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Verfilmung historischer Marburger Dokumente: Ratsprotokolle und Stadtbücher

Ohne das originale Stadtbuch anzufassen und zu belasten können die Texte ab sofort kostenlos online gelesen werden – „sofern man die Schrift lesen kann und die altertümliche deutsche Sprache auch inhaltlich versteht“, so Archivleiterin Sandra Baumgarten. Foto Patricia Grähling

12.10.2021 (pm) Im Stadtarchiv Marburg werden zahllose historische Dokumente aufbewahrt. Urkunden, Adressbücher, Karten und Zeugnisse der Verwaltung und der Politik dienen Forschern als Quellen. Die Ratsprotokolle von 1523 bis 1835 und das Marburger Stadtbuch von 1357 bis 1609 wurden von der Bundessicherungsverfilmung ausgewählt und digitalisiert.

„Diese Zeugnisse aus der Marburger Geschichte werden nun für die Ewigkeit aufbewahrt“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Wer entschied im 16. Jahrhundert im Rat der Stadt mit? Wer fehlte bei Sitzungen? Welche Themen wurden besprochen? – das ist in den historischen Schriften im Stadtarchiv verzeichnet und für die Zukunft gesichert.

„Unsere Ratsprotokolle und Stadtbücher wurden von der Bundessicherungsverfilmung ausgewählt und digitalisiert. Sie werden nun auf Mikrofilm gespeichert und im Barbarastollen eingelagert“, so das Stadtoberhaupt. Das bedeutet: Die Marburger Schriften werden auf dem langzeitstabilen Medium Mikrofilm in speziellen Behältern zusammen mit anderen bedeutsamen historischen Dokumenten im zentralen Bergungsort Deutschlands eingelagert.

„Auch die deutschen Kommunalarchive – wie unser Stadtarchiv – lagern wertvolles Schriftgut, das die politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung unserer Geschichte dokumentiert“, erklärt Stadtarchiv-Leiterin Sandra Baumgarten. Die Schriften sind Unikate, ein Verlust würde erhebliche Überlieferungslücken in der Geschichte an nachfolgende Generationen bedeuten.

Unter Federführung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe lässt der Bund daher von den Landesarchiven, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem Bundesarchiv seit 1961 Mikrofilmkopien der bedeutsamsten Archivalien anfertigen. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.

„Konkret heißt das: es werden einzigartige Schriftstücke gesichert, wie mittelalterliche Handschriften oder auch Verwaltungsdokumente, die auf besondere Weise historische Zusammenhänge dokumentieren“, erklärt Baumgarten. Für die Verwaltungsdokumente aus Marburg hat Baumgarten eine Bewerbung für die Bundessicherungsverwahrung geschrieben. Kaum eine Stunde nach Versenden der Mail sei ein Anruf aus Wiesbaden gekommen – mit der Frage, ob die Bücher schon am nächsten Tag gebracht werden könnten. Wenig später waren dann 58 Bände mit insgesamt 41.000 Seiten Marburger Geschichte auf dem Weg in die Landeshauptstadt. „Für unser kleines Archiv ist es etwas ganz Besonderes, dass wir ausgewählt wurden“, freut sich die Archivarin.

„Die Bücher wurden auf einem ganz neuen V-Scanner eingescannt. Der passt sich so an die Buchseiten an, dass der Buchrücken nicht beschädigt wird“, erklärt Baumgarten. Die schonende Digitalisierung trage außerdem dazu bei, dass Archivalien künftig geschont werden, weil Interessenten nicht mehr ins Original schauen, sondern die Dokumente digital einsehen können. „Die gescannten Buchseiten sind jetzt nicht nur im Barbarastollen eingelagert. Sie sind auch im Internet kostenlos und frei zugänglich.“ Die Bildqualität sei so gut, dass die Seiten problemlos vergrößert und somit besser als im Buch gelesen werden könnten – „sofern man die Schrift lesen kann und die altertümliche deutsche Sprache auch inhaltlich versteht“.

Die Marburger Bücher waren rund drei Monate in der Außenstelle der Bundessicherungsverfilmung im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Nun sind die historischen Dokumente zurück im Marburger Stadtarchiv, wo sie – vorsichtig mit weißen Handschuhen berührt – wieder sicher verwahrt werden. „Ich freue mich, dass wir die wertvollen Bücher zurückhaben, dass ihr Inhalt erhalten bleiben wird und dass wir sie nun der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen können“, so Spies. Er schaltete beim Besuch im Stadtarchiv die digitalisierten Dokumente auf der Website arcinsys.hessen.de frei, wo sie nun neben vielen weiteren Digitalisaten aus dem Marburger Stadtarchiv zu finden sind – und wo der OB aus Sitzungen mit Heinrich Spieß und weiteren Stadträten aus dem 18. Jahrhundert lesen konnte.