121-Justitia-am RathausGerichtlich ist das Stattfinden der Veranstaltung durchgesetzt worden. So steht das Foto oben, während der Veranstaltung aufgenommen, für vieles. Das Rathaus war am Sonntag offen und leer. Ganz oben hatte Polizei in den Fenstern einen Beobachterposten bezogen. Auf dem Sims zwischen den Fenstern eine Justitiafigur aus Stein, in der linken Hand die Waage, in der rechten Hand das erhobene Schwert.

Eine Demonstration gegen die Veranstaltung hatte es am Vortag gegeben. Der Mehrheitsbeschluss der Stadtverordneten gegen das Stattfinden liegt Monate zurück. Ebenso wie die Debatte um rechtsextreme Burschenschaften zugehörig der ‚Deutschen Burschenschaft‘, die vom Stadtparlament einstimmig als in Marburg unerwünscht bezeichnet wurden. Angehörige der ‚Rheinfranken‘ als eine solche Burschenschaft waren anwesend beim Marktfrühschoppen 2013. Gefruchtet hat die politische Debatte und Beschlussfassung also allenfalls bedingt.

dbau0707_0101-BurschenkappenEinzelne Stadtverordnete waren zeitweise anwesend, wollten sich ein Bild machen. Ansonsten wurde die Veranstaltung ignoriert, Stadt und Universität, Schulen oder Kirchen oder gesellschaftliche Organisationen. Es fanden sich nur wenige Bürger ein, zur ‚Verabschiedung der Studierenden in die Sommerpause‘.

Der Marktfrühschoppen hat Marburg gespalten. Eine Mehrheit lehnt das Stattfinden ab, sieht darin nur noch eine Plattform zum Treffen für Burschenschaftler. Ein Rundgang unter den wenigen Hundert an Tischen bestätigt dies weitgehend.

Parlament und Magistrat, die politisch verfasste Stadt, ist an diesem Sonntag nicht Herr im eigenen Haus. Für eine äußerliche Ruhe sorgt ein massives Polizeiaufgebot.

dbau0707_0120-KontrolleIn einer Seitengasse gab es eine Kontrolle. Fünf, sechs jüngere Personen, es könnten Studierende sein, werden von Polizisten in schwarz umstellt. Eine doppelt so große Zahl von Polizisten beschäftigt sich mit den ‚Verdächtigen‘. Die polizeiliche Maßnahme zieht sich in die Länge, Ausweiskontrolle, Rucksackkontrolle, Personendurchsuchung. Schließlich gehen die Kontrollierten.

Einige Hundert haben sich einer merkwürdigen Feier mit massiver Polizeipräsenz hingegeben. Fröhlich und miteinander geht anders. Da bleibt einiges zu tun in der Auseinandersetzung mit dem ‚kürzesten Volksfest in Deutschland‘, das mehrheitlich unerwünscht ist. Die Durchsetzung der Veranstaltung vor Gericht hat das Stattfinden ermöglicht. Doch damit sind die politischen Fragen nicht geklärt.

Es geht zunächst einmal um die Stadtverordnetenversammlung und Magistrat. Beide sind demokratisch legitimierte Organe der Stadt Marburg, zu deren Aufgaben es gehört Eckpunkte zu setzen. Das ist hinsichtlich des Marktfrühschoppens passiert. Einstimmig sind Rechtsextreme aus Burschenschaften als in Marburg unerwünscht erklärt. Mehrheitlich ist gegen das Stattfinden des Marktfrühschoppens votiert worden. Ein solches Votum lässt sich nicht gerichtlich beseitigen.