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Lutherischer Kirchhof: „Schuldig – Unschuldig“ Gedenksymbol für Opfer der Hexenverfolgung in Marburg eingeweiht

Einweihung Gedenksymbol zur Hexenverfolgung durch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (2.v.r.) gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Elke Neuwohner (2. v. l.), Initiatorin Dr. Elke Therre-Staal (Mitte), Dekan Burkhard zur Nieden und Künstlerin Antje Dathe. Foto Freya S. Altmüller.

12.07.2021 (pm/red) An die Menschen erinnern, die in Marburg in der Frühen Neuzeit unschuldig als angebliche „Hexen“ hingerichtet wurden möchte die Stadt Marburg mit einem Gedenksymbol. Die künstlerische Arbeit mit dem Titel „Schuldig – Unschuldig“ haben Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, die Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Elke Neuwohner, Dekan Burkhard zur Nieden sowie die Initiatorin Dr. Elke Therre-Staal gemeinsam mit der Künstlerin Antje Dathe auf dem Lutherischen Kirchhof feierlich eingeweiht.

„Zwischen 1517 und 1712 ist unseren ehemaligen MitbürgerInnen hier in der Universitätsstadt Marburg systematisches Unrecht widerfahren“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und im Gedenken an Frauen, Männer und Kinder, die Opfer der Hexenverfolgung wurden. „Sie wurden auch in Marburg, vor allem im 17. Jahrhundert, wegen eines Vergehens gefoltert und ermordet, das es gar nicht gab: wegen Hexerei“, so der OB.

„Obwohl alles schon ganz lang zurückliegt, war das Bedürfnis in der Stadtgesellschaft, sich in dieses Thema einzubringen, sehr groß“, blickte Spies auf das Themenjahr zurück. „Wir haben gelernt, dass kein systematisches Unrecht geschieht, an dem nicht auch die Gesellschaft als Ganze beteiligt wäre.“ Mit Blick auf die Gegenwart sagte er: „Die Geschichte lehrt uns, dass wir jeder Form von Diskriminierung und Ausgrenzung schon von Beginn an entgegenwirken müssen.“

Die ehemalige Stadtverordnete Dr. Elke Therre-Staal hatte zu dem Thema angeregt – unter anderem um besser zu verstehen, wie es damals zu diesen Exzessen kommen konnte. „Menschen, denen Gewalt angetan wurde, geben wir ihre Würde zurück“, sagte Therre-Staal. Mit dem Erinnern werde für Gerechtigkeit und soziale Verantwortung eingetreten.

Das Vorhaben wurde vom Magistrat 2018 beschlossen. Das vergangene Jahr stand dann als Themenjahr unter dem Titel „Andersartig.Hexen.Glaube.Verfolgung“. Trotz der Corona-Pandemie fanden verschiedene Veranstaltungen statt – Vorträge, Lesungen und Gottesdienste –, darüber hinaus wurde ein Audioguide zur „Hexenroute“, einem Stadtspaziergang zum Hören, entwickelt, „Heilpflanzenoasen“ errichtet und eine eigene Stadtschrift zum Thema veröffentlicht.

Dabei wurden die verschiedenen Aspekte von Hexenglauben und Hexenverfolgung beleuchtet und Fragestellungen nachgegangen, etwa was wirklich geschah, wie viele Menschen umgekommen sind und wer Täter und wer Opfer waren.

Die Namen der 24 Opfer der Hexenverfolgung in Marburg sind auf dem weißen Ring des Gedenksymbols von Künstlerin Antje Dathe zu lesen. Bei der Einweihung wurde für jedes der 24 Opfer der Hexenverfolgung in Marburg eine weiße Rose niedergelegt. Foto Freya S. Altmüller

Mit dem Gedenksymbol sei für das Themenjahr auch etwas geschaffen worden, das bleibe, erklärte Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Elke Neuwohner. Dekan Burkhard zur Nieden sagte, der Glaube an Zauberei sei bis Ende des 17. Jahrhunderts wissenschaftlicher Mainstream gewesen. Dabei hätten nicht etwa Lynchmobs getobt, sondern alles sei seinen rechtlichen Gang gegangen, teils auch mit Gutachten von der Universität.

Nachbarn und Menschen, die sich Tisch und Bett geteilt hatten, hätten sich gegenseitig denunziert und angezeigt. „Als evangelische Kirche stellen wir uns unserer Verantwortung“, sagte der Dekan. „Die Hexenverfolgung ist Teil unseres Erbes, wir wollen es nie vergessen.“ Alle namentlich aufgeführten Opfer seien evangelisch gewesen.

Nach der wissenschaftlichen Aufarbeitung sollen die Opfer der Hexenverfolgung im Raum Marburg nun auch symbolisch durch die Aufstellung eines Gedenksymbols rehabilitiert werden. Die Künstlerin Antje Dathe aus dem Erzgebirge hat dazu nach einem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb eine künstlerische Arbeit gestaltet. Auch sie nahm an der Gedenkstunde teil.

Die Installation stehe auf einem „dunklen amorphen Fleck, den die damaligen Ereignisse hinterlassen haben“, so Dathe. Der weiße Ring dagegen stehe für Unschuld und bilde den Übergang zur Gegenwart. „In der Achse des Gedenksymbols kann man die Richtstätte sehen“, sagte die Künstlerin mit Blick auf die historische Gerichtsstätte „Rabenstein“.

Auf dem weißen Ring sind die Namen der 24 Opfer zu lesen. Sie wurden am Ende der Einweihung verlesen und für jedes Opfer wurde eine weiße Rose niedergelegt. Lukas Pilgrim sorgte mit zwei musikalischen Fantasien aus der Epoche von Luis de Milan auf der Laute für eine musikalische Umrahmung.