Von der Vormundschaft zum selbstbestimmten Betreuungsverhältnis: Informationen zur Entwicklung des Betreuungsrechts

Marburg 21.11.2017 (pm/red) In einer Gesellschaft mit wachsendem Anteil älterer Menschen erwachsen neue Aufgabenfelder und deren rechtliche Gestaltung. Dazu gehört das Betreuungsrecht für Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr (alleine) selbst regeln können. Eine Würdigung …

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Forschungszentrum Deutscher Sprachtatlas: Über Pellkartoffeln, Dickmilch, Sauerkraut und Abendessen

Deutscher Sprachatlas dbas0220_0012Marburg 13.5.2016 (yb) Am Freitag, 13. Mai 2016, weiht die Philipps-Universität den am Fuß der Altstadt auf dem vormaligen Brauereigelände errichteten Neubau für den Deutschen Sprachatlas ein. Das Erscheinen des Finanzministers und des Wissenschaftsministers bei dieser Einweihung unterstreichen, dass der Deutsche Sprachatlas bedeutungsvoll sein muss. So können Marburger Studierende und Bevölkerung mit der Institution in zukünftig ein Bauwerk verbinden. Dabei deutet der Namenszusatz Sprachatlas auf Anderes, irgendwie auch Geografisches hin – Atlas meint allgemeinen eine Sammlung von Karten. Was die WissenschaftlerInnen des 1876 gegründeten Deutsche Sprachatlas (DSA) eigentlich machen und was dabei herauskommt, wird von das Marburger. in einer Buchvorstellung versucht anschaulich werden zu lassen. Bereits im Jahr 2010 hat Prof. Dr. Heinrich Dingeldein als langjährig tätiger Hochschullehrer und Sprachforscher mit Schwerpunkt Hessen in der Reihe ‚Hessische Sprachatlanten‘ den ‚Wortatlas zur Alltagssprache der ländlichen Räume Hessens‘ herausgegeben.

Cover Wortatlas HessenDas voluminöse 480 Seiten starke Werk hat mit 22 x 29 cm durchaus das Format eines Atlanten. Der Gegenstand erhellt aus dem Titel, es geht darum zahlreiche Begriffe aus der Alltagssprache in ländlichen Räumen zu erfassen und eben auch zu kartieren. So ist dieser Wortatlas in seinem Hauptteil ein Atlas mit je ganzseitigen Hessenkarten auf denen die Verbreitung und regionalsprachliche Wendung zahlreicher ausgewählter Worte und Begriffe grafisch dargestellt wird.

Als Beispiel unter mehr als Hundert anderen seien hier genannt: Abendessen, Dickmilch, kleines Küchenmesser Pellkartoffeln, reden, Sauerkraut, Schornstein, Türklingel, Speichel, schnäuzen, Schumacher, Sarg. Für das Wort >Sauerkraut< sind dabei vier weitere Erscheinungsformen aufgezählt. Des sind dies >Sauermus<, >Saures Mus<, >Sauerer Kohl<, >Sauerkohl<. In der Kartierung wird anschaulich, dass im Süden und Osten Hessen das hochsprachliche Wort >Sauerkraut< verbreitet und dominant ist, während im Norden und Westen Hessens die aus Dialektsprachen stammenden überlieferten Versionen verbreitet und regional verschieden anzutreffen ist.

Ein zweites Beispiel mit dem Wort >Reden< in Gestalt der Kartierung mit dem Wort >Reden<:

Kartierung des Wortes >Reden< in seiner Verwendung in Hessen mit anderen Worten wie

Kartierung des Wortes >Reden< in seiner Verwendung in Hessen mit anderen Worten wie schwätzen, schwatzen, sprechen, plaudern, schnudeeln oder schnorren im ‚Wortatlas zur Alltagsprache der ländlichen Räume Hessens‘.

Wortatlas-RedenSo wird an wenigen Wortbeispielen anschaulich, dass Sprache als sich wandelndes Medium regionalen Besonderheiten unterliegt, die sich am besten in einer kartografischen Darstellung abbilden und kennzeichnen lassen. Der Deutsche Sprachatlas heißt also nicht nur so. Er macht Sprachtalanten, forscht dafür und veröffentlicht auch in Buchform.
Mit dem ‚Wortatlas zur Alltagssprache der ländlichen Räume Hessens‘ und dessen Veröffentlichung hat zugleich ein längeres Forschungsprojekt seinen Abschluss gefunden. Erschienen sind seit 1988 vier Hessische Sprachatlanten, herausgegeben von Hans Friebertshäuser und Heinrich J. Dingeldein.

Es ist in höchstem Maße zutreffend, wenn auf der Institutsseite beschrieben wird: „Der Deutsche Sprachatlas verkörpert Tradition und Innovation gleichermaßen: Vor 140 Jahren wurde hier die Sprachgeographie als wissenschaftliche Disziplin begründet. Heute steht das Zentrum für fächerübergreifende Sprachdynamik- und Sprachkognitionsforschung. Mehrere von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekte, der LOEWE-Schwerpunkt „Fundierung Linguistischer Basiskategorien“ sowie das von der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur bis 2027 mit rund 15 Millionen Euro geförderte Projekt „Regionalsprache.de“ (REDE) belegen den wissenschaftlichen Rang des Zentrums.“

Nunmehr erhalten die profilierten Marburger Sprachforscher ihren neuen Forschungsbau und eine lange Zeit des Arbeitens an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet findet ein Ende. Die am Sprachatlas beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewinnen ideale Bedingungen für ihre interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Baukosten von 10,5 Millionen Euro wurden aus Mitteln des Hessischen Hochschulbauprogramms „HEUREKA“ und des Bundes finanziert. Der Produktivität und Ergebnishaftigkeit wird dies zuträglich sein. Heinrich Dingeldein wir dies zukünftig im verdienten Ruhestand beobachten können. Seine Forschungsergebnisse bleiben nicht alleine im Wortatlas präsent und zugänglich.

Hessische Sprachatlanten.
Kleine Reihe. Herausgegeben von Hans Friebertshäuser und Heinrich J. Dingeldein. Tübingen: A. Francke Verlag, seit 1988.

Heinrich J. Dingeldein: Wortatlas zur Alltagssprache der ländlichen Räume Hessens. Tübingen 2010
22 x 29 cm, gebunden, 473 Seiten
Reihe Hessische Sprachatlanten Band Nr. 4
Herausgeber Heinrich J. Dingeldein, Christoph Hallerstede, Michael Kusch, Marisé Vidal
ISBN 978-3-7720-1813-8, Ladenpreis 128 Euro

—>Neubau für Dialektforschung und Kognitionswissenschaft eingeweiht