30 Prozent Kostensteigerung beim Weiterbau A 49: Privatisierung als ÖPP-Projekt kommt Steuerzahler teuer zu stehen

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Malersymposium 2020 in Willingshausen – oder von der Rückkehr der Pleinair-Maler(ei)

Im Hof des Gerhardt-von-Reutern-Hauses und der Kunsthalle Willingshausen und damit unter freiem Himmel wurde die Ausstellung der Arbeiten der beteiligten Künstler des 2. Malersymposiums eröffnet. Bürgermeister Heinrich Vesper (mitte) hatte guten Grund zur Unterbrechung seines Sommerurlaubes und konnte seiner Freude Ausdruck verleihen, dass der Berliner Maler Kamili zum zweiten Mal das Malersymposium verwirklicht hat. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Kassel 19.07.2020 (yb) Bereits zum zweiten Mal nach 2019 hat in diesem Sommer in Willingshausen ein Malersymposium stattgefunden und werden die sehenswerten Ergebnisse des künstlerischen Arbeitens der neun beteiligten Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen europäischen Ländern in der Kunsthalle Willingshausen bis zum 9. August präsentiert. Kein Wunder also, dass Bürgermeister Heinrich Vesper hocherfreut die zahlreichen Besucher der Ausstellungseröffnung begrüßte und seinen besonderen Dank an den seit Jahren in Berlin lebenden Maler und Initiator Ben Kamili zum Ausdruck brachte.

Im Saal der Kunsthalle Willingshausen und im Aufgangsbereich werden die zahlreichen Werke ausgestellt, die im Rahmen des einwöchigen Malersymposiums 2020 von 2 Malerinnen und sieben Maleren geschaffen worden sind. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Ben Kamili holt die Maler/innen nach Willingshausen

Bereits beim ersten Besuch in Willingshausen war der aus Mazedonien stammende Ben Kamili angetan von Willingshausen und beeindruckt von der reichen Geschichte des Dorfes als bedeutende Künstlerkolonie im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das sollte Folgen haben und es dauerte nicht lange bis Kamili für die Idee eines Malersymposiums Unterstützer fand und Willingshausen im vergangenen Jahr eine Renaissance des sommerlichem Stelldicheins von zahlreichen Maler erlebte. Dass sich das Malersymposium Willingshausen von Ben Kamili in 2020 unmittelbar weiterführen lies, war dabei keinesfalls selbstverständlich und ausgemachte Sache.

Der „Blick in die Ferne“ als Ölbild auf Karton ist eines der im Rahmen des Malersymposiums 2020 von Ben Kamili gemalten Bilder. Die Handschrift seiner Malerei in expressionistischem Stil mit pastösem Farbauttrag verleiht dem Motiv besonderen Reiz zwischen farbintensiver Gegenständlichkeit und markanter Malweise, die zum Abstrakten tendiert. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Der sympatische und weltläufige Ben Kamili musste nicht alleine wegen der Corona-Krise einige Hürden und Handicaps aus dem Weg räumen. So zeigte er sich nach der einen Woche malerischen Schaffens zusammen mit den acht anderen beteiligten Maler/innen erleichtert, dass das Symposium erneut auf die Beine gestellt und vollendet worden ist. ->Siehe das Interview am Ende dieses Artikels. Die Pleinair-Malerei ist in Gestalt von zwei Malerinnen und sieben Malern zurückgekommen nach Willingshausen. Sind in vergangen Zeiten Düsseldorf und Dresden Ausgangsort für Maler gewesen, um sich nach Willingshausen zu begeben, kommen sie heute aus Klaukala (Finnland), St. Petersburg und andere Orte in mehreren europäischen Ländern.

Mit grobem Pinselstrich entsteht die Malerei Anatasia Dukkanina, hier eine reizvolle Ansicht von Willingshausen, Öl auf Leinwand. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Am Malersymposium 2020 sind beteiligt: Igli Arapi (Albanien), Anastasia Dukhanina (Russland), Ulrich Gleiter (Deutschland), Janko Göttlicher (Dänemark), Ben Kamili (Mazedonien, Deutschland), Antonin Passemard (Frankreich), Ilmari Rautio (Finnland), Petra Rintelen (Niederlande) und Martin Stommel (Deutschland). Die Herkunft aus verschiedenen Ländern samt Ausbildung an unterschiedlichen Kunsthochschulen spiegelt sich in den ausgestellten Gemälden. Erstaunen kann was in der kurzen Zeit von einer Woche mit dem Pinsel auf Leinwand oder Karton erschaffen wurde, ebenso wie die Vielfallt der Sujets und Malstile erfreut. Nicht wenige der ausgestellten Bilder sind gegenständlich, zeigen Landschaften und Ansichten, darunter Willingshausen.

