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Ein Ateliertag in Farbe: Junge Künstler in den SchwanhofAteliers zur Nacht der Kunst

Schwanhof-Ateliers140625 (red) Gastbeitrag von Ines Teitge-Blaha „Tack, tack, tack,…,“ ein sanftes, gleichmäßiges Tupfgeräusch untermalt die konzentrierte Stille im Dachatelier der Marburger SchwanhofAteliers. Die pinkfarbene Pixelarbeit ist die letzte Feinarbeit in einem farbenfrohen Aquarell. Das möchte Alexandra (13) noch fertigstellen, bevor Sie Zeit für ein Gespräch hat. „Aber, klar.“ Bei Laura (16) passt es gerade besser. Wir setzen uns auf das gemütliche violette Sofa unter der Dachschräge. Laura ist seit 5 Jahren Schülerin im Jugendatelier der Marburger Künstlerin Christine Dahrendorf. Den Anstoß hatte damals ein außergewöhnliches Kunstprojekt des Gymnasium Phillipinum in Kooperation mit den SchwanhofAteliers gegeben.

Laura im SchwanhofAtelierSeitdem hat sie vieles hinzugelernt. „Portraits habe ich eigentlich immer am liebsten gezeichnet“, erzählt Laura. „Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns mit dem Thema „Angewandte Farbenlehre“. Das hat mir plötzlich völlig neue Blickwinkel eröffnet. Farben schaffen einen sehr emotionalen Zugang zu den Bildern. Wir lernen, Farben und ihre Wirkungen neu wahrzunehmen. Das schärft den Blick. Die Natur – den Himmel beispielsweise – nehme ich jetzt ganz anders,… viel intensiver wahr.“  Nach dem Abitur möchte Laura den naturwissenschaftlichen Weg einschlagen: Richtung „Energie und Umwelt“. In diesem Zusammenhang erscheint das irgendwie stimmig.

FrauenkopfVor Agnes (16) liegt eine fast fertige Aquarellzeichnung: ein ausdrucksstarker Frauenkopf, in kräftigen Grün- und Blautönen ist darauf zu sehen. Erst seit einem Dreivierteljahr bekommt sie professionellen Unterricht. „Ich habe vorher schon viel selbst gezeichnet und gemalt. In der Schule auch. Nicht nur in den Kunststunden“, gesteht sie und lacht. „Mir macht das einfach Spaß! Genial ist, dass wir an den KunstSamstagen 4-5 Stunden am Stück Zeit haben – genug, um auch mal eine Arbeit fertigstellen zu können.“

Gegenüber, an einem der großen Zeichentische sind gerade zwei junge Männer am Werk. Was treibt sie an diesem sonnigen Samstagmorgen ins Jugendatelier? „Manchmal würde ich schon lieber länger schlafen“, sagt Christopher (16) „oder mich an den PC setzen. Aber wenn ich hier bin, find ich’s gut. Nach einem langen Schultag hab’ ich oft zu nichts mehr Lust und bin einfach nur fertig. Nach 5 Stunden Kunstunterricht, hab ich Lust auf alles!“

Architekturzeichnungen waren bisher Christophers Leidenschaft. An den Umgang mit Farben tastet er sich gerade heran. Kritisch hält er sein Bild in die Sonnenstrahlen, die durch eines der schrägen Dachfenster fallen. „Manchmal hängt die Wirkung auch von der Ausrichtung ab – je nachdem, wie man das Bild dreht: Erst so…naja…einmal gedreht isses ganz o.k. …und so herum sieht es richtig gut aus!“ Stimmt. Dann muss man einen Moment lang gar nichts mehr denken, kann einfach eintauchen in die Welt der Farben…

