Von der Vormundschaft zum selbstbestimmten Betreuungsverhältnis: Informationen zur Entwicklung des Betreuungsrechts

Marburg 21.11.2017 (pm/red) In einer Gesellschaft mit wachsendem Anteil älterer Menschen erwachsen neue Aufgabenfelder und deren rechtliche Gestaltung. Dazu gehört das Betreuungsrecht für Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr (alleine) selbst regeln können. Eine Würdigung …

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Treibhaus Erde – Die Klimafolgenforschungsstation in Linden-Leihgestern

Ein Aufbau der Klimafolgenforschungsstation in Linden-Leihgestern. Foto Ursula Wöll.

Marburg 2.11.2017 Gastbeitrag von Ursula Wöll Das mit Kohle befeuerte Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg soll stillgelegt werden – doch leider nur in den Sommermonaten Juni bis August. Wie halbherzig! Man will wohl als Gastgeber der 23. UN-Klimakonferenz vom 6. – 17. November in Bonn etwas vorweisen können. Den Vorsitz dieser wichtigen Konferenz hat die Republik Fidschi übernommen, deren Inseln im Pazifik versinken, falls der Klimawandel weiterhin so halbherzig bekämpft wird. Die CO2-Menge in der Atmosphäre ist seit 1840 um 40 Prozent gestiegen, besonders stark in jüngster Zeit, wie die Klimaforscher der Uni Giessen bestätigen. „Ungewöhnlich heiß sind die Sommer seit etwa 30 Jahren“, so Prof. Luterbacher vom Institut für Geographie über die g l o b a l e Erwärmung. Sein Institut hat den Klimaverlauf der letzten Jahrhunderte recherchiert. Gemeinsam mit dem Institut für Pflanzenökologie betreibt es in Linden-Leihgestern auch eine riesige „Klimafolgenforschungsstation“, die künftige Entwicklungen simuliert. MikrobiologInnen des Max-Planck-Instituts Marburg werden dabei einbezogen.

Klimaforschung in Mittelhessen
Am Ortsrand von Leihgestern sind etliche Hektar gemähte Grünfläche mit einem ordentlichen Drahtzaun umgeben. Für eine Laiin wie mich sind die darauf verteilten Rohre und Blechflächen völlig unverständlich. Da bilden etwa eine Menge gebogene Rohrstutzen sechs Kreise mit einem Durchmesser von je 8 Metern. In dreien wird die Luft mit CO2 künstlich angereichert, drei unmanipulierte dienen als Kontrolle. 20 Prozent mehr CO2 wird der Luft zugefügt, so hoch schätzt der Weltklimarat IPCC den realen Anstieg bis zum Jahr 2050. „Als wir die Messungen vor 20 Jahren starteten, lag der Gehalt des Treibhausgases CO2 in der Luft im Schnitt bei 360 ppm. Heute sind es schon 400 ppm“, sagt Pflanzenökologe Dr. Moser. „Menschengemachter Klimawandel“, kommentiert Luterbacher die dadurch verursachte Erwärmung, die sich im steilen Anstieg der Kurve am Ende seines Diagramms ausdrückt (Zitate aus Forumforschung 1/2017).

Richtig. Die höhere CO2- Konzentration, die verhindert, dass sich die Atmosphäre so wie früher abkühlt, ist menschengemacht. Daran zweifelt kein Wissenschaftler mehr, und außer Trump auch niemand sonst. Das CO2-Gas entsteht durch Verbrennung von fossilen Stoffen. In Kraftwerken, in Heizungen oder Automotoren, also mengenmäßig überwiegend in den reichen Ländern. Auch die Fällung von Wäldern setzt das in Bäumen und Waldböden gespeicherte Gas frei. Konzerne wie Unilever aus dem reichen Norden haben von verantwortungslosen Regierungen in Brasilien, Indonesien oder Afrika Konzessionen erhalten oder gar Land „gekauft“. Sie fällen den Regenwald, um Palmölplantagen oder Zuckerrohr zu pflanzen. Die durch CO2 angereicherte Atmosphäre erwärmt sich und setzt weitere Prozesse in Gang. Ich denke da etwa an das Auftauen des Permafrostbodens, das ebenfalls CO2 in die Atmosphäre entlässt.

Die Leidtragenden sind vor allem die armen Länder in Äquatornähe, in denen der Boden austrocknet, Hitzewellen und anormal auftretende Unwetter Anbau und Ernte unmöglich machen. Die kleinen Bauern fliehen in die Slums der Städte, um nicht zu verhungern. Und immer mehr dieser Klimaflüchtlinge machen sich auf den Weg nach Europa. Aber auch bei uns kommen Unwetter – Überschwemmungen und Stürme – bereits häufiger vor. Ich denke an die durch Hitze und Trockenheit ausgelösten Brände in Portugal und Spanien oder an den jüngsten Sturm, der die Deutsche Bahn durcheinanderbrachte.

Soweit ich es verstehe, untersucht das Klimafolgenforschungsprojekt in Linden-Leihgestern, wie sich Pflanzen unter den veränderten Bedingungen verhalten und welche Sorten die Erwärmung gut verkraften.

Es eilt! Die Uhr tickt!
Auf vorindustrielle Werte wie zu Goethes Zeiten ist das Klima nicht mehr zu dimmen. Im Jahr 2015 tagte die Weltklima-Konferenz in Paris. Dort beschlossen die anwesenden 195 Staaten, dass der Anstieg des Weltklimas bei deutlich unter 2 Prozent gebremst werden soll und muss. 160 Staaten haben diesen Vertrag mittlerweile ratifiziert, so dass er rechtskräftig ist. Auf dem Papier kommt man also gar nicht so übel voran.

Aber Papier ist geduldig, neben diesen Lippenbekenntnissen wird weiter das Wachstum gefeiert, wird weiter Braunkohle abgebaut, werden weiter Kohlekraftwerke betrieben, und es werden massenhaft große Autos und SUVs zugelassen. Business as usual. Deshalb ist die Bonner UN-Klimakonferenz, die praktische Maßnahmen diskutieren soll, so wichtig. Über 25.000 Delegierte aus aller Welt, dazu 500 Nichtregierungsorganisationen und 1.000 Journalisten werden erwartet. Wenn es in Bonn nicht vorangeht, ist vielleicht alles zu spät, weil die zunehmende Erwärmung unumkehrbar ist.

„Klima schützen – Kohle stoppen !“
Das lautet die Forderung an die neue Bundesregierung und an die Welt, unter der am Samstag, 4. November, ab

12 Uhr auf dem Münsterplatz in Bonn eine Großdemonstration stattfindet. BUND, Nabu, WWF, Greenpeace, Brot für die Welt, Misereor und viele andere Organisationen haben dazu aufgerufen, weil der Klimawandel bei Strafe unseres Untergangs schnell gestoppt werden muss.

Mehr zur Demo online.