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Feldstudie unter Eisanglern gibt Einblicke in menschliche Entscheidungsstrategien

Feldforschung auf dem Eis: In Finnland erhielten Forscher Einblicke in die menschliche Entscheidungsfindung bei der Nahrungssuche. Foto nn

03.02.2026 (pm/red) Ob beim Beeren sammeln, bei der Jagd oder beim Angeln – Menschen auf der Suche nach Nahrung treffen Entscheidungen nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch mit Blick auf andere. Ein Forschungsteam hat in einer Feldstudie mit finnischen Eisfischer untersucht, wie soziale Informationen das Verhalten bei der Nahrungssuche beeinflussen.

Prof. Dr. Dominik Deffner, der im Januar 2025 seine Professur für Computational Modelling of Behaviour am Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität angetreten hat, begleitete die Arbeit von Erstautor Alexander Schakowski und betreute die statistische Analyse der Daten. 

Mit Smartwatches und Kopfkameras wurde das Verhalten von 74 erfahrenen Eisanglern bei Wettkämpfen in Ostfinnland zu beobachten. 477 Angeltrips auf zehn unterschiedlichen Seen erfassten in den Jahren 2022 und 2023 mehr als 16.000 Entscheidungen, so an welchem Ort geangelt und wann ein Standort verlassen wird. Mit hochaufgelösten Bewegungs- und Kontextdaten erstellten die Forscher computergestützte Modelle, um die zugrundeliegenden Entscheidungsprozesse zu verstehen.

Soziale Information als Kompass – aber nicht immer

Die Auswertung zeigt: Eisangler  kombinieren strategisch drei Arten von Informationen – persönliche Fangerfahrungen, Verhalten anderer Teilnehmender sowie ökologische Merkmale wie die Beschaffenheit des Seegrunds.  Wer Fische fängt, verlässt sich eher auf sein eigenes Wissen; wer erfolglos bleibt, orientiert sich stärker an anderen. 

Blaupause für Spitzenforschung in Marburg

„Das Besondere an dieser Studie ist, dass wir psychologische Prozesse in der realen Welt nachvollziehen konnten – wie Menschen Entscheidungen treffen und Informationen gewichten. Normalerweise lassen sich solche Erkenntnisse nur unter Laborbedingungen gewinnen“, sagt Deffner.

Die Ergebnisse dienen damit als eine Blaupause für die Arbeit des Exzellenzclusters „The Adaptive Mind“ der Universitäten Marburg, Gießen und Darmstadt. Diese Forschung liefere nicht nur neue Einsichten in die Funktionsweise des menschlichen Geistes, sondern lege zugleich die Grundlage für die Entwicklung sicherer, belastbarer und menschenzentrierter KI- und Robotiksysteme, wird zusammengefasst.

Originalpublikation: Schakowski, A., Deffner, D., Kortet, R., Niemelä, P. T., Kavelaars, M. M., Monk, C. T., Pykälä, M., & Kurvers, R. H. J. M. (2026). High-precision tracking of human foragers reveals adaptive social information use in the wild. Science, 391(6784), Article eady1055. https://doi.org/10.1126/science.ady1055

 

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