„Kassel als junge Großstadt“  – Ein Bildband zeigt die verschwundene Pracht der Nordhessenmetropole

Kassel 01.12.2019 (yb) Von Kassel ist allgemeinhin bekannt, dass die Stadt zum größten Teil in Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist. Im Oktober 1943 wurden die umfangreich vorhandenen Anlagen der Rüstungs- und Kriegsindustrie in Kassel Ziel …

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Abbruch und Neubau Einkaufsmarkt

Marburg 24.8.2010 (yb) Bevor es an der Schnittstelle zwischen Cappel, Richtsberg und der Frauenbergstraße am „Cappeler Kreuz“ mit Neubauten losgehen kann, muss erst einmal Platz geschaffen werden. Die Baumaß-nahmen zur Erweiterung der Kreuzung kommen zu einem späteren Zeitpunkt. Im Hause Tegut möchte man früher beginnen. Geplant ist der Herbst 2010. Damit stünde der Baubeginn unmittelbar bevor. Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. So ist inzwischen die vormalige Halle des TÜV abgebrochen worden.

Abbruch bebauter Flächen: Platz für Neubauten

Stahlträger wird demontiert

Demontage der Stahlkonstruktion der vormaligen TÜV-Halle nahe zum Cappeler Kreuz (Fotografien Hartwig Bambey)

Inzwischen ist vom vormaligen TÜV-Gebäude beinahe nichts mehr zu sehen. Die Halle ist demontiert. Sie wird andernorts wieder aufgebaut und genutzt. Die geschraubte Stahlbau-Konstruktion macht dies möglich.

Damit entsteht bereits eine große Freifläche unmittelbar angrenzend an den dortigen Jahrzehnte alten Lebensmittel-Markt.

In diesem Bereich gibt es zwei weitere bebaute Grundstücke. Sie liegen zwischen der als Stummel

Schild mit Straßennamen Marburger Straße

Der Rost am Straßenschild verrät bereits dessen Alter. Die beiden Liegenschaften mit Haus Nummer 98 und 100 sind bebaut. Ein Gebäude bleibt stehen, eines wird abgebrochen.

endenden Marburger Straße und der Umgehungsstraße. Die Straße bleibt erhalten und wird als Zuwegung für das geplante neue, erweiterte Einkaufszentrum benutzt werden.

Halle Telekom bleibt

Das unmittelbar hinter dem Straßenschild liegende Grundstück ist mit einer Halle bebaut. Diese gehört der Telekom. Sie wird als Schalt- und Relaisstelle genutzt. Unterirdisch kommen dort zahlreiche Kabel und Leitungen an, die dort verschaltet und geregelt werden. Eine Verlegung all dessen wäre mit sehr großen Aufwendungen verbunden.

Die Telekom-Halle mit Schalttechnik auf einem Randgrundstück bleibt stehen.

Erst dann wäre ein Abbruch des unschönen Zweckbaus dieser Halle denkmöglich. Die Kosten hätten von der Stadt Marburg übernommen werden müssen. Diese hat kein Geld dafür und kein hinreichendes Interesse. So kommt es, dass die Halle verbleibt, Verkehrsführung wie Gesamtplanung von deren Bestand auszugehen haben.

Wohnhaus verschwindet

Im Unterschied dazu wird das zwischen der Telekom-Halle und der Kreuzung Beltershäuser Straße

Wohnhaus

Gebaut vor rund 50 Jahren, verschwindet das Wohnaus Nr 100 in der Marburger Straße im Zuge der Maßnahmen zur Neugestaltung und Bebaung des Areals. (Foto Hartwig Bambey)

gelegene Wohnhaus verschwinden. Diese Liegenschaft wurde von Tegut erworben. Das Wohnhaus wird abgebrochen. Die Liegenschaft wird weitgehend als Grünfläche gestaltet. Damit wird zumindest dort eine räumliche Enge aufgehoben. Zugleich wird ein Funktionskonflikt beseitigt.

Umfassende Veränderungen

Nach längerer Planungszeit und Abstimmungen zwischen öffentlichen und privaten Belangen und Interessen stehen nunmher durchgreifende Veränderungen vor der Tür. Abbruch von Gebäuden schafft benötigten Raum für verkehrliche Umgestaltung und Neubauten. Damit verbunden wird eine gestalterische Aufwertung dieses Bereiches. Immerhin handelt es sich um ein

Straße mit Bushaltestelle

Gesamtbereich Marburger Straße, Schubertstraße und Umgehungsstraße in Cappel

Filetgrundstück mit bester Verkehrsanbindung und hohem Kaufkraftpotential in unmittelbarer Nähe. Insofern darf man gespannt sein, wie der Bauherr Tegut seine Gebäude gestaltet. Der Entwurf als Kuppelbau ist bereits bekannt. Neben der Gestaltung interessiert die energetische Auslegung bis zu Fragen der Nutzung von Sonnenenergie.

