Mit fremden Federn – Nicht nur Native Americans trugen Federschmuck

Marburg 20.06.2019 (pm/red) Gastbeitrag von Ursula Wöll Das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur in Wiesbaden präsentiert eine ethnologische Sonderausstellung unter dem Titel „Mit fremden Federn“. Sie ist nicht nur prächtig anzusehen, sondern informiert auch …

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‚Jäger in der Nacht‘ erhalten neuen Wohnraum im Bereich Dammelsberg

Bürgermeister Kahle hängte den letzten der 35 Fledermauskästen in vier Metern Höhe auf. Mit dabei die Fachdienstleiterin Stadtgrün, Klima- und Naturschutz, Marion Kühn, Florian Zilm vom Forstamt Kirchhain (r.) und der Forstwirt-Auszubildende Dominik Führer. Foto Tina Eppler

Bürgermeister Kahle hängte den letzten der 35 Fledermauskästen in vier Metern Höhe auf. Mit dabei die Fachdienstleiterin Stadtgrün, Klima- und Naturschutz, Marion Kühn, Florian Zilm vom Forstamt Kirchhain (r.) und der Forstwirt-Auszubildende Dominik Führer. Foto Tina Eppler

Marburg 11.03.2016 (pm/red) Die Fledermaus ist für den Menschen sehr nützlich, kann während eines Sommers beispielsweise bis zu 60.000 Mücken fressen und sie ist das einzig aktiv fliegende Säugetier. Auf dem Dammelsberg sind nun in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Forstamt Kirchhain neue Quartiere für die „Jäger in der Nacht“ entstanden. Bürgermeister Franz Kahle hat selbst den letzten von 35 Fledermauskästen aufgehängt. Mit der Leiterin des Fachdienstes Stadtgrün, Klima- und Naturschutz, Marion Kühn, Ortrud Simon von der Unteren Naturschutzbehörde und dem Naturschutzbeauftragten des Forstamtes Kirchhain, Florian Zilm, wurden die neuen Behausungen für die geschützten Tiere vor Ort begutachtet.
„Die stark gefährdete Bechsteinfledermaus soll neben den Sommerkästen auch Überwinterungskästen als Winterquartier erhalten“, sagte der Bürgermeister. Diese wurden bereits von der Stadt Marburg im FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) aufgehängt. So wird der Lebensraum dieser wichtigen Säugetiere verbessert, freute sich der Bürgermeister. Fledermäuse seien nicht nur schön anzusehen, sie erfüllen auch wichtige Funktionen im Naturhaushalt, machte Kahle deutlich. Durch die Veränderungen in der bebauten und der unbebauten Landschaft seien die Tiere auch zahlreichen Veränderungen in ihrem Quartier unterworfen.

„Deshalb tun wir gut daran, wenn wir dafür sorgen, dass die Fledermaus zusätzliche Nist- und Wohnhöhlen bekommt“, betonte der Umweltdezernent. Zudem werde ein weiterer wichtiger Beitrag zur Entwicklung des Naturschutzgebietes Dammelsberg geleistet, unterstrich Kahle. Sowohl für den Naturschutz als auch für die Naherholung sei dieser Ort mit dem Rundweg von ganz besonderer Bedeutung. „Nun müssen wir der Natur Zeit geben und den Fledermäusen die Ruhe gönnen, die  neuen Quartiere zu finden und anzufliegen.“

Florian Zilm vom Forstamt Kirchhain erläuterte: „Der Dammelsberg ist für die Fledermaus und den Hirschkäfer, die sich beide an alten Eichen orientieren, außergewöhnlich positiv.“ Nach aufwendigen und zwingend notwendigen Verkehrssicherungsmaßnahmen mussten einige für diese beiden Tierarten möglicherweise genutzten Bäume im Schutzgebiet Dammelsberg und Köhlersgrund weichen. Nur so seien die Wanderwege ohne Gefahr zu nutzen, betonte der für Naturschutzfragen zuständige Mitarbeiter des Forstamtes Kirchhain.

Spechthöhlen an den Stämmen dienten den Flugsäugern als Unterschlupf, „die neuen Winter- und Sommerquartiere bieten hierfür nun einen Ausgleich“, bestätigte Zilm. Die Kästen haben mehrere tausend Euro gekostet, berichtete der Naturschutzbeauftragte. Die Maßnahme, finanziert von der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Gießen (RP), wurde gemeinsam mit Susan Weißleder umgesetzt, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) gerade beim Forstamt Kirchhain absolviert.

„Beim Anbringen der unterschiedlich großen Fledermauskästen aus Holzbeton in etwa vier Metern Höhe haben wir nach einem Kriterienkatalog genau darauf geachtet, dass die Fledermäuse sie auch gut annehmen können.“ Ein süd-westlicher Standort mit geringer Zugluft sei hierfür von Vorteil, genau wie eine Ast-freie Einflugschneise, wie Zilm erläuterte.

Fledermauskästen sind unterschiedlich groß, damit sie auch von den verschiedenen Fledermausarten angenommen werden. Foto Tina Eppler

Fledermauskästen sind unterschiedlich groß, damit sie auch von den verschiedenen Fledermausarten angenommen werden.
Foto Tina Eppler

Die Behausungen können als Tagesunterschlupf oder auch für die Aufzucht des Nachwuchses (sogenannte Wochenstuben) dienen. Davon machen die künftigen Bewohner nur während des Sommerhalbjahres Gebrauch, da Fledermäuse im Winter natürliche Schlupfwinkel bevorzugen. Diese finden sich zum Beispiel in Baumhöhlen oder unter abstehenden Rindenstücken alter Bäume sowie in unterirdischen Stollen. Die Kästen wurden bereits vor dem Ende des Winterschlafs ausgebracht, um den Jahresrhythmus und die Vogelbrutzeit nicht zu stören.

Mit der Verbesserung des Lebensraumangebotes soll die positive Entwicklung der örtlichen Population der nachtaktiven Jäger unterstützt sowie weiteren Verlusten alter Bäume zum Beispiel durch Sturm vorgebeugt werden. Um den Effekt auf Dauer zu gewährleisten, ist auch für die kompetente Pflege und Kontrolle der neuen Quartiere gesorgt. Diese wird ebenfalls vom Forstamt Kirchhain mit Unterstützung durch die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium in Gießen sichergestellt.

Fledermäuse sind nach europäischem Naturschutzrecht besonders geschützt. 2005 wurde das Gebiet „Dammelsberg und Köhlersgrund“  zum europäischen Schutzgebiet nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtline (FFH) erklärt. Es dient in besonderer Weise der Förderung seltener Vertreter dieser Säugetiergruppe. So wurden in diesem Marburger Schutzgebiet insgesamt neun verschiedene Arten, unter anderem das „Große Mausohr“ und die „Fransenfledermaus“ nachgewiesen. Auch die „Zwergfledermaus“, die mit einer bedeutenden Kolonie im Marburger Landgrafenschloß beheimatet ist, kommt regelmäßig vor.