Marburg 20.11.2018 Gastbeitrag von Götz Eisenberg Samstags gehe ich auf den Wochenmarkt. Wenn ich das nicht tue, bin ich entweder krank oder nicht in Gießen. Neulich hatte ich an einem meiner Lieblingsstände Brot und Eier …

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Wohnungsneubau im Marburger Westen: Priorität und Planung für Hasenkopf

Am Hasenkopf soll ein großes Wohngebiet entwickelt werden.

Marburg. In Stadtwald/Ockershausen soll ein großes neues Wohngebiet entstehen – das schlägt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies vor. Der Magistrat der Stadt ist einstimmig auch dafür und empfiehlt Spies‘ Vorschlag dem Stadtparlament. Die Stadtverordneten haben das Thema voraussichtlich am 23. November auf der Tagesordnung.

„Es ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit und intensiven Diskussion von Stadtverwaltung, Ortsbeiräten und Bürgerschaft“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies zum Vorschlag, der nun auf dem Tisch liegt. Den Auftrag dafür hat das Stadtparlament im Sommer 2017 erteilt. Das Ziel ist: insbesondere bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der fehlt. Viele Mieten in der Stadt sind hoch und Eigenheime teuer. Es fehlt vor allem an Angeboten für benachteiligte Wohnungssuchende mit geringeren Einkommen. Zudem wachse Marburg weiter – nach aktuellen Prognosen um 3000 Menschen bis 2030, berichtet Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel am Tag nach dem Magistratsvotum.

Abhilfe soll der „Wohnungsneubau im Marburger Westen“ schaffen. Die Vergleichsstudie zu den potenziellen Standorten Oberer Rotenberg/Höhenweg und Hasenkopf/Stadtwald hat die Stadtverwaltung erstellt – ohne Festlegung, welches Gebiet vorrangig entwickelt werden soll. Dafür startete die Stadt im Frühjahr einen Beteiligungsprozess mit Informationen, Stadtteilspaziergängen, Diskussionsveranstaltungen und dem Runden Tisch Preiswerter Wohnraum. Hunderte MarburgerInnen haben mitgemacht und sich eingebracht. „Durch die Beteiligung sind die unterschiedlichen Argumente und Interessen der Marburgerinnen und Marburger deutlich geworden. Sie wurden breit diskutiert, gegeneinander abgewogen und angemessen berücksichtigt.“ Auf dieser Grundlage sei der nun vorliegenden Vorschlag entwickelt worden.

Vorschlag Ockershausen/Stadtwald
·         Das Gebiet am Hasenkopf mit einem Potenzial von 300 bis 350 Wohneinheiten wird mit Priorität vorrangig entwickelt. Es bietet die günstigeren Voraussetzungen – wegen seiner Größe, der bestehenden und ausbaufähigen Infrastruktur sowie der sozialen Initiativen und Aktivitäten vor Ort. Der Ortsbeirat von Ockershausen sowie die Anwohnerinnen und Anwohner im Stadtteil stehen dem neuen Wohngebiet grundsätzlich offen gegenüber. Das haben ihre vielen Vorschläge und Ideen zur Ausgestaltung sowie das ganze Beteiligungsverfahren der vergangenen Monate gezeigt.
·         Der Anteil an gefördertem Wohnungsbau im neuen Wohngebiet beträgt 30 Prozent. Zusätzlich soll es Flächen für Genossenschafts- und Gemeinschaftswohnprojekte, Mietwohnungen und Eigenheime geben – für eine möglichst große soziale Vielfalt an Menschen, die in dem neuen Gebiet leben werden.
·         Die ÖPNV-Anbindung wird verbessert, um den Autoverkehr zu reduzieren. Auch die Forderungen des Ortsbeirats zur Verkehrsentlastung sowie alle weiteren Ideen und Bedenken werden in der weiteren Planung vertiefend untersucht, geprüft und nach Möglichkeit berücksichtigt und umgesetzt.
·         Die Kuppe des Hasenkopfs selbst wird nicht bebaut. Seine Bedeutung als Rastplatz für Zugvögel wird zusätzlich zum vorgeschriebenen Artenschutzgutachten untersucht.
·         Die Bürger/innenbeteiligung geht weiter: Ortsbeirat, Anwohnerinnen und Anwohner sowie die interessierte Öffentlichkeit bringen sich in den Prozess der kommenden Jahre ein – unter anderem in die Vorbereitung eines städtebaulichen Wettbewerbs.
Eine besondere Herausforderung für ein neues Wohngebiet am Standort Hasenkopf sei der Umstand, dass die Fläche rund 40 Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern gehöre. Von den Gesprächen mit ihnen hänge – neben Prüfungen, Untersuchungen, Gutachten, Wettbewerb und weiteren Gremienentscheidungen – die erfolgreiche Entwicklung des Wohngebiets ebenfalls ab.
 
MaßnahmenOberer Rotenberg/Marbach
·         Die Fläche bleibt als Siedlungszuwachsfläche im Regionalplan, eine Beplanung als Wohngebiet für 200 Wohneinheiten stellt die Stadt zunächst zurück – zugunsten der Priorität Hasenkopf. Sollte es in der Zukunft weiteren Wohnraumbedarf geben, müssen sich die Gremien erneut mit dem Marbacher Gebiet befassen.
·         Auf dem ehemaligen Gärtnereigelände entsteht ein Lebensmittelmarkt. Neben dem Vorteil für die Nahversorgung für die westlichen Stadtteile entlastet das den Verkehr, weil die Menschen zum Einkaufen nicht mehr durch die Innenstadt müssen.
·         Ebenfalls auf dem Gärtnerei-Areal angrenzend an den Lebensmittelmarkt ist Platz für ein kleines Bauprojekt (30 bis 40 Wohnungen, Geschosswohnungsbau, maximal dreistöckig) als geförderter Wohnungsbau oder für Gemeinschaftliches Wohnen.
·         Nähere Untersuchungen gibt es außerdem zu Themen wie Verkehr und Stadtklima, die Bürgerschaft und Ortsbeirat Marbach in den vergangenen Monaten vorgebracht haben. Probleme mit der Entwässerung sowie dem Regenrückhaltebecken in der Marbach werden mit den Stadtwerken zusammen gelöst.

Im Haushalt für 2019 stehen 150.000 Euro für die nächsten Planungsaufgaben zum „Wohnungsneubau im Marburger Westen“. Sofern die Stadtverordnetenversammlung dem Vorschlag zustimmt, können die nächsten Planungsschritte eingeleitet werden, wird mitgeteilt.

Jenseits der Entscheidung zur Wohngebietsentwicklung soll es ein Klimagutachten für die ganze Stadt geben, das 2019 in Auftrag gegeben werden und die geplanten und potenziellen künftigen Bebauungen berücksichtigen soll. Außerdem wollen Oberbürgermeister und Magistrat, dass die Verkehrsentwicklung im Zusammenhang mit dem wachsenden Pharmastandort Görzhäuser Hof nicht nur auf Marburg beschränkt betrachtet wird. Das Thema soll auch auf regionaler Ebene in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium in Gießen, dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, Nachbargemeinden und ÖPNV-Anbietern bearbeitet werden.