Strohballen statt Beton – Mönche bauen nachhaltiges Gästehaus

Kassel 06.04.2021 Gastbeitrag von Ursula Wöll Der Klimawandel ist allgegenwärtig und wirksame Maßnahmen werden diskutiert. Neben einer Energieerzeugung mit Windkraft und Sonnenenergie und einer Verkehrswende hat das Bauen einen gewichtigen Anteil an einer umweltfreundlichen oder …

Lesen Sie den gesamten Beitrag »
Energie

Bildung

Hessen

Kassel

Willingshausen

Home » Allgemein

Frauen in Entwicklungsländern: Flucht ist kein Ausweg

Kassel 07.03.2020 (pm/red) Anlässlich des Internationalen Frauentags präsentiert TERRA TECH den Erfahrungsbericht von Hayat Mohammed aus Äthiopien.  Vor 14 Jahren hat Hayat Mohammed Äthiopien illegal verlassen. „Um Geld zu verdienen,“ wie sie sagt. 13 Jahre dauerte diese Odyssee. Ihr Weg führte nach Saudi-Arabien. „‘Delalas‘ (Schleuser) besorgten mir ein Flugticket, ein Visum und einen Vertrag als Hausmädchen.“ Für eine junge Frau, die nach der neunten Klasse die Schule abbrach, klang dies traumhaft. Der Traum stellte sich aber schnell als Alptraum heraus.

„Ich musste bis zu 24 Stunden täglich arbeiten. Das Essen war nicht gut und reichte selten aus.“ Schlaf war Luxus. Mohammed war die einzige Arbeitskraft im sehr großen Haus. Dazu kamen die Sprachbarriere und körperliche Gewalt. „Oft wurde ich angeschrien. Teils auch misshandelt.“ In den ersten drei Monaten erhielt sie keinen Lohn. „Warum? Das weiß ich nicht. Eventuell ging das Geld an die Schleuser?“ Dann wurde ihr weniger gezahlt, als ursprünglich vereinbart.

Nur einmal im Monat durfte sie Kontakt zur Familie in Äthiopien aufnehmen. „Dazu musste ich das Telefon meiner Arbeitgeber nutzen. Ich selbst durfte kein Telefon besitzen.“ Irgendwann floh sie von ihren Arbeitgebern. „ ich lebte mit anderen Migranten auf der Straße und verdingte mich als Tagelöhnerin.“ Schließlich wurde sie verhaftet und nach Äthiopien abgeschoben. Wie sich herausstellte, war sie die ganze Zeit illegal in Saudi-Arabien. „Das versprochene Visum hatte ich nie bekommen.“

Zurück in Äthiopien fand sie wieder eine dramatische Situation vor. Die Familie hatte das Geld, welches sie aus Saudi-Arabien sandte, aufgebraucht. Mit ihrem Sohn stand sie vor dem Nichts. „Es war schrecklich. Nichts wurde gespart. Ich war wieder dort, wo alles begann.“  Mit dem wenigen Geld, das sie noch hatte, eröffnete sie einen kleinen Kaffeestand. Doch ohne Erfolg. Mit dem Verkauf einer Tasse Kaffee erwirtschaftet sie fünf Äthiopische Birr, weniger als 15 Eurocent, zu wenig für das Auskommen der Familie. Zurückgekehrt in ein Leben ohne Perspektive ist Mohammeds Blick in die Zukunft wenig hoffnungsvoll. „Die einzige Chance, meine wirtschaftliche Situation momentan zu verbessern, wäre nochmals nach Saudi-Arabien zu gehen.“

„Schicksale wie dieses sind keine Ausnahmen, sondern weitverbreitet,“ berichtet Leonie Dylla, Projektleiterin bei TERRA TECH. Sie selbst hat auf zwei Projektreisen nach Äthiopien viel über die Lebensbedingungen vor Ort und Fluchtursachen gelernt. „Es hat mich vor allem überrascht, dass eine große Anzahl der Flüchtenden weiblich sind. Das passt so gar nicht zu den Bildern, die hier in Deutschland vorherrschen. Dabei sind gerade die Frauen, noch größeren Gefahren ausgesetzt.“

Schlechte Lernbedingungen, hohe Schulabbruchsquoten, keine beruflichen Perspektiven und sozialer Druck treiben aber auch sie dazu, ihr Glück in der Fremde zu suchen. „Daher engagieren wir uns mit unserem Partner KELEM vor Ort. Wir verbessern Lernbedingungen an Schulen und leisten Aufklärungsarbeit,“ so Dylla.

Seit sieben Monaten nimmt auch Hayat Mohammed an Gesprächsrunden teilt. Sie warnt die Jugendlichen und deren Familien vor den Dingen, die die Flüchtlinge erwarten. Neben den schrecklichen Erinnerungen und den wirtschaftlichen Problemen hat Mohammed auch körperliche Andenken behalten. „Die Chemikalien, die ich zum Putzen nutzen musste, haben meine Sehfähigkeit stark beeinträchtigt. Zudem habe ich Nieren-Probleme bekommen.“ Mohammed weiß, dass sie ein wenig gegen Windmühlen kämpft.

„Eltern schicken ihre Kinder aufgrund der ökonomischen Situation fort. Viele wissen, wie schlimm die Situation ist und drängen ihre Kinder trotzdem.“ Aber ohne mehr Jobs sowie Unterstützung und Raum für Jugendliche wird illegale Migration immer ein vermeintlicher Ausweg sein. Zumal die Schleuser überall warten. „Man kann einfach nach der Nummer fragen.“ Immerhin, sie kennt einige Familien, deren Kinder blieben. Diese kleinen Erfolge geben auch Hayat Mohammed ein wenig Hoffnung.