Nutzungsverzicht im Wald schadet Wald und Klima:  Nabu Hessen fordert eine großzügige Ausweisung von Wald-Wildnisgebieten

Kassel 08.01.2020 Gastbeitrag von Roland Irslinger | In der Wohlfühl-Ökoszene um Autor Peter Wohlleben herrscht die Meinung, man solle wegen des Klimaschutzes den Wald besser in Ruhe lassen statt ihn zu nutzen. In einer Studie …

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Forum Philipps-Universitätsstadt-Marburg – oder ein bemühter Höhenflug ins Unverbindliche ?

Marburg 11.11.2012 (yb) In Marburg ist die Bürgerschaft einiges gewohnt. So etwa die sich häufenden Avancen ihres Oberbürgermeisters. Zunächst sollte die Stadt ein Stadtmuseum bekommen. Das war bei einem Neujahrsempfang aus dem Mund des Stadtoberhauptes zu vernehmen. Ist schon etwas her und es ist ruhig geworden diesbezüglich. Dann brauchte das Marburger Schloss einen Aufzug zur Personenbeförderung, posaunte der OB. Dazu gab es dann eine Millionenspende. Die brachte aber eine Menge Ärger ein. Als nächstes wollte Vaupel Marburg zum UNESCO Weltkulturerbe machen. So wurde das angeschoben. Angesichts lästiger Mühen der Ebene in seiner Rot-Grünen Rathauskoalition kam dem OB ein ihm übergebenes Konzept mit Rekurs auf Jubiläumsjahr 2027 dann gerade recht. Nach der internationalen Ebene suchte das visionär-umtriebige Marburger Stadtoberhaupt sich dieses Mal Deutschland als Ebene und hat für 2027 flugs eine Bundesgartenschau vorgeschlagen.

Ganz anders sieht es bei der Philipps-Univesität aus. Deren Präsidentin brennt seit Monaten der Kittel. Deshalb ist Prof. Dr. Katharina Krause das Reden und Stellungbeziehen deutlich vergangen – trotz trefflich teuer aufgefüllter Personalränge in engster Umgebung mit persönlicher Referentin, gleich mehreren neubestallten Presse-PR-Crossmedia-Spezialistinnen und frisch zum Vizekanzler berufenen Rechtsdezernenten. Die Präsidentin lässt schweigen, verweigert Auskünfte (wg. laufender Verfahren) mit Ausnahme des wenig aufregenden Üblichen. Ob von ihr desavouierter Botanischer Garten, Chemie-Neubau mit Mängeln, Monstrum Bibliotheksneubau oder versemmelte ‚Ausschreibung‘ zur Lösung der K-Frage. Seit dem garstigen Ärger mit der Wissenschaftsministerin wegen des Millionendefizits im Haushaltsabschluß 2011 ruckelt, klemmt und stockt es in Krause´s Regentschaft der Alma Mater Philippina.

Während gleichermaßen bei der Philipps-Universität und der Stadt Marburg konkrete Aufgaben, Projekte und Probleme ‚en gros und en detail‘ sich anstauen, Fragen ebenso aufwerfen wie weit entfernt von überzeugenden Umsetzungen sind, wird jetzt eben mal ein Versuch einer geistig-diskursiven Volte gestartet. Neu darin ist die Koalition – oder ist eine Cohabitation – die OB Vaupel und Präsidentin Krause darin zu verwirklichen suchen. Damit dies funktionieren kann wird Personal von auswärts eingeladen und aufgeboten.

Als Marburger Stadtforum wird unter dem Rubrum ‚Universitätsstadt Marburg – Entwicklung von Stadt und Universität‘ eingeladen. Dort soll parliert, diskutiert und kommuniziert werden. Wörtlich liest sich das in der Einladung folgendermaßen:
Beim aktuellen Marburger Stadtforum stehen stabile Funktionsbedingungen und förderliche Steuerungsimpulse der Landespolitik für die kommunale und regionale Entwicklung im Mitetlpunkt. Oberbürgermeister Egon Vaupel und Universitätspräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause sprechen mit Vertretern der Fraktionen im Hessischen Landtag. Dabei geht es um folgende Fragen:
1. Welche regionalpolitischen Impulse gehen von der Landespolitik für die Universitätsstadt Marburg und die Region Mittelhessen aus?
2. Wie lassen sich Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern?
3. Wie gelingt es, Mittelhessen international noch attraktiver zu machen und Studierende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Beschäftigte in der Privatwirtschaft dauerhaft an Marburg zu binden?“

Um Impulse für die Landespolitik, Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll es gehen und darum Mittelhessen international noch attraktiver zu machen.

Zunächst einmal die Daten zu der Veranstaltung:

  • Montag, 19. November 2011, 19 – 21 Uhr
  • Stadthalle Marburg, Biegenstraße 15
  • Auf dem Podium: Egon Vaupel (Oberbürgermeister); Prof. Dr. Katharina Krause (Präsidentin der Philipps-Universität), sowie Vertreter der Fraktionen im Hessischen Landtag: Peter Seyfardt (CDU), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Stefan Müller (FDP), Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen), Willi van Ooyen (Die Linke)

Das hessenweit besetzte Podium soll offenbar Bedeutung und Volumen eröffnen für die Veranstaltung. Die Redaktion von das Marburger. hat einen Wissenschaftler wegen Berichterstattung über diese Veranstaltung angefragt. Dieser übermittelte in seiner terminbedingten Absage Gedanken, die es verdienen, hier veröffentlicht zu werden:

„Was bei dieser Veranstaltungsankündigung stört, ist der wieder mitschwingende Tenor eines allumfassenden Ökonomisierungswahns. Universitäten sind nach meiner Kenntnis und Verortung dazu da, neue Erkenntnisse zu sammeln, Wissen zu schaffen und zumindest im naturwissenschaftlichen Bereich die Grundlagen und mitunter Prototypen für konkrete Anwendungsmöglichkeiten neuer Technologien zu entwickeln. Universitäten sollte ursprünglich Orte für Querdenker sein.