Die besondere Stimmung, inszeniert mit verhaltenem, geradezu sparsamen Einsatz von Farbe kennzeichnet Janko Göttlichers „grows darker with the day“, Öl auf Leinwand. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Laudator Friedhelm Häring findet die richtigen Worte

So war es bei der Eröffnung keine schwere Aufgabe für den Kunsthistoriker Dr. Friedhelm Häring, der lange Jahre als Direktor des Oberhessischen Museums Gießen sehr viele Kunstausstellungen kuratiert und eröffnet hat, eine lebendige Einführung als Laudator vorzutragen. Es ist dem versierten Kunsthistoriker dabei gelungen mit der Vorstellung je eines gemalten Werkes den bzw. die jeweiligen künstlerischen Urheber/in treffend zu charakterisieren.

Mehr noch, Dr. Häring ist es gelungen die Ausstellungsgäste einzufangen, um die unersätzliche Bedeutung der Kunst für das persönliche und gesellschaftliche Leben vor Augen zu führen und zugleich neben einer kurzen Werkbeschreibung die Betrachtung zu weiten. Es gehe bei guter Malerei nicht alleine um das unmittelbar Sichtbare, gab Häring zu bedenken. Ob Stilleben, Landschaftsdarstellung und eine in verhaltenen Farben dargestellte Partie eines Dorfes, gute Malerei verweise über das unmittelbar Sichtbare hinaus, gebe zu denken, veranlasse zum Überprüfen eigener Wahrnehmungen und Sichtweise.

Unter freiem Himmel ist diese Ausstellungseröffnung für Viele zur animierenden Begegnung geworden. Endlich wieder eine Kunstpräsentation und Treffen mit anderen Kunstfreunden, beinahe ohne Einschränkungen (in der Kunsthalle war beim Rundgang „Maskierungspflicht“) und nach gutem Kaffee und Kuchen am Anfang, Sekt, Orangensaft und leckere Häppchen „hinge druff“. So wie es sich gehört und längst guter Usus ist bei der Eröffnung von Kunstausstellungen, die nunmehr auch wieder zeitgenössische Malerei präsentieren können.

Dass dies der Anfang einer neuen Tradition für und in Willingshausen als Gastort für Maler und Künstler sein möge und bleiben solle, war der ebenso optimistische wie nachvollziebare Wunsch des Bürgermeisters. Darin können sich die zahlreichen Aktiven von der Vereinigung Malerstübchen und Willingshausen Touristik bestens wiederfinden – Pleinair-Painting ist wieder angesagt.

Im Triptychon „Garten Erbe I, II, III“ von Ben Kamili offenbart sich eine imponierende Kraft und Ausstrahlung in Korrespondenz mit den sommerlichen Blumen als Bildmotive. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Fragen an Ben Kamili, Initiator des Malersymposium Willingshausen

Wie sind Sie dazu gekommen als Leiter und Koordinator dieses Malersymposiums tätig zu werden?
Ben Kamili: Ich hatte 2017, Anfang April dafür gesorgt, den bekannten Maler Karl Sümmerer aus Gießen in Berlin auszustellen. Seine Frau, Marianne Sümmerer, stellte die Verbindung zum Malerstübchen Willingshausen her und ich wurde Mitglied des Malerstübchens. Im Herbst 2017 ergab sich kurzfristig eine Ausstellung und so kam ich nach Willingshausen.
Als ich Willingshausen entdeckte, war ich sehr beeindruckt von den Fachwerkhäusern. Traumhaft schön. Herr Geißel führte mich in die Geschichte des Malerstübchens ein und nun war ich Feuer und Flamme und wunderte mich, warum in Willingshausen keine Pleinair-Ausstellungen stattfinden.
Im Gespräch mit Herrn Geißel, den Bürgermeister Herrn Vesper, Frau Ulli Becker-Dippel und Herrn Dippel bot ich an, Künstler aus dem Ausland einzuladen. Die Künstler kannte ich von verschiedenen Symposien und somit war es für mich sehr leicht, sie nach Willingshausen zu holen.
Es dauerte etwas, bis es mit dem Malen in Willingshausen klappte, aber 2019 war es so weit. Nun waren die Künstlerinnen und Künstler da und ich übernahm dann die Verantwortung und wurde Koordinator und künstlerischer Leiter.

Kannten Sie Willingshausen vorher bereits und waren Sie vor 2019 schon in Willingshausen?
Ben Kamili: Vor meiner Ausstellung im Herbst 2017 hatte ich zwar von Willingshausen durch Freunde und Bekannte gehört, aber ich war nie dort gewesen.

