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Wie Schneewittchen, Rotkäppchen & Co. die Kinoleinwände bevölkern

Marburg 12.12.2012 (pm/red) Die Figuren der Grimmschen ‚Kinder- und Hausmärchen‘ haben es zu Action-Helden und Komikern gebracht. Wie Film-Adaptionen die Stoffe und Motive der Märchen verändern und lebendig halten, zeigt der Internationale Grimm-Kongress an der Uni Kassel. „Ein altes Märchen bekommt eine Generalüberholung“, versprach im Frühjahr 2012 ein Trailer, der für die Kino-Produktion ‚Spieglein, Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen‘ warb. Vielen weiteren Märchen, die die Grimms vor 200 Jahren in ihrer Sammlung ‚Kinder- und Hausmärchen‘ herausgaben, verpasste das moderne Kino ein ähnliches Lifting. In Filmen werden die Märchenstoffe immer wieder neu aufgelegt, interpretiert und adaptiert, in die Vergangenheit oder Zukunft versetzt, alte Motive mit popkulturellen angereichert. Häufig suchen sich die Regisseure nur einzelne Figuren aus und setzen sie so in Szene, wie es für das Drehbuch am dienlichsten scheint. Die Bandbreite der Produktionen reicht von Animationsfilmen aller Art – man denke nur an die ersten animierten Scherenschnitt-Filme von Lotte Reiniger – bis hin zu Realfilmen mit Science-Fiction-Elementen.

Auf dem Internationalen Kongress ‚Märchen, Mythen, Moderne – 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm‘, der vom 17. bis 20. Dezember von der Uni Kassel ausgerichtet wird, setzen sich gleich mehrere Forscherinnen und Forscher mit Rezeption und Adaption der Grimmschen Märchenmotive im Film auseinander. Der neue Animationsfilm beschäftigt unter anderem Prof. Ute Dettmar vom Institut für Germanistik der Universität Oldenburg sowie Dr. Tobias Kurwinkel von der Universität Bremen. Während Dettmars Vortrag ‚Die Rotkäppchen-Verschwörung‘ (‚Hoodwinked‘, USA 2005) thematisiert, befasst sich Kurwinkel mit der ‚Shrek‘-Tetralogie der US-amerikanischen Studios DreamWorks (2001-2010). Für die Literaturwissenschaftler ist es von höchstem Interesse, wie die Filmemacher mit den bekannten Märchenstoffen und -figuren spielen und sie mit neuen, aktuellen, nicht selten durch andere Filme verfestigten Elementen verknüpfen. Häufig werden dadurch gewohnte Erzählschemata aufgebrochen, Figuren verfremdet, Märchengestalten werden zu Narren oder Action-Helden. Kurwinkel möchte dabei aufzeigen, wie die Märchen der Brüder Grimm durch ‚Montage und Parodie postmodern aktualisiert und damit weitergeschrieben werden‘.

Nicht nur die Märchen selbst liefern Stoff für Kino-Adaptionen verschiedenster Art, auch ihre bekannten Sammler und Herausgeber erwecken das Interesse der Filmemacher. So inszenierte der Regisseur Terry Gilliam in ‚Brothers Grimm‘ (CZ/USA 2005) die zwei Brüder als Action-Helden und lieferte damit eher einen Blockbuster als eine Biografie ab. Auch dieser Film wird in den Vorträgen der Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer zum Thema. Prof. Waltraud Maierhofer von der University of Iowa (USA) fokussiert vor allem auf die Geschlechterrollen in ‚Brothers Grimm‘. Der Vortrag des Frankfurter Literaturwissenschaftlers David Schmidt nimmt die amerikanisch-tschechische Produktion als Ausgangspunkt, um eine ganze Reihe von Filmen zu untersuchen. Dazu zählen der in Twilight-Optik gehaltene Fantasy-Thriller ‚Red Riding Hood‘ (CDN/USA 2011), die Komödie ‚Spieglein, Spieglein‘ (‚Mirror, Mirror‘, USA 2012) mit Julia Roberts sowie der für 2013 angekündigte Fantasy-Streifen ‚Hänsel und Gretel: Hexenjäger‘ (D/USA). „Als neuartige Form der medialen Umsetzung wie auch der Rezeption traditioneller Inhalte spielen diese Filme eine bedeutende, wenn auch vielfach unterschätzte Rolle für die internationale Verbreitung der Grimmschen Märchen“, so Schmidt in der Vortragsankündigung.

Ganz nebenbei sind die Grimmschen Märchen für die moderne Filmindustrie offensichtlich ein Erfolgsgarant, oder zumindest ein gutes Mittel, um die Zuschauer in die Kinos zu locken: ‚Spieglein, Spieglein‘ von Tarsem Singh spielte innerhalb von vier Monaten etwa 163 Millionen US-Dollar ein.

Der internationale Brüder-Grimm-Kongress ‚Märchen, Mythen und Moderne‘ wird unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Förderverein Grimm-Forschung, der Grimmheimat Nordhessen, dem Land Hessen und vielen weiteren Förderern.

—>Das vollständige Programm findet sich online