Mit fremden Federn – Nicht nur Native Americans trugen Federschmuck

Marburg 20.06.2019 (pm/red) Gastbeitrag von Ursula Wöll Das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur in Wiesbaden präsentiert eine ethnologische Sonderausstellung unter dem Titel „Mit fremden Federn“. Sie ist nicht nur prächtig anzusehen, sondern informiert auch …

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Gentrifizierung und die Stadt von morgen – Veranstaltungsreihe im Café Trauma

Marburg 14.12.2010 (pm/red)  In der Marburger Nordstadt sind umfangreiche Baumaßnahmen eingeleitet worden. Seit Jahren gibt es eine Sanierungsplanung mit bereits umgesetzten Maßnahmen. Die Stadt Marburg will die Nordstadt entwickeln und aufwerten. Der universitäre Campus Firmanei, der Bau von Verwaltung und Congress Centrum der Deutschen Vermögensberatung und die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes sind dabei Schwerpunktinvestitionen. Das ist noch lange nicht alles. Erstmals in der Bürgerinformationsveranstaltung im Afföller öffentlich gemacht, wurden und werden Befürchtungen und Bedenken zu Gentrifizierungsprozessen diskutiert. Damit beschäftigt sich jetzt eine anspruchsvolle Veranstaltungsreihe im Café Trauma.

Ökonomische, soziale und politische Bedingungen von Stadtentwicklung in Marburg

Wenn von Stadtentwicklung gesprochen wird, hat diese Rede meist eine bestimmte Form der Aufwertung ganzer Stadtteile im Sinn. Existierender Wohnraum soll renoviert und leer stehende Gebäude nutzbar gemacht werden. Das Warenangebot im Stadtteil wird als ein mangelhaftes wahrgenommen und muss dementsprechend verbessert werden. Und gegen eine zusätzliche Begrünung wird wohl auch niemand Einspruch erheben wollen.

Was bringt Stadtumbau für die Bewohner?

Doch wie sieht es aus, wenn nach diesen Aufwertungsprozessen die Bewohner des Viertels sich das Leben dort nicht mehr leisten können? Was wird aus der vielbeschworenen Vielfalt der Stadt, wenn Exklusionsprozesse StadtbewohnerInnen ausgrenzen? Welche gesellschaftlichen Strukturen kommen dabei zum Tragen und finden hier ihre räumliche Entsprechung? Und nicht zuletzt, wovon reden wir eigentlich, wenn wir von der Stadt sprechen?  Um diese und andere Fragen zu diskutieren, laden wir ein zu unserer Veranstaltungsreihe „Gentrifizierung & die Stadt von Morgen – ökonomische, soziale und politische Bedingungen der Stadtentwicklung“.

Veranstaltungen im Café Trauma

Dr. Andrej Holm – aktuelle Stadtpolitiken und Gegenstrategien  Dienstag 2.November
forscht zu Themen der Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik im internationalen Vergleich. Im Café Trauma wird er zu aktuellen Entwicklungen der Stadtpolitik und den Möglichkeiten von Gegenstrategien referieren.
Andrej Holm, Jahrgang 1970, ist Sozialwissenschaftler, Lehrbeauftragter für Stadtforschung am Institut für Soziologie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Dr. Georg Fülberth, Dr. Gert Meyer – „Marburg was war, was ist, was wird? Eine kritische Stadtgeschichte“ Mittwoch, 3.November

Wer neu in eine Stadt kommt, sieht in der Regel nur ihre Oberfläche. Von ihrer Vergangenheit sind dann  nur ein paar Denkmäler sichtbar. Und die sind allemal Herrschaftsdokumente, die die reale Geschichte verklären und verfälschen. Eine solche verschobene Sicht ist nicht gut für das Verständnis der Gegenwart. Daran wollen wir etwas ändern. Wir möchten hiermit dazu einladen, die Marburger Stadtgeschichte zu erkunden und dabei herauszufinden, wie in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten Herrschaft und Knechtschaft, Armut und Reichtum, Unterdrückung und Kampf um Befreiung hier Ausdruck gefunden haben. Wer hatte in der Vergangenheit in dieser Stadt das Sagen, wer hat machte die Arbeit, wer schöpfte den Rahm ab?
In dieser einführenden Abendveranstaltung und in fünf darauf folgenden Spaziergängen wollen wir dies erkunden.
Georg Fülberth, Jahrgang 1939, Schüler Wolfgang Abendroth, Vorsitzender Fraktion Marburger Linke
Gert Meyer, Jahrgang 1942, Lehrbeauftragter der Universität Marburg für Politikwissenschaften.