In diesem Jahr hat das zweite Malersymposium stattgefunden. In einer Ausstellung werden bis 9. August die zahlreichen Ölbilder, Aquarelle und anderen gemalten Ergebnisse des künstlerischen Arbeitens von Ihnen und Ihren Kollegen/innen präsentiert. Sind sie zufrieden mit diesem erneuten Pleinair-Zusammenkommen?
Ben Kamili: Dass es möglich war, dieses Jahr wieder zusammenzukommen, ist ein Wunder. Aber ich hatte nie die Hoffnung verloren. In meinem Kopf ratterte es ständig, welche Strategien wir anstreben sollten, falls es zur kompletten Stagnation kommt. Ich führte ständig Telefongespräche mit den Botschaften der jeweiligen Länder, um mich zu informieren, wie ich die Künstler nach Deutschland bringen kann, ohne dass sie an den Grenzen festgehalten werden. Aber es kam dann, zum Glück, alles gut und wir waren endlich wieder in Willingshausen.
Es war ein großartiges Zusammenkommen. Ich war beseelt, dass den Malerinnen und Malern wieder die Möglichkeiten gegeben werden, ihr Können auf Leinwand und Papier zu bringen. Und die Ergebnisse lassen sich sehen. Es ist eine sehr schöne Ausstellung geworden und ich bin sehr zufrieden damit.

Die Künstlerinnen und Künstler kommen für den – in meinen Augen knappen – Zeitraum von einer Woche nach Willingshausen. Wie sind in Ihrer Bewertung die Bedingungen für dieses besondere Sommerangebot? Brauchte es nicht eigentlich ein wenig mehr Zeit?
Ben Kamili: Es wäre besser, wenn die Künstler länger in Willingshausen blieben. Aber das ist eine sehr kostspielige Geschichte. Man muss wissen, dass die Künstler in Willingshausen keine Kosten für die Verpflegung haben. Das übernimmt die Willingshausen Touristik Betriebsgesellschaft mbH. Hier gilt unser Dank dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und dem Projektträger Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für die Förderung. Nun ist es sehr mühsam Gelder zu generieren, denn Kunst will man gerne haben und damit angeben, was man hat, aber möglichst kein Geld dafür ausgeben. Aber das ist eine alte Geschichte. Es war früher nicht anders und wird sich wahrscheinlich nichts daran ändern. Da die WTB sehr wenig Geld zur Verfügung hat, ist es unglaublich, wie toll und großartig das Team zu den Künstlern ist. Man hat nie das Gefühl, das es dort an irgendetwas mangelt oder fehlt.
Wenn es nach mir ginge, würde ich das ganze Jahr Künstler nach Willingshausen einladen. Gut wäre es aber, zwei Mal im Jahr dort Künstler einzuladen. Im Sommer und im Herbst. Dann könnte man auch die anderen Farben des Ortes festhalten. Aber wir arbeiten dran.

Was sind die Kennzeichen und Schwerpunkte der Kunst-Unternehmung „Willingshäuser Malersymposium“?
Ben Kamili: Künstler aus dem In und Ausland nach Willingshausen zu bringen, ist ein Schwerpunkt. Ganz in der Tradition der Malerkolonie, wie es schon seit fast 200 Jahren in der Künstlerkolonie Willingshausen praktiziert wurde.
Außerdem sollen kunstinteressiertes Publikum und Künstler von der Kultur-, Kunst- und Tourismusregion Schwalm überzeugt werden.

Wie sehen Sie die Perspektive? Geht es nächstes Jahr weiter? Kommen dann die Maler/innen dieses Jahres wieder oder werden neue und andere Künstler/innen nach Willingshausen kommen?
Ben Kamili: Das ist eine sehr schwierige, aber reizvolle Aufgabe. Dieses Jahr haben sich die Künstler verabschiedet mit der Aussage „bis nächstes Jahr“. Sie wollen alle gerne wiederkommen. Neue Künstler interessieren sich dafür und es wird unsere Aufgabe sein, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um mehr Künstler einzuladen.

Angesagter Kunstort 2020 im Malerdorf Willingshausen.  In der Kunsthalle, rechts, werden bis 9. August, die Werke der Beteiligten Künstler/innen des Malersymposiums 2020 präsentiert.

Ausstellung in der Willigshäuser Kunsthalle noch bis 9. August.
Öffnungszeiten: Di bis Fr 14–17 Uhr Sa/So/Feiertage 10–12  und 14–17 Uhr