Bevor diese Planungen vorgestellt werden, sollen die wirtschaftlichen Rahmendaten betrachtet werden. Zunächst interessiert, wer in dem Gebiet einkaufen geht. Präziser betrachtet, geht es darum zu wissen wieviel Kaufkraft in der Nähe, dem Einzugsgebiet vorhanden ist. Dazu gibt es ein Gutachten. dies wurde im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens im März 2009 vorgelegt, erarbeitet vom Büro Holger Fischer in Linden.

Wie in der Tabellle zu lesen, sind insbesondere die Bewohner aus = Cappel Zone Ia und die Bewohner vom Richsberg = Zone Ib als Kunden von Bedeutung.

Zone
Einwohnersortimentsbezogene
Kaufkraft in Mio. €
anrechenbar in %anrechenbar in Mio. €
Ia7.90014,96100%14,96
Ib8.20014,66100%14,66
II1.7003,2275%2,42
III15.20027,1850%13,59
46,53
Anteil des Umsatzes institutionalisierter Einzelhandel 86 %
bedeutet

39,24 Millionen Euro Umsatz erzielbar

Luftbild auf den Süden Marburg

Südliche Bereiche von Marburg, in der Bildmitte das Einkaufsgebiet Temmlerstraße. Nahebei auf der anderen Seite der Kreuzung wird ausgebaut undf neu gebaut (Foto Hartwig Bambey)

Die umgebenden Wohngebiete und das Einkaufsverhalten machen die Flächen also zum Filetgrundstück. Das bedeutet hohe Umsatzmöglichkeiten. Es wurde auch untersucht, wie sich die Umsätze, anders formuliert die dort gebundene Kaufkraft, auf verschiedene Akteure verteilt.

AnbieterStandortFächen-
produktivität
in Euro/qm
Verkaufs-
fläche
Bestand
Verkaufs-
fläche
geplant
Umsatz
alt in
Mio Euro
Umsatz
neu in
Mio Euro
Herkules LMTemmlerstraße4.8502.0009,709,70
Herkules GM1.5005000,750,75
AldiTemmlerstraße5.6006501.0003,645,60
Tegut LMSchuberstraße4.8501.9602.2809,5011,06
Tegut GM1.5003005000,450,75
ReweAm Richtsberg3.9506002,372,37
Edeka NeukaufAm Richtsberg3.9508503,363,36
Edeka SB-MarktMarburger Straße2.6001600,420,42
LidlMarburger Straße5.8008004,644,64
Zusammen-
stellung
03/2009
Gutachten
Planungsbüro
Holger Fischer
34,8338,65

„Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass n… das geplante Vorhaben, auch mit der modifizierten Sortiments- und Verkaufsflächenstruktur, mit keinen wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Verwirklichung der Ziele der Raumordnung und Landesplanung sowie der städtebaulichen Entwicklung und Ordnung einhergeht, so dass eine positive Empfehlung ausgesprochen werden kann“ findet sich als Resümee und sogar als Empfehlung des Gutachters.

Nun ist man oft erst hinterher schlauer, insofern gilt es abzuwarten, wie sich dieses Einkaufsgebiet entwickelt. Dazu kann beobachtet werden, wie es Einzelhandelsanbietern im nahen Cappel ergehen wird. Das Gutachten sieht keine Probleme.

Statt bisher knapp 10 Millionen Euro Umsatz bei Tegut werden zukünftig für Tegut als Entwickler und Bauherren des Areals und zugleich größten Anbieter knapp 12 Millionen Euro Jahresumsatz prognostiziert. Mithin eine Steigerung um ca. 20 Prozent. Das könnte Tegut etwas wert sein.

So entsteht ein Zusammenhang zur Bauplanung. Was für eine Architektur in welcher Qualität und energietechnischen Auslegung wird dort gebaut, kann als Frage gestellt werden. Die bisher vorliegende Zeichnung sagt nicht allzuviel. Bei der Bauabteilung der Firma Tegut wurde bereits wegen weitergehenden Informationen angefragt.