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Die Objektplanung für die Stadthalle ignoriert viele Umfeldfaktoren

Ohne Vorbau und mit umfassender energetischer Modernisierung soll die Stadthalle ausgebaut werden.

Marburg 21.6.2011 (red) Am 17. Juni 2011 wurde ein Nutzungskonzept für die Stadthalle verabschiedet. Stadthalle, Theaterspielstätte, Spielstätte für das KFZ, Einhausung Touristinformation, Gastronomie sind Eckdaten. Baukosten sind 16,3 Millionen Euro benannt. In der Diskussion wurden Bedenken vorgetragen, bevor von der rot-grünen Mehrheit die Grundplanung verabschiedet wurde. das Marburger. dokumentiert den Redebeitrag von Hermann Uchtmann, Marburger Bürgerliste.

Gastbeitrag von Hermann Uchtmann. Es ist unbestritten, dass die Stadthalle saniert werden muss. Zweifelhaft aber ist, ob das jetzt vorliegende Konzept sinnvoll und nachhaltig ist. Marburgs Mitte wird sich in den kommenden Jahrzehnten drastisch verändern. Der Neubau des Campus Firmaei, aber auch die Entwicklung der Universität, insbesondere bezüglich der Studentenzahlen, werden Markierungen setzen, die bei allen anderen Planungen berücksichtigt werden müssen.

Da die Planungen für die neue Universitätsbibliothek und das nähere Umfeld inklusive Bebauung des jetzigen Parkplatzes Pilgrimstein praktisch abgeschlossen sind, müssen diese Fakten auch in die Planung für die Renovierung und zukünftige Nutzung des Erwin-Piscator-Hauses einfließen. Auch die verkehrsmäßige Erschließung dieses Bereichs ist von außerordentlicher Bedeutung. Zukünftige Besucher einer neuen Stadthalle werden sich die vorhandenen Parkplätze mit den Nutzern der neuen Universitätsbibliothek teilen müssen.
Das Hörsaalgebäude wird gerade saniert. Daher sollte in der Planung die Wechselbeziehung zwischen Hörsaalgebäude und Stadthalle bei großen Kongressen oder anderen Veranstaltungen in der Stadt berücksichtigt werden.
Diesen übergreifenden Aspekten ist meiner Meinung nach in der vorliegenden Planung viel zu wenig Rechnung getragen worden.

Zu Marburgs Mitte kann man durchaus das Waggonhallen-Areal zählen, das laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für Kulturnutzungen entwickelt werden soll.
Die politische Absichtserklärung der Stadtverordnetenversammlung dafür lautet „Entwicklung eines Konzept zur kulturpolitischen und städtebaulichen Entwicklung des Areals um das Kulturzentrum Waggonhalle zu entwickeln, mit dem Ziel, dieses Areal als Standort der Kunst und Kulturwirtschaft auszubauen, an dem öffentlich geförderte freie Träger und privatwirtschaftliche Interessenten zusammengeführt werden.“

Die Problematik ist also sehr viel umfassender und die vorliegenden Pläne für eine neue räumliche Anordnung und Sanierung der Stadthalle greifen zu kurz. Hinzu kommt, dass alternative Planungen, wie der Bau einer neuen Stadthalle an anderer Stelle, oder Abriss und Neubau an gleicher Stelle, nicht hinreichend untersucht wurden.

Weiterhin ist unverständlich, warum Schulerweiterung und Stadthallensanierung in einen Topf zusammen geworfen werden. Es ist zwar eine räumliche Verzahnung vorhanden, kostenmäßig aber könnten beide Projekte sauber getrennt werden. So ist mir nicht klar, worauf sich die veranschlagten rund 16 Millionen Euro beziehen. Sind sie nur für den Umbau der Stadthalle vorgesehen oder sind darin die Kosten für die schon fertig gestellten Umbauten der Martin-Luther-Schule enthalten?

Die jetzt vorgelegten Pläne überzeugen in keiner Weise. Insbesondere, weil sie ein Gesamtkonzept vermissen lassen.

MBL-Stadtverordneter Hermann Uchtmann am Rednerpult in der Stadterordnetensitzung am 17. Juni.

Unserem Erachten nach sollte auf jeden Fall auch eine kleine Lösung für die Stadthalle geprüft werden, nämlich Renovierung und energetische Sanierung des vorhandenen Gebäudes mit einer entsprechenden Erneuerung der Fassade – ohne zu große Umbauten im Inneren. Eine solche Maßnahme sollte ein Kostenvolumen von 7 Millionen Euro nicht überschreiten.

Parallel dazu sollte das KFZ ganz im Sinne des oben aufgeführten Beschlusses der Stadtverordneten-versammlung (StVV) auf dem Gelände der Wagonhalle in einem Neubau untergebracht werden. Das Waggonhallenareal soll laut Beschluss der StVV sowieso neu und attraktiv gestaltet werden. Die Kosten für dieses Projekt sollten sich deutlich unterhalb von 9 Millionen Euro halten lassen und vor allem besser abschätzbar sein, als das jetzige Stadthallenprojekt.

Auch die verkehrsmäßige Anbindung beider Standorte lässt sich dann problemlos gestalten. Bezüglich der Stadthalle sollten kommende Veränderungen einbezogen werden. Wenn der Umbau fertig ist, gibt es den neuen Parkplatz am Pilgrimstein nicht mehr. Sobald die Bauarbeiten an der neuen Universitätsbibliothek beginnen, fallen dort etwa 300 mehr oder weniger freie Parkplätze im alten Klinikgelände weg. Für die jetzt vorgestellten Pläne zum Erwin-Piscator-Haus wären die Parkplätze auf den Lahnwiesen dringend notwendig gewesen.

Mit der Schaffung von zwei attraktiven Kulturzentren, nämlich Stadthalle und Waggonhallenareal, und unter Einbeziehung des Kongresszentrums der DVAG würde ein Dreieck in fußläufigen Entfernungen entstehen, das entscheidend zur Belebung der Nordstadt beitragen würde. Mit dem Tagungszentrum der DVAG ist mit einer deutlichen Zunahme des Publikumsverkehrs in der Nordstadt zu rechnen. Zusammen mit dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes kann ein neuer zentraler Anziehungsbereich in Marburg entstehen.

Aber auch hier ist wieder vorausgesetzt, dass ein städtebauliches Gesamtkonzept entwickelt wird. Wir haben jetzt schon das Problem, dass die Zukunft der Altkliniken ungeklärt ist. Mit dem weiteren Bau des Campus auf den Lahnbergen werden auch das vorklinische Studium, dazu die restlichen medizinischen Institute, auf die Lahnberge ziehen. Weitere Gebäude in der Nordstadt werden frei werden. Selbst wenn dieser Zeitpunkt noch Jahre entfernt ist, müssen doch jetzt die Weichen für diese Stadtentwicklung gestellt werden.

Vor diesem Hintergrund muss die jetzt anstehende Erneuerung der Stadthalle gesehen werden und da fehlt mir das überzeugende Konzept unter Einbeziehung der benannten gravierenden Umfeldveränderungen.