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Bühnenbesuch bei Inga Blix vom Marburger Theater GegenStand – Sehnsucht nach Spiel, Spaß und Spannung 

Sehnt sich nach dem Spiel vor Publikum: Inga Blix vom Theater GegenStand vor „Bühne 2“ auf dem Marburger Waggonhallengelände. Foto Sabine Jackl

Kassel 07.03.2021 (pm) Noch kurz durchatmen, dann öffnet Inga Blix die Tür zu „Bühne 2“ auf dem Marburger Waggonhallengelände. „Hier war ich seit einem Jahr nicht mehr“, verharrt sie auf der kleinen Bühnenfläche. Auf diesen vier mal vier Metern steht sie sonst nicht so: leise, bewegungslos. Ihr Blick schweift zum Kaminofen, doch durch die geöffneten Fenster kommt genügend laue Vorfrühlingsluft in den Raum mit roten Klappsesseln. Rund 40 Zuschauer finden hier Platz, um in die Welten zu tauchen, die Kreative wie Inga Blix und das Team von Theater GegenStand auf die Minibühne zaubern. Gezaubert haben. Ausgebremst durch die Pandemie, hat sich eine Art Dornröschenschlaf auch über die Waggonhalle und ihre Spielstätten gelegt.

Innen aber pulst es, strömt Herzblut durch Probenarbeiten, werden Märchenpodcasts eingelesen und andere virtuelle Wege zum Publikum gefunden. Dennoch: „Es wird höchste Zeit fürs Spielen.“ Als Regisseurin, Schauspielerin und geschäftsführende Dramaturgin ist Inga Blix seit 13 Jahren eine der Triebfedern bei Theater GegenStand, führt Sommerprojekte auf, stemmt zusammen mit ihrem Mann Stefan Blix beliebte Rilke- und Tucholsky-Abende und hat als Theaterpädagogin ein Herz fürs Kindertheater. Die 42-jährige gebürtige Duisburgerin wirkt in Märchen mit wie Rumpelstilzchen, Froschkönig und Frau Holle. „Wir haben regelmäßig Marburg und Umgebung bespielt.“ Wegen Corona seien bis jetzt über 30 Vorstellungen ausgefallen oder gar nicht erst zustande gekommen.

Immer wieder verschobene Proben, abgesagte Premieren, ungewisse Aufführungstermine – wie geht die Theaterfrau mit der Krise um? Im Interview mit dem Marburger Kultur-trotz-Corona-Format „High Five mit JPG“ gewährt Inga Blix Einblicke in diese auch für sie schwierige Zeit. Fürs youtube-Video filmt Fotograf Chris Schmetz, während Kulturvermittlerin und Galeristin Jessica Petraccaro-Goertsches alias JPG flott ihre fünf Fragen stellt. „Hinten, vorne, Mitte – welchen Teil der Bühne liebst du am meisten?“, will sie von der Akteurin wissen, die nun nicht mehr still steht, sondern wie angeknipst ihre 16 Quadratmeter Spielraum belebt: „Na, ich bin schon eine kleine Rampensau.“

Als Kostprobe serviert Blix Verse aus „Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf“. Präsenz, Text, Mimik sind sofort da, obwohl sie „den Tucholsky seit zwei Jahren nicht mehr gespielt“ hat. Ihre Lust am Spiel füllt den Raum, die Sehnsucht nach Publikum ist greifbar. Sie wolle etwas bewegen in der Gesellschaft, Geist und Seele ansprechen, an Tabus rühren. „Und jetzt“, bedauert sie, „geht grad gar nix.“

Auch ihr Einsatz mit der „Werkstatt für Demokratieförderung“ liegt brach. Ihre Tätigkeit für diesen Verein, der sich gegen Diskriminierung und Rassismus an Schulen engagiert, macht sonst viele ihrer Vormittage aus. „Ich kenne fast jedes Grundschulkind im Landkreis“, feixt die dreifache Mutter und weist auf Programme über Verkehrserziehung und Klimaschutz wie „Immer dem Schnabel nach“ und „Immer dem Nordwind nach“. Bundesweit ist „Mein Körper gehört mir“ zu sehen, das zum Thema „Sexueller Missbrauch“ sensibilisieren soll – Blix bringt es mit der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück in die Klassenzimmer.

Spiele sie etwa in ihrem Vogelkostüm, ließe das viele Kinder denken, sie könne fliegen. So, wie sie das sagt, sprudelnd, mit der Stimme des Herzens, möchte das auch ein Erwachsener glauben: Fliegen können, sich im Zusammenspiel von Stimme und Körper über Grenzen hinwegheben. Das vermittelt Inga Blix auch in Workshops. Neben ihrer klassischen Schauspielausbildung an der Akademie für darstellende Kunst in Montabaur kommt ihr jahrelange Erfahrung mit Improvisationstheater zugute. Egal, ob Theateraufführung oder Schulprogramm, Lesung oder Dichterpotpourri: „Ich liebe das Leben in der Rolle.“ Sie spricht jetzt leiser, scheint der inneren Stimme zu lauschen: Ja, es ist höchste Zeit, wieder spielen zu dürfen. (Sabine Jackl)