Im Rahmen von Forschungsprozessen werden sich viele ursprünglich attraktive Ideen als letztlich unpraktikabel oder gar falsch herausstellen. Das liegt in der Natur der Sache, wenn man Neuland betritt. Deshalb war auch zu keiner Zeit die Rede davon, dass eine Universität sich im betriebswirtschaftlichen Sinne rechnen muss. Die Öffentlichkeit, also eine breite Gemeinschaft von Steuerzahlern, steckt dort aus gutem Grund Geld hinein, damit breit angelegt und oft sehr risikoreich Wissen für die Zukunft geschaffen werden kann, dass dann frei publiziert wird.

Es sollte schließlich jedem zu Gute kommen, wenn schon alle investieren – ein Anspruch, der heute schon zur Genüge durch die gängigen Publikationspraktiken unterminiert wird. Die Erarbeitung dieser Grundlagen wäre übrigens nicht selten manchem Unternehmer in der Entwicklung zu kostspielig, womit die Universitäten zweifellos eine beachtliche Vorleistung für eine funktionierende Wirtschaft erbringen. Unternehmern wird doch oftmals durch die öffentlich publizierten Ergebnisse überhaupt erst die Grundlage gegeben, Produkte zu erzeugen und weiterzuentwickeln.
Des Weiteren bilden die Universitäten nach meinem Verständnis den wissenschaftlichen Nachwuchs aus – übrigens eine ihrer Hauptaufgaben, was leider immer häufiger in Vergessenheit zu geraten scheint. Wie sollen diese Investitionen denn bitte monetären Niederschlag im Universitätsbetrieb erbringen? Hier wird im Grunde nur in die späteren Absolventen investiert und das nicht zu knapp. Auch dies sollte für sich genommen als Beitrag zur Wirtschaft eigentlich schon mehr als genug sein, denn die Mehrzahl von ihnen landet letztlich in der freien Wirtschaft.

Man hat dieses System in den letzten Jahren im Rahmen des ‚Bolognoaprozesses durch die Umstellung auf Bachelor und Masterstudiengänge in seinen wissenschaftlichen Inhalten dramatisch reduziert. Übrigens in meinen Augen erneut mit dem primären Ziel, Wirtschaftsinteressen gerecht zu werden. Was nun jedoch gar nicht so recht gelingen will und inzwischen längst Kritik seitens der Wirtschaft hervorgerufen hat.

Ich würde es begrüßen, wenn man auf breiter Ebene erkennen würde, dass sich ein Gutteil industrieller Produktpaletten letztlich auf Grundlagenerkenntnisse wird zurückführen lassen, die irgendwo an einer Universität erarbeitet wurden. Und zwar ohne, dass diese davon wirtschaftlich nennenswert profitiert hätte. Es würde manchem Unternehmen vielleicht angesichts dessen gut zu Gesicht stehen, für die von Universitäten erbrachten Vorleistungen einen Förderfonds aufzulegen, um wenigstens ansatzweise Rückleistungen zu erbringen. Und dann bitte möglichst so, dass keine Vorauswahl der Begünstigten nach Industrieinteressen erfolgt.

Mir sind auch Firmenausgründungen aus den Universitäten ein Dorn im Auge, weil sie letztlich Profite einfahren, die eigentlich der Allgemeinheit zustünden. Diese hat nämlich über ihre Steuerzahlungen die Forschung an den Universitäten überhaupt erst ermöglicht.
Die krassesten Auswüchse eines immer stärker wirtschaftsorientierten Denkens sehen wir ja ganz aktuell am Beispiel des von der Rhön AG übernommenen Uniklinikums Gießen-Marburg. Die Übernahme ist gescheitert und rechnet sich nicht. Dort steht ein hochmodernes, technisch im Grunde einsatzfähiges Partikeltherapiezentrum und wird aus Kostengründen weder zum Wohl der Patienten noch zum Zwecke der Schaffung neuester medizinischer Erkenntnisse eingesetzt. Das ist schlicht ein Drama.“

Es wird interessant zu beobachten, was bei dem kommenden Marburger Stadtforum inhaltlich vorgetragen wird. Die gleichermaßen unvermittelte wie anmaßende Setzung der Themen harrt zunächst einmal inhaltlicher Füllung, bis hin zu den Sprechern der Landtagsparteien.
Angesichts der Unterlassungen und Verweigerungen bei vielen konkreten Problemen und Projekten – seitens der Stadt Marburg und deutlich mehr noch seitens der Philipps-Universität – wäre es eine Überraschung, wenn Präsidentin Krause und Oberbürgermeister Vaupel mit zu erwartender abgehobener Rhetorik ernsthaft Eindruck machen könnten.

Kein Homunkulus Philipps-Universitätsstadt-Marburg
Eine leistungsfähige und transparente Universität und eine kraftvoll politische Stadt reichen. Das formuliert der Dienstauftrag von Präsidentin und Oberbürgermeister. Dafür gibt es viel zu tun.