Marburg 20.11.2018 Gastbeitrag von Götz Eisenberg Samstags gehe ich auf den Wochenmarkt. Wenn ich das nicht tue, bin ich entweder krank oder nicht in Gießen. Neulich hatte ich an einem meiner Lieblingsstände Brot und Eier …

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Der Krebs hat mir gezeigt, wie kostbar Lebenszeit ist

Regine Walter (c) Peter Geiger

Marburg 6.2.2018 (red-sr) Regine Walter ist mit 43 Jahren an Brustkrebs erkrankt. Der Tumor brachte viele Fragen und Ängste mit sich. In einer Selbsthilfegruppe fand sie die Unterstützung, die sie brauchte, um dem Krebs die Stirn zu bieten.
Als Walter die Diagnose Brustkrebs erhielt, war ihr Sohn Luca 8 Jahre alt. Für ihn war es schwierig, zu verstehen, warum sie plötzlich so oft zum Arzt gehen, Medizin nehmen und sich häufig ausruhen musste.
Dabei sah sie doch gar nicht krank aus – zumindest anfangs. Freunde und Familie der Marbacherin waren für sie da, so gut sie es konnten. Doch alle ihre Fragen beantworten, ihre Ängste nachempfinden, das konnten sie nicht. Daraufhin hat Walter sich einer Selbsthilfegruppe des Vereins Leben mit Krebs angeschlossen.

In Marburg besteht der Verein seit über 20 Jahren. Mittlerweile bietet er mehrere Selbsthilfegruppen an, nicht nur für erkrankte Menschen, sondern beispielsweise auch für Angehörige. Die meisten Gruppen treffen sich ein Mal im Monat, manche häufiger, manche seltener, je nach Bedarf. Hier konnte Walter sich mit anderen Erkrankten austauschen, hilfreiche Tipps einholen und auch einmal außerhalb der Familie über ihre Probleme im Alltag sprechen. „In der Gruppe habe ich immer ein offenes Ohr gefunden“, erzählt sie.

„Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Mitleid und Anteilnahme. Als Krebspatientin ist nur ein kleiner Teil meines Körpers erkrankt gewesen“, sagt Walter. „Der Rest meines Körpers hat mit aller Kraft gegen diese Krankheit angekämpft und gesiegt.“ Die Marbacherin will von ihren Mitmenschen kein Mitleid erfahren, sondern positive Unterstützung. „Selbsthilfegruppen bieten eine enorme Unterstützung im Gesundheitsbereich. Finanzielle Förderungen sollten fest im Finanzhausplan der Lokalpolitik eingeplant werden, ähnlich wie beispielsweise für die Feuerwehr“, fordert sie. Die gegenseitige Unterstützung von Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen, ist ein einmaliges Angebot, das einzelne Ärzte nicht leisten können.

Der Austausch in der Gruppe tat Walter so gut, dass sie auch heute noch im Verein aktiv ist, nicht mehr nur als Teilnehmerin. Inzwischen ist sie die zweite Vorsitzende. Seit zwei Jahren leitet sie außerdem ein Bewegungscoaching. Nach der Bestrahlung, der Chemo, dem anstrengenden Kampf gegen den Krebs war ihr Körper erst einmal geschwächt. Bewegung tat ihr gut, nicht nur ihrem Körper, auch ihrer Seele. Das will sie an die anderen Mitglieder weitergeben. Die Leitung einer Gruppe übernimmt oft eine Person, die den Krebs erfolgreich besiegt hat.

„Bei den Gruppen für die Angehörigen gibt es allerdings eine professionelle Leitung, da es hier oft um Fragen rund ums Sterben und den Tod geht“, erklärt Walter. Die größte Angst bei den Mitgliedern sei die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit. Bei Krebs würden viele sofort an den Tod denken, so Walter weiter. Das verbinde die Betroffenen miteinander. Je nach Krebsart stehen Erkrankte in ihrem Alltag vor vielen unterschiedlichen Herausforderungen. So leiden bei Hirntumoren häufig das Gedächtnis und die Kommunikationsfähigkeit. Blutkrebspatienten sind besonders anfällig für Infektionskrankheiten. Bei Magen- oder Darmkrebs dreht sich hingegen alles ums Essen. Doch Angst vor dem Sterben haben fast alle.

„Durch meine Erkrankung ist mir bewusstgeworden, wie unfassbar kostbar Lebenszeit ist“, erzählt Walter. Heute ist die 51-Jährige aufgrund ihrer Erkrankung berentet. Besonders die Zeit mit ihrem Sohn und ihrem Hund Sammy genießt sie in vollen Zügen.

1. Marburger Selbsthilfetag
Am 7. April, dem Weltgesundheitstag, findet ab 13 Uhr der 1. Marburger Selbsthilfetag im Erwin-Piscator-Haus statt. Neben einer offenen Podiumsdiskussion zum Thema Selbsthilfe werden zahlreiche Selbsthilfegruppen über ihre Angebote informieren. Die Veranstaltung richtet sich an alle, die sich für Selbsthilfe interessieren, unabhängig davon, ob sie selbst eine persönliche Verbindung zum Thema haben.

Kontakt zum Verein

Herbornerstraße 46
Grundschule Niederweimar
35096 Weimar
Telefon: 06421 / 162625
E-Mail: beratungsstelle@lebenmitkrebs-marburg.de
www.lebenmitkrebs-marburg.de