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Weltklimakonferenz – Außer Spesen wenig gewesen


Die Jäger im Schnee Pieter Bruegel der Ältere, 1565

Gastbeitrag von Ursula Wöll
Marburg 16.12.2018 Mit einem Tag Verlängerung ging die Weltklimakonferenz in Kattovice zu Ende. Es entstand ein ‚Regelwerk‘, das die 2015 in Paris vereinbarten Ziele quantifiziert. So richtig weiß man nicht, was darunter zu verstehen ist. Zumal es in das Belieben der einzelnen Staaten gestellt ist, sich daran zu halten. Obwohl die von Deutschland anvisierten Ziele bis 2020 nicht erreicht werden, spielt unsere Umweltministerin die Optimistische. Frau Merkel ging erst gar nicht zur Eröffnung, ihre Teilnahme hätte die existentielle Bedeutung des Themas unterstrichen.

Fast 40.000 Menschen demonstrierten am 1. Dezember vor der Eröffnung in Köln und Berlin für eine schnelle Energiewende. In Brüssel gingen am 2. Dezember über 60.000 DemonstrantInnen auf die Straße. Es waren vor allem junge Leute, denn sie werden die Folgen der Erderwärmung voll ausbaden: Dürren hier oder in Afrika und Überschwemmungen anderswo, Anhebung des Meeresspiegels, Stürme.

Der Weltklimagipfel wollte verhindern, dass das Klima über 2 Grad Celcius ansteigt. Eile ist geboten, Schon ist das Klima um 1 Grad höher als vor Beginn der Industrialisierung. Wenn nicht sehr bald sehr viel passiert, fliegt der Menschheit der Laden um die Ohren, denn die Erderwärmung wird dann unkontrollierbar. Der UN-Klimarat sieht diese Gefahr bereits, wenn die Erwärmung bei 1,5 Grad gestoppt werden könnte.

Schnee ade ?

Im Jahr 1565 malte Pieter Bruegel der Ältere das Ölbild „Die Jäger im Schnee“. Die flämische Landschaft ist mit Schnee eingehüllt. Die Teiche sind zugefroren, so dass sie die vielen Schlittschuhläufer tragen. Sogar das Wasser der Bucht scheint eingefroren. Die Menschen tragen alle Kopfbedeckungen. Sie sind die kalten Winter gewöhnt und führen ihr Leben auch im Freien weiter. Wie vieles aus ihrem Alltag ist auf dem Bild zu entdecken! Bruegel malte die kleinen Leute, die offenbar auch die Kälte genossen.

Im Jahr 1862 zeichnete Kaulbach den jungen Goethe, da war Goethe bereits hochbetagt verstorben. Der junge Goethe fährt Schlittschuh auf dem zugefrorenen Main, Dom und Brücke bezeugen es. Das ist uns heute kaum glaubhaft, aber so kalt war es einst tatsächlich. In ‚Dichtung und Wahrheit‘ erinnert sich der Meister daran. Er hat sich auf dem Bild den Pelz seiner Mutter umgeworfen, die mit den Händen im Muff ihren Hätschelhans bewundert. Das tun auch etliche junge Damen, die vordere trägt selbst Schlittschuhe, die hintere hält einen Schneeball. Das Bild des jungen Dichters wird bei Kaulbach zur Allegorie reiner Lebensfreude. Und das bei Minusgraden.

Später dann hat zum Beispiel Gabriele Münter immer wieder die schneebedeckten Dörfer der Voralpenlandschaft gemalt. Und das durchaus farbenfroh, wie etwa auf dem Gemälde „Drei Häuser im Schnee“. Als Kind habe auch ich den Winter durchaus als schön erlebt. Ich erinnere mich an die glühenden Backen beim Schlittenfahren oder Schlittschuhlaufen. Man konnte gar kein Ende finden.

Winterlandschaft Hendrik Avercamp um 1610

Das alles ist Schnee von gestern

So kalt wie einst wird es in unseren Breiten nie mehr werden. Selbst wenn alle Staaten das Regelwerk von Kattovice ernst nehmen. Die schon erfolgte Erderwärmung ist nicht mehr zurückzuschrauben, hier versagt unser Machbarkeitswahn. Die Polkappen sind ja bereits kleiner geschmolzen, der Permafrostboden ist am Auftauen, viele Urwälder wurden für Palmölplantagen gerodet und sind unwiderbringlich perdu.
Außerdem kaufen die Leute noch immer SUVs, was das Zeug hält. Und noch immer wird der Gott „Wachstum“ angebetet. Und Kohle, gar Braunkohle wird mindestens noch die nächsten Jahre in Kraftwerke geschaufelt.

Nur das Schlimmste kann noch verhindert werden, nämlich eine Erwärmung bis zu 3 Grad gegen Ende des Jahrhunderts. Dafür muss die Verdrängung des tödlichen Prozesses aus unserem Bewusstsein ein Ende haben. Und ganz besonders im Bewusstsein der Politiker und Manager an Wichtigkeit gewinnen.