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Boulevard St.Martin No.11

Dieses Buch ist eine Autobiografie eines großen Antifaschisten

Peter Gingold,  Paris – Boulevard St. Martin No. 11
Der Untertitel dieser Autobiografie lautet Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik.
Damit ist sehr viel gesagt über Peter Gingold, der von 1916 bis 2006 lebte und in dem Buch beschreibt, wie er Kaiserreich, Weimarer Republik, Hitlerfaschismus und demokratischen Neubeginn in seinem Leben wahrgenommen und reflektiert hat. Die 187 Seiten des kleinen Bandes wirken knapp für das pralle und reiche Leben und Wirken des Peter Gingold, sind zugleich mit zahlreichen Fotos aus verschiedenen Epochen seines Lebens mit seiner Familie sehr gut illustriert und anschaulich gemacht.
Der seit 1945 in Frankfurt lebende Widerstandskämpfer Peter Gingold konnte nicht nur berichten und lebendig erzählen, was er bevorzugt vor Jugendlichen in Schulen bis zu seinem Tod leidenschaftlich und mit großer Resonanz gemacht hat. Er konnte auch schreiben, mit einfachen Worten sein Leben entfalten und dabei den Leser in das Buch hineinziehen. Dieses könnte und sollte Pflichtlektüre werden für jungen Deutsche und solche, die in dieses Land einwandern.
Die Biografie wurde herausgegeben von Ulrich Schneider, der eine knappe Einleitung verfasste. Am Ende schließen Nachgedanken von Sonja Axen an. Peter Gingold hat geistige Erben gefunden wie seine jüngere Tochter Silvia, die wie er in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes weiter arbeitet und dazu allzu viel Veranlassung findet.
Gingold floh 1933 vor den Nazis nach Frankreich , war im Widerstand aktiv, wurde 1943 von der Gestapo in Paris gefasst, konnte aber trickreich durch den Hinterausgang des Hauses Boulevard St. Martin No. 11 in Paris entkommen. Vorher und nachher war er in der französischen Résistance tätig. Später in der Bundesrepublik hat er als Kommunist und Antifaschist politisch offensiv gewirkt. Er musste  erleben, dass seiner Tochter Silvia Gingold als Lehrerin die Tätigkeit im Schuldienst per Berufsverbot untersagt wurde. Nach Jahren des Kampfes gegen das Berufsverbot konnte Silvia Gingold, herabgestuft in ein Angestelltenverhältnis, endlich ihren Beruf ausüben. So kämpften Vater und Tochter Seite an Seite gegen die undemokratische und schließlich zurückgenommene staatliche Praxis der Berufsverbote.
Eine spannende Biografie, deren Wert mit den (Foto-)Dokumenten und eingeschobenen Texterläuterungen historischer Hintergründe, etwa zur Spanischen Republik oder zur Saarabstimmung, vollends zum historischen Lesebuch über das  20. Jahrhundert wird.

Peter Gingold,  Paris St. Martin No. 11 Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik
Herausgegeben von Ulrich Schneider
187 Seiten mit zahlreichen Illustrationen,
Paperback, Papyrossa Verlag, 2. verbesserte Auflage 2009, Preis 14,90 Euro, ISBN 978-3-89438-407-4