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Viel Interesse in Marburg am Vorhaben zum Bau einer Moschee

Ein voll besetzter Saal zeigte das Interesse am Thema, Moscheebau in Marburg. Foto Heiko Krause

Ein voll besetzter Saal zeigte das Interesse am Thema Moscheebau in Marburg. Foto Heiko Krause

Marburg 04.03.2016 (red) In den letzten Wochen ist öffentlich worden, dass die muslimische Gemeinde “Ahmadiyya Muslim Jamaat“ beabsichtigt in Marburg eine eigene Moschee zu bauen. Den gewollten Bauplatz dafür gibt es bereits, gelegen ist er im Gewerbegebiet Cappel. Das Vorhaben an sich und auch die Lage des geplanten moslemischen Gotteshauses in relativer Nähe zum Flüchtlingscamp in Cappel hat bei der Marburger CDU einige Aktivitäten ausgelöst. Es hat ein Gespräch von Vertretern der CDU mit Repräsentanten der Moslem-Gemeinde gegeben. Am vergangenen Mittwoch hat auf Einladung des Magistrats eine öffentliche Informationsveranstaltung stattgefunden. An diesem Abend war das Cappeler Bürgerhaus gut gefüllt. Rund 250 Interessierte hatten sich dorthin begeben, worin sich ein starkes Interesse an dem Vorhaben und dessen Hintergründen artikulierte. Der Bau einer (zweiten) Moschee interessiert viele Menschen in Marburg. 

In Cappel stellte der Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser die Religionsgemeinschaft und die Pläne für den Bau vor. Oberbürgermeister Spies stellte klar, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat bisher lediglich eine Bauvoranfrage gestellt habe. Diese beinhalte zunächst nur, ob ein bestimmter Baukörper in einem gewissen Bereich überhaupt möglich ist. Eine öffentliche Beteiligung in diesem frühen Stadium sei durchaus ungewöhnlich, merkte Spies an. Trotzdem habe das Bekanntwerden der Bauvoranfrage zu einer gewissen Aufregung geführt. Die Marburger Ahmadiyya Muslim Jamaat habe selbst den Wunsch geäußert, öffentlich zu informieren und hatte dies mit dem Gespräch mit der CDU bereits unter Beweis gestellt.

OB Spies und Ortsvorsteher Heinz Wahlers verwiesen darauf, dass der Ortsbeirat wolle, dass in die Planungen auch der Runde Tisch der Religionen eingebunden werde. Für diesen nahm die stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Monika Bunk, als Mitglied des Leitungsteams teil. Bei der Veranstaltung sei deutlich geworden, so wird von der Stadt mitgeteilt, dass die meisten Anwesenden nichts gegen den Bau eines Gotteshauses an der Umgehungsstraße haben. „Positive Äußerungen kamen dabei auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft“, verlautbart die Stadt Marburg.

Informationen über “Ahmadiyya Muslim Jamaat“
Wie Bundesvorsitzender Wagishauser erläuterte, sieht sich die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die 1889 in Indien gegründet wurde, als  Reformgemeinde im Islam, die diesen „von Verkrustungen befreien will.“ Heute sei sie in etwa 200 Ländern vertreten, davon circa 40.000 Mitglieder in Deutschland, 200 in der Stadt Marburg. Bereits seit 2009 würden Imame in Deutschland ausgebildet, sagte Wagishauser und 2012 sei die Ahmadiyya Muslim Jamaat in Hessen als Körperschaft des Öffentlichen Rechts anerkannt worden. Zudem arbeite sie am bekenntnisorientierten Islamunterricht mit.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat, so Wagishauser, engagiere sich vielfältig im sozialen Bereich, augenblicklich verstärkt in der Flüchtlingshilfe. Er betonte, dass der Islam einen friedlichen Ursprung hat. „Das böse Wort“ bedeute in erster Linie den Dschihad gegen den inneren Schweinehund zu führen, dann in der Beschäftigung mit dem Koran und erst wenn ein Muslim angegriffen wird, habe er das Recht sich auch mit Waffengewalt zu verteidigen. „Es gibt diese kriegerischen Verse, aber mit sehr engen Bestimmungen.“

Im Bürgerhaus Cappel zeigte ein Transparent das Motto der “Ahmadiyya Muslim Jamaat“. Foto Heiko Krause

