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Wirtshaus an der Lahn

Dieses Buch in zweiter Auflage beschäftigt sich mit einem abgebrochenem Gebäude

Als Band 90 der „Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur“ haben Hans Günther Bickert und Norbert Nail das akribisch erforschte Werk „Der alte Gasthof zum Schützenpfuhl in Marburg“ vorgelegt. Auf 160 Seiten entfalten die Autoren eine quellengestützte Geschichte des über die Region hinaus bekannt gewordenen und besungenen Gasthofes – dem „Wirtshaus an der Lahn“. Ein lesenswertes Buch, dem der Rezensent gerne etwas mehr Format, sprich Ausstattung, zugebilligt hätte.
Die beiden Marburger Historiker sind die Themenstellung vielseitig angegangen, haben sich etwa der Rezeptionsgeschichte des Wirtshausliedes und seiner verschiedenen Fassungen ebenso gewidmet wie der Frage der zutreffenden Zuordnung des Schützenpfuhl-Gasthofes als „Wirtshaus an der Lahn“.
„Der Romantik dieser alten Marburger Herberge und Schankstätte nachzuspüren, über das Haus, seine Wirte und Wirtinnen sowie die Menschen, die hier einkehrten, darunter manch prominenter Zeitgenosse, zu berichten und das Lied vorzustellen, das den Namen des Gasthauses in alle Winde getragen hat,“ sollte – so die Autoren – geleistet werden. Die Leistung ist zugleich quellenorientiert wissenschaftlich wie interdisziplinär und im Sinne einer kulturgeschichtlichen Gesamtwürdigung durchaus erfüllt worden.
Es macht Spaß, das Buch zu lesen, die Quellenhinweise und reichen Literaturverweise zu verfolgen. Nicht zuletzt offenbaren sich darin viele andere Aspekte Marburger Geschichte, etwa als Standort einer Garnison, als Studenten- und Professorenstadt sowieso.
Der Aufbau ist ebenso klar wie einleuchtend. Nach der Einführung kommt als erstes Kapitel das Lahnwirtshauslied. Es schließt  sich ein Abschnitt über das Bauwerk an. Im folgenden Kapitel über die Gäste wird unterschieden zwischen Fuhrleuten, Soldaten und Studenten. Abschließend geht es um die literarische Verklärung.
Ausführlich wird in einem Anhang ein hinterlassener sogenannter „Himmelsbrief“ dokumentiert, interpretiert und eingeordnet. Den Schluss bilden 15 Seiten Quellen- und Literaturhinweise.
Ein sorgfältig erforschtes besonderes Marburger Thema wird in dem 90. Band der Marburger Stadtschriften vorgelegt. Es hält möglichen Ansprüchen zur kritischen wie bildungsinteressierten oder unterhaltsamen Lektüre stand und leistet in nicht geringem Masse die Aufgabe einer Dokumentation. Dies gilt für die Quellen und insbesondere die historischen Fotografien.
Letztgenannte können jedoch wegen mangelhafter Bearbeitung und Druckwiedergabe leider nur als schlecht bezeichnet werden. Wirkt der Satz des Buches hölzern, um nicht zu sagen bleiern, fällt die schwache Qualität der schwarz-weiß gedruckten Fotografien unangenehm auf. Dies ist aber sicher nicht den Autoren anzulasten.
„Marburg an die Lahn“ ist das mit dem Jahr 2010 verklingende touristische Motto in der Universitätsstadt. Dessen Impetus wird ebenso wenig enden wie städtebauliche Aufgabenstellungen und bauliche Maßnahmen. Damit könnte eine Ausstellung über den alten Gasthof zum Schützenpfuhl eine lohnenswerte Aufgabe in der Zukunft werden. Fotografien und Dokumente dazu hat es nicht wenige. Sie verdienen Präsentation und zuvor adäquate Bearbeitung, Druckwiedergabe und Bewahrung. Die Tatsache der 2. Auflage des vorliegenden Bandes belegt bereits ein lebhaftes Interesse.

Hans Günther Bickert, Norbert Nail:
Der alte Gasthof zum Schützenpfuhl in Marburg

Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur. Band 90.
Format DIN A4, 160 Seiten, geheftet, mit zahlreichen Fotografien, Zeichnungen, Plänen und Dokumenten.
2.Auflage  2009
ISBN 978-3-923820-90-0,  Preis 8 Euro.