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Kassel 08./20.11.2020 (pm) Am 02.10.2019 hatte MIO e.V. beim Regierungspräsidium Gießen die Übermittlung der Vorschläge der Stadt Marburg zum neuen Regionalplan vom 26.10.2018 beantragt. Gegen die Herausgabe dieser Umweltinformation hatte die Stadt Marburg am 31.01.2020 …

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Kunst in Marburg 2014 – Fotografische Auseinandersetzungen als Schwerpunkt

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Der Kunstverein Marburg zeigt bis zum 21. August Werke von 23 Künstlern aus Marburg und der Region, darunter viele Lichtbildwerke. Fotos Hartwig Bambey

140709 (yb) Die Entscheidung des Kunstvereins für ‚Kunst in Marburg 2014‘ eine Jury aus Marburger KünstlerInnen zu berufen, hat sich als klug erwiesen. Die diesjährige Präsentation der Marburger Kunstszene zeigt sich als reizvolle und spannende Auswahl. Dies gilt zunächst hinsichtlich der ausgestellten Kunstschaffenden. Zudem haben die Juroren Ursula Eske, Ulrich Harder, Helmi Ohlhagen, Beate Seibel und Edgar Zieser es verstanden den nominierten KünstlerInnen eine angemessene Werkpräsentation zu eröffnen. Trotz der großen Zahl von 23 Künstlerinnen und Künstlern sind diese in oftmals vielen Werken gebührend vertreten. Für Betrachter ist damit eine vielseitige Werkschau zu erleben. Präsentiert werden Malerei und Grafik, Skulpturen, Installationen, Strickobjekte, Konzeptkunst, Radierungen und Fotografie. Den Schwerpunkt bildet die Fotografie in dieser Ausstellung, mithin guter Grund diese vertiefend zu betrachten.

Mit ins Auge fallender formaler Orientierung und Konsequenz hat die Marburger Fotografin Heike Heuser ihre ‚Strandbilder‘ inszeniert. Evident ist, dass darin Blautöne vom Meer und Himmel dominieren. Dass jedoch Fotografien vom Strand geradezu als Arrangements daherkommen, macht stutzig.

dbau0708 Heuser StranddesignDie Motive wirken allesamt arrangiert. Nicht verwunderlich, denn sie bilden in strenger Ordnung aufgestelltes Mobiliar ab. Insofern dokumentiert Fotografin zunächst nichts anderes als Wirklichkeit. Freizeitmöblierung, Urlaubsgerätschaften, nebeneinander und hintereinander platzierte Sonnenschirme, Strandliegen und Strandsessel geben Heusers Fotoserie mit neun großformatigen Motiven eine eigentümliche Anmutung. Strenge Aufstellungen, leer, ohne Menschen, zeigen und entlarven ein furchtbares Szenario durchgestalteter Urlaubsindustrie. Eine Freizeitmaschine am Meer.

Dazu ein einziges buntes, also vielfarbiges Motiv in der Serie mit Handtüchern über einem Geländer und davor in Reih und Glied aufgestellte Taschen von Urlaubern. Es verstärkt die Atmosphäre geronnener Starre. Ein Foto mit zwei alleine sitzenden Personen ganz rechts und links in einer breiten Stuhlreihe betont das im Grunde menschenferne, ja feindliche ‚Stranddesign‘, wie Heuser ihre herasusragende Serie betitelt hat. Jede einzelne dieser Aufnahmen ist reizvoll, geht gekonnt mit visueller Wirkung um, kann sogar gefallen. Die Fotoserie wächst über das Sujekt weit hinaus, wird zur Anklage und Entlarvung. Meisterlich.

dbau0708 Reinhard KellerDie „Flüchtigkeit des Moments in der modernen Stadt“ sind Motiv und Gegenstand einer zwölfteiligen Serie des Fotografen Reinhard Keller aus Frielendorf. Sie zeigen alle Ausschnitte, Szenen, die das Betrachterauge zunächst identifizieren und entschlüsseln muss. Menschen, zumeist nur Körperteile als Hand, Kopf oder Torso ‚beleben‘ die allesamt hochformatigen Fotos und verstärken die Bildwirkung. Keller präsentiert in ganz anderer Weise als Heuser eine stark überformte Stadtumgebung. Auch er versucht die Reihung allerdings ganz verschiedener Motive, denen ‚Entfremdung‘ als Topos gemeinsam ist.

