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Knotenhäkelmützenträger mit Eigenwille – Gisela Kleinlein im Marburger Kunstverein

„Ohne Titel 2016, Stahl, Lackfarbe, PE-Schnur, 235 x 115 x 600 cm“ von Gisela Kleinlein in ihrer Ausstellung „Knotenhäkelmützenträger und andere“ im Marburger Kunstverein. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Marburg 21.2.2017 (yb) Das Ausstellungsjahr 2017 beginnt eigenwillig im Kunstverein. Das wäre für Kunstpräsentation an und für sich selbstverständlich, trifft nach vielem in Marburg zuletzt Ausgestelltem für die Präsentation der plastischen Arbeiten von Gisela Kleinlein (Berlin und Wuppertal) endlich wieder einmal zu. Die eher bescheiden beschickte Ausstellung – hinsichtlich Werkanzahl und Größe und Format der meisten Arbeiten – entfaltet sich in großen Räumen. Das erfordert Einlassung und Hinsehen, kann Blick und Wahrnehmung fokussieren. Der Eigenwille beginnt im Titel „Knotenhäkelmützenträger und andere“ und offenbart sich auf den ersten Blick in zurückhaltender Aufstellung und Installation von Werken. Anders herum wird mit dem Raum des Kunstvereins geradezu verschwenderisch umgegangen. Damit entsteht andere Wahrnehmung, zunächst der nun einmal recht großen Räumlichkeiten in den beiden Etagen und augenscheinlich wenigen Werkeinbringungen.

Unten finden sich an der langen Außenwand zahlreiche Zeichnungen dicht an dicht gereiht und im Raum – zwei Werke. In´s Auge springen zwei Basketballkörbe (viel zu dicht und nebeneinander) an einer Wand. Aus ihnen breitet ein endlos langes Fangnetz hinunter zum Boden sich weit in den Raum aus. „Ohne Titel 2016, Stahl, Lackfarbe, PE-Schnur, 235 x 115 x 600 cm“ findet sich als Werkangabe. Betrachter/in steht davor, kann die Basketballkörbe identifizieren, vielleicht ein Schmunzeln über das überlange Fangnetz in rot. Dann kommen Fragen – sollen und müssen kommen.

Installation mit Kupferrohren von Gisela Kleinlein. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Weiter zur nächsten Installation. Zwei meterlange Kupferrohre, am Ende miteinander verknotet, ragen von einem X-Kreuz gestützt in den Raum und enden mit je einem Mundstück. Die Assoziation Musikinstrument mag kommen. Doch auch hier geht nichts. Kein Klangkörper, keine Resonanz, zwei Eingänge als Mundstück. Klingen kann es im Kopf von Betrachter/in. Es geht nicht um Funktion, eher um etwas Gegenteiliges. Eine Komposition von Material zu etwas Ungewöhnlichem. Es gibt eine Anknüpfung. Alles weitere geschieht durch die Augen im Kopf des Betrachtenden. Oder eben nicht.

Es passiert nicht wenig Zumutung, angelegt in der Eigenart des künstlerischen Ansatzes von Gisela Kleinlein. Kleinlein hat in Nürnberg und Düsseldorf studiert, ist mehrfache Preisträgerin, hat zahlreiche Ausstellungen in verschiedenen Ländern verwirklicht und arbeitet als Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal, Fakultät Design und Kunst.

Der Mininmalismus in vielen Objekten von Gisela Kleinlein korrespondiert mit puristischer Präsentation. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Was unten eröffnet wird, setzt Kleinlein im Kunstverein oben fort. Es finden sich dort überwiegend Kleinskulpturen, die aus verschiedenen Materialien komponiert sind. Stuhlartiges, miteinander verbundene Wasserleitungsrohre und aus Tuch, Gips und weiteren Materialien befremdlich komponierte Objekte. Verbindend dabei ist vielleicht ein Spiel mit Assoziationen, also Sehgewohnheiten und Wahrnehmungsmustern der Besucher. Zu der Ausstellung hat der Kunstverein eine kleine Begleitschrift aufgelegt, die Vertiefung und Werkeinführung leistet.

Vor einem Jahr gab es die großartige „MOSH-Ausstellung“, zum Jahresende 2016 gab es ein überbordendes Foto-Potpourri mit Fotografien zu Rock- und Popmusikern. Das Ausstellungsjahr 2017 beginnt eigenwillig im Kunstverein.
Die Ausstellung „Knotenhäkelmützenträger und andere“ mit Werken von Gisela Kleinlein bis zum 30. März. Dienstag bis So 11 – 17 Uhr, Mittwoch 11 – 20 Uhr, Gerhard-Jahn-Platz 5 in Marburg.