Dackelspaziergang im Bergpark Wilhelmshöhe Vol. II

Kassel 24.09.2020 Mit einer Vierbeiner-Rallye durch das UNESCO-Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe begeht die MHK in Kooperation mit dem Deutschen Teckelklub Gruppe Kassel e.V. am Samstag, 26. September – 14 bis 17 Uhr, bereits den zweiten »Großen …

Lesen Sie den gesamten Beitrag »
Stadt Marburg

Energie

Gastbeitrag

Angesagt

Kassel

Home » Hessen, Kassel, Kultur

15 Jahre Eintragung der Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm in die Liste des Weltdokumentenerbes

Weltdokumentenerbe Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Foto Daniel Rothen.

Kassel 17.06.2020 (pm/red) Am 17. Juni 2020 jährt sich die Eintragung der Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm in die Liste des Weltdokumentenerbes zum 15. Mal. Sie sind das Herzstück der Dauerausstellung der GRIMMWELT Kassel. Peter Stohler, Geschäftsführer und Programmleiter der GRIMMWELT: „Was die Kronjuwelen für London sind, sind die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm für Kassel. Seit 15 Jahren gehören sie laut UNESCO in Paris zum Gedächtnis der Menschheit – auf Englisch: „Memory of the World“ – und werden auf Deutsch als „Weltdokumentenerbe“ bezeichnet.

Die Grimm’schen Handexemplare gehören genauso zum Weltdokumentenerbe wie das handschriftliche Tagebuch der Anne Frank (Anne Frank Haus, Amsterdam) oder das Archiv des Filmemachers Ingmar Bergmann (Swedish Film Institute, Stockholm). Die GRIMMWELT ist stolz darauf, seit ihrer Eröffnung im Jahr 2015 fünf Handexemplare in einer eigens gefertigten Vitrine zeigen zu dürfen – es sind bei Weitem die wertvollsten Exponate in der Dauerausstellung.“

Warum haben die Grimms Kinder- und Hausmärchen gesammelt?

Mit den Kinder- und Hausmärchen und auch der Sagensammlung wollten sie zur Besinnung auf nationale Kultur und ihre Besonderheiten, besonders in der Zeit der napoleonischen Feldzüge beitragen.

Was ist ein „Handexemplar“?
Ein Handexemplar ist ein Sonderdruck (gedrucktes Buch) mit breitem Korrekturrand. Auf diesem tragen die Autoren bzw. Herausgeber Änderungen, Anmerkungen und Ergänzungen für die Überarbeitung ein. Es ist also eine Kombination aus gedrucktem und handgeschriebenem Wort. Diese mediale Kombination ist von Handschriften abzugrenzen, nach denen bei uns immer wieder gefragt wird, die wir aber nicht bieten. Durch den Versuch einer originalgetreuen Wiedergabe waren die Bücher anfangs nur schwer zu lesen. Wilhelm Grimm überarbeitete immer wieder, um Literatur publikumsfreundlicher zu machen, Wilhelm setzte sich in diesem Punkt gegen Jacob durch, der die Märchen unbearbeitet lassen wollte.

Wie viele Handexemplare gibt es?
In der GRIMMWELT gibt es persönliche Arbeitsexemplare der Erstausgaben der beiden Teile der Kinder- und Hausmärchen 1812 und 1815 sowie der zweiten Ausgabe von 1819 und 1822 und dem dazugehörigen Anmerkungsband mit handschriftlichen Anmerkungen und Änderungen der Grimms.

Gibt es die Handschriften noch, nach denen die Bücher herausgegeben wurden?
Ja. Die Brüder haben diese Schriften Ende Oktober 1810 Clemens Brentano geschickt. Nach Brentanos Tod gingen die Schriften an einen Abt, der sie an das elsässische Trappistenkloster Ölenberg weitergab. Dort wurden sie im Ersten Weltkrieg wiederentdeckt. 1953 wurden die Handschriften in New York versteigert und von der Fondation Martin Bodmer in Cologny-Genf erworben. Bodmer (1899 – 1971) war Schweizer Privatgelehrter, Sammler und Mäzen. Sie befindet sich heute in der von ihm gegründeten Bibliotheca Bodmeriana in Cologny bei Genf. Jacob Grimm hatte mehr als 48 Texte der Kinder- und Hausmärchen geschrieben (Zahl nicht mehr klar auszumachen), Wilhelm 14 und verschiedene Gewährsleute.

Warum wurden die Handexemplare von der UNESCO ins Weltdokumentenerbe aufgenommen?

„Die „Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“ sind neben der Luther-Bibel das bekannteste und weltweit am meisten verbreitete Buch deutscher Sprache. Sie sind zugleich die erste systematische Zusammenfassung und wissenschaftliche Dokumentation der mündlich überlieferten europäischen und orientalischen Märchentraditionen. Die Grimm’schen Märchen wurden in über 160 Sprachen aller Erdteile übersetzt. Sie gleichen einem Hohlspiegel, der die durch mehrere Kulturen geprägten Märchentraditionen einfängt, in neuer Form zusammenfasst, bündelt und so zurückstrahlt, dass eine neue Tradition daraus erwächst und weltweite Wirkung entfaltet.

Die Einzigartigkeit und globale Strahlkraft dieser Sammlung geht darauf zurück, dass die Brüder Grimm über deutsche und europäische Bezüge hinaus gingen und ein fast universelles Muster völkerübergreifender Märchenüberlieferung geschaffen haben. Die bedeutendste erhaltene Quelle für die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Grimm’schen Märchen sind die Kasseler Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen mit zahlreichen eigenhändigen Ergänzungen und Notizen der Grimm-Brüder.“ (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission, www.weltdokumentenerbe.de)