Prof. Bernd Belina – Wie Städte im Namen der Sicherheit sozial sortiert werden Montag 8.November
Über Exklusionsprozesse,  soziale Ausgrenzung und  Sicherheitskonzepte bei der Stadtentwicklung.

Ökonomische und politische Prozesse sorgen dafür, dass sich in Städten gesellschaftliche Widersprüche in sozial-räumlichen Disparitäten und Polarisierungen materialisieren. Eine – zunehmend zentrale – Legitimation für das Regieren dieser sozialen Sortierungen ist die „Sicherheit“, unter der stets jene der eingerichteten gesellschaftlichen Ordnung vor Störungen verstanden wird. „Sicherheit“ und ihr Gegenteil – „Unsicherheit“, „Kriminalität“, „Unordnung“ etc. – werden als Ideologien produziert, in Recht und anderen (staatlichen) Institutionen materialisiert und von der Polizei, anderen Staatsapparaten und solchen der Zivilgesellschaft durchgesetzt. Diskutiert werden Beispiele solcher Prozesse des Regierens sozialer Widersprüche mittels Sicherheit (hierzulande etwa Betretungsverbote, Alkoholverbote in nicht-kommerziellen öffentlichen Raum, in UK Anti-Social Behaviour Orders, überall: Videoüberwachung öffentlicher Räume). Diese Kriminalisierung der Verlierer von Herrschaftsprozessen gilt es zu kritisieren, um sich diesen Prozessen selbst zuzuwenden.
Berd Belina, Jahrgang 1972, lehrt und forscht seit 2008 am Institut für Humangeographie. Er hat am Institut für Geographie der Universität Bremen promoviert und am Institut für Geographie der Universität Potsdam und am Leibniz-Institut für Länderkunde gearbeitet. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich historisch-materialistischer Politischer Geographie und Sozialgeographie.

Madeleine Sauer – Emanzipatorische Utopien im Alltag denken, leben und experimentieren?! – Das Mietshäuser Syndikat als widerständige (Alltags-)Praxis“  Mittwoch, 8.Dezember

  • Warum versuchen Menschen gesellschaftliche Alternativentwürfe zu leben, denken und experimentieren?
  • Warum   finden  sich  widerständige  (Alltags-)Praxen,  wenn  „der“ Kapitalismus bzw. das kapitalistische System angeblich in der Lage ist, widerständiges Handeln aufzunehmen und Markt-kompatibel zu machen?
  • Dient am Ende vielleicht der Widerstand gegen die herrschenden Macht- und Ausbeutungsstrukturen dem herrschenden System – und nicht dessen Überwindung?

Der Vortrag möchte (zu) pessimistischen Lesarten ein produktives „Nein“ entgegen setzen. Aus  einer  queer-feministischen, herrschaftskritischen und antikapitalistischen Perspektive  sollen erste Ergebnisse einer Diskussion zur Geschichte, den Ideen und Visionen sowie den alltäglichen Widersprüchen des Mietshäuser Syndikats vorgestellt werden.
Es gibt sie also doch, die Handlungsmöglichkeiten?!
Und ist das Mietshäuser Syndikat vielleicht ein Moment emanzipatorischer Stadtentwicklung
von unten?
Madeleine Sauer promoviert in Berlin zum Thema.

Roger Behrens – Kritische Theorie der Stadt(-entwicklung) Dienstag, 14.Dezember
Die »kritischen« Auseinandersetzungen mit der Stadt, dem Leben in der Stadt und dem städtischen Raum konzentrieren sich heute auf zwei stadt-spezifische Kraftfelder der Politik und der Ökonomie: Einerseits auf die mit dem Begriff der »Gentrifizierung« zusammengefassten Prozesse, andererseits auf den Komplex »Sicherheit und öffentlicher Raum«.
Gemeinsam ist diesen Auseinandersetzungen, dass sie sich nicht in einer homogenen radikal-emanzipatorischen Bewegung formieren, sondern in jeder Hinsicht, in der Praxis wie in der Theorie, heterogen und subjektivistisch bzw. individualistisch bleiben – innerhalb eines je schon akzeptierten Urbanismus.Der Vortrag soll einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit eben diesem Urbanismus leisten.
Roger Behrens, Jahrgang 1967, ist Philosoph und Sozialwissenschaftler. Seine Arbeitsgebiete sind die kritische Theorie der Gesellschaft sowie die Philosophie und Ästhetik der Moderne und Postmoderne.