Kai im SchwanhofAtelierBei Kai (17) dominieren in der Motivauswahl Maschinen, Autos und Flugzeuge, die er gekonnt, in einer ihm eigenen Stricheltechnik mit Kugelschreiber aufs Papier bringt. Heute arbeitet er mit Pinseln und Farben an einem Düsenjet. Auch Kai ist vor 5 Jahren über das Schulprojekt mit dem Gymnasium Philippinum zum ersten Mal ins Atelier gekommen. „Ich zeichne, wenn ich gerade nichts anderes tun muss – auch zur Entspannung.“ Im nächsten Jahr steht das Abitur an. Gibt es bei ihm schon Berufsvorstellungen?“ Kai zögert keine Sekunde: „Produkt-Designer“, ist seine Antwort.
Anna (13) malt auch mal auf Pappteller, wenn sie gerade nichts anderes zur Hand hat – so wie kürzlich auf einer goldenen Hochzeit, als sie anfing, sich ein bisschen zu langweilen. Heute sitzt sie an einem Portrait. „Mmh,… mit Nasen ist das echt nicht so einfach!“ Dafür hat sie das allerdings super hingekriegt, finde ich. Jetzt ist auch Alexandras Aquarell fertiggestellt und alle Pixel sind dort platziert, wo sie hin mussten. Also Schluss. Tiere male sie übrigens am liebsten, Menschen nicht so gern. Und auch sie findet: „Malen ist ein super Zeitvertreib, macht Spaß und entspannt total!“

In den SchwanhofAteliers begleitet die Marburger Künstlerin Christine Dahrendorf Jugendliche und Erwachsene auf ihrem kreativen Weg.
„Unterrichten – das ist für mich, wie ein Bild zu malen – vergleichbar einem künstlerischen Prozess“, sagt Christine Dahrendorf. Das SamstagsAtelier bietet Jugendlichen einen Freiraum, der im Schulkontext nicht möglich ist. Ich denke, es ist für Heranwachsende wunderbar zu erfahren, dass es so etwas überhaupt gibt. Hier können auch „stille Blumen blühen“ – Menschen mit hohem künstlerischem Potential, die sich selbst nicht so gerne in den Mittelpunkt stellen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist, junge Menschen und auch Erwachsene – jeweils an einem Samstag im Monat – dabei zu begleiten, ihr Potential weiterzuentwickeln und zu lernen, dem eigenen Vermögen zu vertrauen. Die Schüler erarbeiten sich objektive Bewertungskriterien und bekommen ein Forum, in dem sie ihre Fähigkeiten zeigen können. In einzelnen künstlerischen Bereichen sind gerade einige der Jugendlichen schon sehr weit, in anderen noch übungsbedürftig. Im Unterricht lernen sie verschiedenste moderne Kunsttechniken kennen und können sich ausprobieren. In den mittlerweile acht Jahren meines Unterrichts hat dies auch schon zahlreiche Erwachsene inspiriert und beflügelt, zu ausgezeichneten Bildern zu kommen.“

Die konzentrierte, dennoch entspannt wirkende Atmosphäre und der humorvolle Umgangston im Atelier sprechen für sich. Auch die Bilder der Jugendlichen, die für die Ausstellung zur Nacht der Kunst 2014 bereits an den Wänden hängen.
Bei der letzten Ausstellung war Paula (18) noch mit dabei. Zum Sommersemester 2014 wurde sie zum Kunststudium an der renommierten Weißensee Kunsthochschule in Berlin aufgenommen.

Panorama Innenstadt, Oberstadt mit HšrsaalgebŠude im VordergrundZur Nacht der Kunst, Freitag, 27. Juni von 18.00 -24.00 Uhr laden Sie an diesem Abend die Marburger Museen, der Kunstverein, Kunstforen und Ateliers zu einem Rundgang durch die Marburger Kunstszene ein.

In allen Ausstellungsräumen ist an diesem Abend freier Eintritt. Wer mag, kann die jungen Künstler des Jugendateliers und ihre Arbeiten an diesem Abend etwas näher kennenlernen und beim Schlendern durch die Ausstellung Livemusik, kühle Getränke und leckere Cupcakes genießen.

Text und Fotos: Ines Teitge-Blaha
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