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Energiekonzept Nordstadt – Ergebnisse für weniger Energieverbrauch

Marburg 26.02.2016 (pm/red) Fünf bis acht Prozent der für die Stadt Marburg anvisierten Einsparungen im Bereich des Energieverbrauchs beziehungsweise der CO2-Emmissionen könnte das Nordviertel leisten. Zu diesem Ergebnis kommt das „Energiekonzept Nordstadt“. Das hatte die Situation vor Ort genau unter die Lupe genommen und zeigt alle Möglichkeiten auf, wie der Energieverbrauch gesenkt und auf alternative Energien umgestiegen werden kann, wird von der Stadt Marburg mitgeteilt.

Schon lange vor dem Weltklimagipfel, nämlich im Jahr 2011, hat die Stadt Marburg das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2030 die CO2-Emmissionen bei Strom und Wärme zu halbieren. „Ein ambitioniertes Ziel“, wie Bürgermeister Dr. Franz Kahle sagt. Mit dem „Integrierten energetischen Quartierskonzept Nordstadt“ des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Fachhochschule Trier sollte überprüft werden, welche Potenziale ein ausgewähltes Quartier, nämlich die Marburger Nordstadt, mit Blick auf dieses Ziel hat. Bei einer Abschlussveranstaltung im Stadtverordnetensitzungssaal wurden detaillierte Ergebnisse präsentiert.

„Wir können sehr, sehr viel von dem Energieverbrauch, den wir jetzt haben, reduzieren – wenn wir es richtig machen“, resümierte Theo Pauly vom städtischen Fachdienst Klimaschutz. Mit je rund einem Drittel sind Verkehr, Gebäude und Wirtschaft an diesem Verbrauch beteiligt. Global muss der CO2-Ausstoß dringend reduziert werden, dies zeigen die Veränderungen im Klima, die in den vergangenen Jahren bereits spürbar waren und die künftig noch deutlicher werden: Mittelhessen sei eine Region mit eher trockenem Klima, aber die Niederschläge würden in Zukunft noch weniger, führte der Sanierungsmanager aus. Zwischen Trockenheit und starken Niederschlägen mit Überschwemmungen werde es immer größere Schwankungen geben – mit den entsprechenden Folgen für die Landwirtschaft und andere Bereiche. Hochwasserschutz und Hitzeschutz bekommen laut Pauly eine zunehmende Bedeutung.

Pauly rechnete vor, dass der Gesamtenergieverbrauch für den Bereich zwischen Bahnhof, Elisabethkirche, Behördenzentrum, Biegenviertel und Universität derzeit bei rund 60 Millionen Kilowattstunden für Wärme und 34 Millionen Kilowattstunden für Strom liegt – das entspricht 16 Millionen Liter Heizöl und damit 500 Tanklastzügen. Genutzt werde vorwiegend Gas, so Pauly. Bei den CO2-Emmissionen wäre bis zum Jahr 2050 eine Einsparung um bis zu 90 Prozent möglich. Der Energieverbrauch könnte um bis zu 50 Prozent gedrosselt werden. Das IfaS hat drei Szenarien zur energetischen Gebäudesanierung mit verschiedenen Modernisierungsraten entwickelt: „Trend“, „Aktiv“ und „Pionier“. Selbst beim „Trend“-Szenario, welches das derzeitige Ziel der Bundesregierung einer lediglich zweiprozentigen Rate verfolgt, liegt das Einsparpotential bereits bei 12 bis 18 Prozent.

Die Gebäudemodernisierung ist laut Theo Pauly ein wichtiger Aspekt. In der Nordstadt stammen fast die Hälfte der Gebäude aus der Zeit vor 1918. Aber Energieeffizienz und Denkmalschutz gehen durchaus zusammen, so der Experte. Auch wenn bei denkmalgeschützten Häusern die Möglichkeiten der Energieeinsparung  geringer sind, weil die Gebäudefronten nur von innen gedämmt werden dürfen, kann bereits mit der Dämmung von Kellerdecke und Speicherboden in Verbindung mit einer effizienten Heiztechnik einiges erreicht werden, erläuterte Daniel Oswald vom IfaS. Man habe zunächst die heterogene Struktur des Viertels genau analysiert: Gebäudebestand und -nutzung sowie den Energieverbrauch. Dann wurden die verschiedenen Szenarien und ein Maßnahmenkatalog entwickelt, ebenso wie Konzepte zur Erfolgskontrolle. Auch die Stichworte Akteursbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit spielen eine wesentliche Rolle – die Leitfrage sei nämlich, wie eine Beschleunigung der Sanierung erreicht werden könne, so Oswald. Es gelte, „Verbündete und Multiplikatoren“ zu finden.

Um möglichst viele Menschen dazu zu motivieren, sich zu beteiligen, könne man zum Beispiel Energieführungen anbieten. Außerdem soll die Energieberatung ausgebaut werden. Auch ein Diskussionsprozess mit Studierenden, die zahlreich in der Nordstadt wohnen, wurde angesprochen, damit diese wiederum ins Gespräch mit ihren Vermietern kommen. Würde das bestehende Fernwärmenetz im Biegenviertel beispielsweise stärker genutzt und ausgebaut, könnte sich bei einer Beteiligung von 70 Prozent der Hausbesitzer eine Einsparung von 340 Tonnen CO2 erreichen lassen, so das Ergebnis des „Energiekonzepts Nordstadt“.  Ein anderes Beispiel für Handlungsmöglichkeiten: Würden beispielsweise Edeka und die Firma Seidel die Dachflächen ihrer Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten, sei eine hohe Eigenbedarfsdeckung und eine entsprechende CO2-Einsparung möglich, so Daniel Oswald abschließend.