Wo Heuser die Totale oder Halbtotale als fotografische Perspektive einsetzt, ist es bei Keller der Ausschnitt. Mögen seine Fotografien einiges an verbindender Stimmung und Thematik aufzeigen, wozu Kühle, Distanz und Fremdheit gehören, bleibt die Serie am Ende doch eine Bilderreihe. Eine weit über das Einzelbild hinausgehende Gesamtwirkung – wie im ‚Stranddesign‘ bei Heike Heuser – erreichen seine Bilder nicht. Betrachterauge möchte sich von der ‚chaotischen‘ Komposition abwenden, ihm droht Überforderung angesichts massierter visueller Irritationen.

dbau0708 Christina GeigerDie Fotografin Christina Geiger befasst sich mit Menschen in abbildender und in inszenierender Manier und wählt dafür Schwarz-Weiss-Bilder als Medium der klassischen und ‚eigentlichen‘ Fotografie. Damit alleine behaupten die von ihr gezeigten ‚Lichtbilder‘ einen durchaus wohltuenden Kontrast. Eindrucksvoll das Portrait eines alten Mannes mit langem Haar und Bart. Viele andere Motive, allesamt in verschiedenen Holzrahmen gehängt, tragen surrealistische Anmutungen und Inszenierungen in sich. ‚Edleraugenblick‘ etwa zeigt ein Frauenantlitz mit Maske. Ein Männerkopf mit darauf sitzendem Huhn oder eine posierende Frau mit Tattoo und Fellmütze appellieren an Wahrnehmungen weit jenseits der personalen Abbildung und Darstellung.

‚Kunst in Marburg 2014‘ präsentiert darüberhinaus weitere fotografische Arbeiten von Tim van de Bovenkamp, Florian Conrads, Nasim Fattahi, Susanne Saker und Susanne Weber. Damit markiert die diesjährige Marburger Künstlerpräsentation ihren Schwerpunkt bei den ‚Lichtzeichnern‘. Der Rundgang zeigt, dass diese Akzentuierung triftige Gründe hat. Das Spektrum gezeigter FotografInnen ist groß, beinahe alle können überzeugen, zeigen Profil und Schwerpunktsetzungen. So mögen viele Besucher alleine schon nach Betrachtung und Auseindersetzung mit der Fotografie in dieser Austellung sehr zufrieden sein.

Kunst in Marburg 2014Zugleich zeigen sich auch in Malerei und Grafik interessante Arbeiten und Kunstschaffende. Herausragend darunter Juan Miguel Restrepo Valdes aus Kolumbien, inzwischen im Masterstudiengang Bildende Kunst in Marburg. Sein Diptychon ‚Absentia Spiritus‘ (Acrylfarbe und Öl auf Leinwand) und das Triptychon ‚Factus – Infectus‘ (Acrylfarbe und Öl auf Leinwand, Mixed Media) offenbaren weitgehenden Willen zum Werk und fordern Betrachter heraus. Dies verdichtet der Maler weiter in ‚Horrible Dictu‘, einer anspielungsreichen Inszenierung mit Malerei im Lichtkasten.

Kunst in Marburg Juan ValdesDer Kunstverein hat zu der gehaltvollen Ausstellung Marburger Kunstschaffender einen Katalog vorgelegt, in dem sich alle Ausstellenden portraitiert und mit einigen Arbeiten abgebildet finden. Wer sich einlassen will, wird wohl mehrmals sich auf den Weg zum Kunstverein machen, um die Vielfalt dieser ambitioniert und auch mutig kuratierten Austellung aufnehmen zu können.

Auch die Werke von Renate Brühl (‚Ebenbilder‘ in Tiefdruck), Xiujuan Chen (serielle Frauenbilder, Acryl auf Leinwand), Boyun Choi (Süßigkeiten, Öl und Mischtechnik auf Leinwand), Sabine Funk (Strickarbeiten und Animationsfilm), Sonja Hauptmannl (‚Räume‘ Acryl auf Papier), Qitan Hunag ( ‚Verkündigung‘ Bleistift auf Büttenpapier), Jan Luke (Papier und Teig über Feuer), Birma Machmor (‚Hirsch‘ und weitere Plastiken), Masanobu Mitsuyasu (Lithografien), Susanne Neuner (Collage mit Malerei), Tanja Reitz (Mischtechnik auf Papier), Burgi Scheiblechner (Hampelmann- und Hampelfrau Montagen Acryl auf Holz) und Werke des Bildhauers Rudolf Trautmann tragen zur Vielfalt und Breite dieser Ausstellung wesentlich bei.

 Kunst in Marburg 2014 – Kunstverein Marburg bis 21. August: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr. Führungen Samstag um 16 Uhr. Eintritt frei.