Im Bürgerhaus Cappel zeigte ein Transparent das Motto der “Ahmadiyya Muslim Jamaat“. Foto Heiko Krause

„Frauen sind keine Dienerinnen“
Die Mitglieder der Gemeinde zeichneten sich durch ein hohes Bildungsniveau aus, sagte Wagishauser. „Kein Salafist hat in der Diskussion gegen uns eine Chance, weil wir die Quellen und die Argumente kennen“. Folge sei, dass die Radikalen den Diskurs mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat bewusst vermeiden würden. Die Religionsgemeinschaft, so betonte der Bundesvorsitzende, lebe zwar eine wertekonservative Geschlechtertrennung, andererseits gebe es aber durchaus eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, was sich durch eine eigene Frauenorganisation ausdrücke. Wagishauser räumte in der Diskussion ein, dass Muslime, die aus ihrer Heimat einen anderen Umgang gewohnt seien, „den ganzen Müll im Kopf mitbringen.“ Aber diesen müsse vermittelt werden, „dass Frauen Gefährtinnen und keine Dienerinnen sind.“

Zuletzt sei in Deutschland die 50. Moschee eingeweiht worden. Und der Wunsch, das auch in Marburg zu können, beruhe darauf, dass sich Menschen, da wo sie sich zuhause fühlten, auch ein eigenes Gotteshaus haben wollten. Auf die Frage, warum die derzeit im Bau befindliche Moschee bei St. Jost nicht reiche, antwortete Wagishauser, dass auch niemand frage, warum verschiedene christliche Konfessionen eigene Kirchen haben.

Die Pläne für Cappel sehen einen eingeschossigen Bau von etwa 27 mal 18 Metern vor. Geplant seien unter anderem Gebetsräume für Männer und Frauen, sowie eine Wohnung für den Imam. Eine Kuppel solle angedeutet und ein kleines nicht begehbares „Zierminarett“ erhalten. Einen Ruf des Muezzins auch aus Lautsprechern werde es nicht geben, versprach er.

Keine baurechtlichen Hindernisse im Industriegebiet Cappel
Zum Stand der Bauplanung verdeutlichte der Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Umwelt, Jürgen Rausch, dass es in der noch nicht beantworteten Bauvoranfrage lediglich um das „ob“ und noch lange nicht um das „wie“ gehe. Der Bebauungsplan im Industriegebiet lasse grundsätzlich religiöse Bauwerke zu, sagte er. Die Behörde werde einen Bauvorbericht erstellen, der dann Grundlage für einen Bauantrag sei, der den geordneten Weg gehen werde.

Der Runde Tisch der Religionen befürworte grundsätzlich den Bau der Moschee, machte Monika Bunk deutlich. Es gebe das Recht auf Religionsfreiheit. Grundlage für die Befürwortung sei aber, dass in dem Gotteshaus Offenheit und Toleranz gepflegt werden, sowie die Ahmadiyya Muslim Jamaat im Dialog mit anderen Religionen auch zu kritischen Themen Stellung nimmt. „Der Islam ist eine Quelle des Friedens, daher ist jeder Dialog wichtig“, erwiderte Wagishauser, und erntete großen Applaus für die Feststellung „es gibt viel mehr Verbindendes zwischen den Religionen, als Trennendes.“

Von Seiten des Ortsbeirates Cappel sei der Wunsch vorgetragen worden, bei dem Bau auf die Ausbildung eines Minaretts zu verzichten, wurde zwischenzeitlich berichtet. Ob das nun ein nicht gerader frommer Wunsch ist, womöglich eine anmaßende Einmischung, wird der weitere Gang der Dinge zu erweisen haben. In Marburg wurde, auf Initiative der CDU, zu einem frühen Zeitpunkt die wünschenswerte Öffentlichkeit – zudem kurz vor der Kommunalwahl – herstellt. Die Informationsveranstaltung hat Sensibilitäten sichtbar werden lassen. Zudem ist  “Ahmadiyya Muslim Jamaat“ nunmehr eine bekannte muslimische Gemeinde in der Stadt, die es nicht an wünschenswerten Bekenntnissen hat fehlen lassen.
Marburg benennt sich gerne als weltoffene Stadt, in der Menschen aus 140 verschiedenen Ländern leben. Wie könnte es überraschen, dass hier von bekennenden Moslems eine Moschee errichtet werden soll?  Doch zeigt sich an diesem Vorhaben, dass Lernprozesse stattzufinden haben.

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