Home » Politisches Denken im Übergang ins 21. Jahrhundert

Politisches Denken im Übergang ins 21. Jahrhundert

Politisches Denken im Übergang ins 21. Jahrhundert
Frank Deppe vollendet sein Opus Magnum

Marburg ist eine reiche Stadt. Ist reich an Geschichte, mit ihrer Universität. In Marburg hat es sehr viele Bücher und Marburg hat zahlreiche Buchhandlungen, mehr als zehn an der Zahl. Es melde sich, wer einen zeitgenössischen Marburger Autor kennt, der ein vierbändiges Werk vorgelegt hat, das (zudem im Schuber) als Paket erhältlich ist. Abstrakt artikuliert, würde man bei dem zusätzlichen Stichwort „politisches Denken“ vielleicht an Jürgen Habermas denken. Doch der ist kein Marburger. Gemeint ist vielmehr der Politologe Frank Deppe. Mit dem Band Politisches Denken im Übergang ins 21. Jahrhundert – Rückfall in die Barbarei oder Geburt einer neuen Weltordnung? präsentiert Deppe den Abschluss eines mehrbändigen Werkes zum politischen Denken im 20. Jahrhundert.
Professor Frank Deppe hatte als Schüler von Wolfgang Abendroth bis zu seiner Emeritierung 2006 einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Philipps-Universität. Seit 1994 bot er Lehrveranstaltungen zum politischen Denken im 20. Jahrhundert an und veröffentlichte  1999 dazu einen ersten Band. Diesem folgten im Abstand von etwa drei Jahren weitere Buchpublikationen als Reihe, die der Politologe nunmehr mit Band 4 nach rund 15 Jahren abschließt. So erscheint hier die Bezeichnung „Opus Magnum“ durchaus nicht unzutreffend. Es fragt sich, wem dies überhaupt geläufig ist. Und es fragt sich, ob und welche Buchhandlung in Marburg Deppes diesbezügliches Werk (im Schaufenster) anbietet. Beim VSA-Verlag, wo die  vier Bände allesamt erschienen sind, gibt es ein Deppe-Paket mit den vier Bänden in fünf Büchern in einem Schuber, Komplettpreis: 100 Euro statt 131,60 Euro.
Der das Werk abschließende vierte Band beschäftigt sich auf 438 Seiten mit der Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 – 1991, der damit endenden bipolaren Weltordnung und der zunehmenden Erosion der „Pax Americana“ sowie den sich neu herausbildenden globalen Kräfteverhältnissen. In Gestalt sich nachhaltig emanzipierender vormaliger Schwellenländer findet dies einen maßgeblichen Niederschlag. Dabei werden häufig   die sogenannten „BRIC-Staaten“  genannt, womit Brasilien, Russland, Indien und China gemeint sind.
Deppes Buch will und kann keine abgeschlossene Epoche beschreiben, sind diese Entwicklungen und Verschiebungen der ökonomischen wie politischen Kräfte zu sehr noch im Gange und im Ausgang unabsehbar.
Neben der Darstellung der Grundzüge der Entwicklungen und der „einen Welt des Kapital“ reflektiert Deppe die aktuelle globale Finanzmarktkrise, beschreibt Widersprüche des heutigen Finanzmarktkapitalismus und gelangt über den „Green New Deal“ schließlich zu einem Hauptkapitel der „Renaissance und Politisierung der Religion“. Daran schließt an eine Beschäftigung mit dem  „unvollendeten Projekt Aufklärung“ zur Frage  nach  „Grenzen sozialliberaler Modernisierungsstrategien“ bis zur Frage nach dem „Ende der Sozialdemokratie“.  Das Schlusskapitel behandelt in Frageform das Thema  „Sozialismus im 21. Jahrhundert“.
Frank Deppe markiert hier einige große Bögen, die mit Namen wie Chomeini, Habermas, Giddens, Schröder/Blair oder George W. Bush verknüpft sind. Mit dem abschließenden Band hält der Leser damit ein aktuelles Werk in der Hand, welches eine Menge historischer Einordnungen und Gegenüberstellung leistet und eine lohnende Lektüre für alle diejenigen darstellt, die sich mit dem Lauf der Dinge in einer globalisierten Welt nicht fatalistisch zufrieden geben wollen.

Frank Deppe, Politisches Denken im Übergang ins 21. Jahrhundert – Rückfall in die Barbarei oder Geburt einer neuen Weltordnung?, 438 Seiten, Paperback, VSA-Verlag, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-89965-402-8, Preis 29,80 Euro