Gießener Papyrus nun UNESCO-Weltdokumentenerbe

Marburg 12.12.2017 (pm/red) Gastbeitrag von Ursula Wöll In der Giessener Universitätsbibliothek weht der Atem der Geschichte, denn sie beherbergt bis zu 3.800 Jahre alte Schriftstücke. Die Papyrus-Sammlung der Giessener Universitätsbibliothek ist die fünftgrößte in Deutschland. …

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Von Lesotho nach Bremen: Wie aus Fremden Freunde werden

Marburg 27.9.2017 (pm/red) Manchmal ertappt sie sich dabei, dass sie ärgerlich wird, wenn jemand fünf Minuten zu spät zu einem Meeting kommt. Das ist ihre deutsche Prägung. Im Königreich Lesotho ist das Zeitverständnis ein anderes. Was sind schon fünf Minuten, was fünfzehn oder eine Stunde? Dafür ist man freundlich und aufmerksam zueinander, es wird viel gelacht und geredet, man grüßt sich auf der Straße. „Dies ist“, sagt Thato Mary Mokhothu, die für die „Clinton Health Access Initiative“ des früheren US-Präsidenten Bill Clinton arbeitet, „eine andere Welt.“

Sie war 19 Jahre alt, als sie die Enklave in der Republik Südafrika verließ und sich aufmachte nach Bremen. Es war das erste Mal, dass sie außerhalb von Afrika war und es waren zwei Dinge, die ihr besonders auffielen an dieser neuen, fremden Welt. Wie groß die Menschen sind und wie grün das Land ist, der Rasen, die Wiesen und Wälder. Lesotho ist braun, es ist ein gebirgiges Land. „Ich war an diese Farbe gewöhnt“, sagt sie.

Thato hatte in Südafrika die African Leadership Academy besucht, eine ambitionierte Schule, die sich vorgenommen hat, den neuen Führungsnachwuchs des Kontinents auszubilden. Dort traf sie auf einen Vertreter der Jacobs University, der von der internationalen, englischsprachigen Universität erzählte. Thato bewarb sich für den Studiengang „Cognitive Psychology and Neuroscience“ – und wurde angenommen.

„Die erste Zeit war hart“, erzählt sie. „Ich hatte keinen Appetit, habe in der ersten Woche kaum etwas gegessen.“ Doch diese Phase der Eingewöhnung verging schnell. „Sobald ich Freunde gefunden hatte, verflog das Heimweh.“ Und Freunde findet man schnell an der Jacobs University. „Die Leute kommen von überall, sie sind offen und tolerant. Der Campus ist klein, man besucht dieselben Veranstaltungen, wohnt zusammen, tauscht sich über die Seminare aus und macht Party zusammen. Irgendwann ist man Teil einer großen Familie.“

Als hilfreich erwiesen sich auch der enge Kontakt zu den Professoren und die kleinen Klassen während des Studiums. „Man trifft seine Kommilitonen jeden Tag, und weil alle einen ganz unterschiedlichen Hintergrund haben, haben wir sehr viel voneinander gelernt.“ Praktika brachten sie zurück nach Afrika, zu einem HIV-Projekt in Durban, Südafrika, und zu einem Forschungsvorhaben über den Einfluss der Ernährung auf die Hirnentwicklung von Kleinkindern in Dar es Salaam,Tansania.

Auch an der Jacobs University engagierte sie sich für Afrika. Thato war Präsidentin der „African Heritage Society“, einer Gesellschaft für alle Studierenden, die an der Entwicklung des Kontinents interessiert sind. Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen werden veranstaltet, eine Fashion-Show oder kulturelle Events. Und sie erhob ihre Stimme im afrikanischen Chor „Mzuku“, tritt später der Band „Dizzy Trane“ bei, singt vor allem Jazz und Pop.

„Aber meine beste Entscheidung war, dem Team von College 3 beizutreten“, sagt sie. Die Studierenden an der Jacobs University wohnen in einem von drei Colleges auf dem Campus. Es sind mehr als Unterkünfte, die Colleges sind Heimat für mehrere Jahre, die Studierenden können sich an der Organisation des Alltags beteiligen. „Wir haben uns einmal die Woche getroffen und überlegt, wie man das Leben im College besser machen kann“, erzählt Thato. Cheer up events, kleinere Aufmunterungsaktionen während der Examenszeit, wurden veranstaltet, Motivationssticker entwickelt und Hilfe geleistet bei der Lösung vom praktischen Problemen. „Das Team war toll. Wir konnten uns komplett aufeinander verlassen.“

Seit dem Sommer ist Thato zurück in Lesotho. Die 22-Jährige arbeitet für die „Clinton Health Access Initiative“ des früheren US-Präsidenten Bill Clinton und kümmert sich um HIV-infizierte Kinder. Sie ist viel im Land unterwegs, sorgt dafür, dass die Patienten, die in das Programm aufgenommen wurden, die lokalen Gesundheitsstationen aufsuchen und gepflegt werden. „Im Studium habe ich viel im Labor gearbeitet. Jetzt bekomme ich Einblicke in das Gesundheitswesen auf lokaler Ebene.“

Eine andere Welt als die grüne, wohl geordnete in Bremen-Nord. Es wird vermutlich nicht die letzte sein, die sie erkundet. Thato bewirbt sich in mehreren Ländern bei Graduiertenschulen, sie will weiter studieren und in Neurowissenschaften promovieren.

Über die Jacobs University:
Die Jacobs University ist eine private, unabhängige, englischsprachige Universität in Bremen. Dort studieren junge Menschen aus der ganzen Welt in Vorbereitungs-, Bachelor-, Master- und PhD-Programmen. Internationalität und Transdisziplinarität sind die besonderen Kennzeichen der Jacobs University: Forschung und Lehre folgen nicht einem einzigen Lösungsweg, sie gehen Fragestellungen aus der Perspektive verschiedener Disziplinen an.