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Marburg 2808.2019 (pm/red) Wo verdienen die Menschen am meisten? Wie unterscheidet sich regional die Lebenserwartung von Neugeborenen? Wo ist der Weg zum Arbeitsplatz für Beschäftigte besonders weit? Und wie gut sind kleine und mittelgroße Zentren …

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Ausverkauf des letzten Marburger Industriedenkmals – Lokschuppen kein Ort für Wohnungsbau

Teilansicht des Lokschuppens von der Bahnseite. Bei dem Denkmal sind inzwischen Teile des Daches eingestürzt, nachdem jahrelang für den Erhalt nichts getan worden ist. Foto Sven Krebs cc, Wikipedia

Teilansicht des Lokschuppens von der Bahnseite. Bei dem Denkmal sind inzwischen Teile des Daches eingestürzt, nachdem jahrelang für den Erhalt nichts getan worden ist. Foto Sven Krebs cc, Wikipedia

Marburg 3.11.2016 (yb) Zu der Sitzung der Lokalen Agenda 21 Gruppe Stadtentwicklung  am Mittwochabend im Rathaus waren beinahe 40 Teilnehmende gekommen. Ein Grund des großen Interesses war der seitens des Magistrats betriebene Verkauf des Lokschuppens auf dem Waggonhallengelände. Dazu wurde in der Oktobersitzung der Stadtverordneten bereits die Magistratsvorlage mit großer Mehrheit bei Gegenstimmen der Marburger LINKEN und des Abgeordneten der Piratenpartei verabschiedet. Damit sind Fakten geschaffen inklusive der Vergabekriterien, die vom Kaufinteressenten eine Konzeption verlangen. Diese muss nach Ausschreibung, die bereits in Kürze erfolgt, binnen 6 Wochen ein Nutzungskonzept mit Finanzierung nachweisen.

In der Agendasitzung erläuterten Gerhard Haberle und Hartmut Lange, der Mitglied des Denkmalbeirats ist, die Hintergründe. Beide befürchten den Verkauf der Liegenschaft an die Marburger Immobilienfirma Schreyer. Diese hat vorab Interesse bekundet, um auf der Liegenschaft exklusive Wohnungen zu bauen. Oberbürgermeister Spies habe dies im Gespräch bereits begrüßt, selbst vor dem Hintergrund, dass die Immobilienfirma als Kaufpreis 1 Euro angeboten haben soll.

In einer Diskussion der Versammelten meldeten sich zahlreiche Anwesende zu Wort und formulierten deutliche Bedenken. Insbesondere die Schaffung von Wohnraum wurde abgelehnt, da dies keinesfalls mit dem Denkmalcharakter des Lokschuppens in Einklang zu bringen wäre. Auf dem Waggonhallengelände gibt es zudem zahlreiche kulturelle Nutzungen, wie Theater, Gastronomie, Tagungsgebäude und Kletterhalle. Die Schaffung von Wohnungen würde Nutzungskonflikte hervorrufen. Um die Zukunft das soziokulturellen Zentrums wäre es genauso schlecht bestellt, wie um den Erhalt des Lokschuppengebäudes als Industriedenkmal.

Es wurde darauf verwiesen, dass ein Förderverein ins Leben gerufen wurde, der eine angepasste und eisenbahnhistorische Nutzung als Konzept erarbeitet hat. Gegen einen Verkauf an einen Investor für Wohnungsbau hatte sich zuletzt die Ortenberggemeinde ausgesprochen. Auch zahlreiche Leserbriefe haben inzwischen ablehnende Stellungnahmen öffentlich gemacht. Mit großer Mehrheit wurde in der Versammlung eine Stellungnahme beschlossen, die jeglichen Wohnungsbau auf dem Gelände und konkret im Bereich des Lokschuppens ablehnt. Man sprach sich einmütig für kulturelle Nutzungen bei Erhalt und Sanierung des Denkmals Lokschuppens aus.

—>Gastbeitrag Kulturdenkmal Lokschuppen – die (un)endliche Geschichte vom Kampf um Erhalt und kulturelle Nutzungen