
19.02.2025 (pm/red) Am 13. Februar präsentierte die hessenARCHÄOLOGIE in Kooperation mit der Philipps-Universität, dem Hessischen Institut für Landesgeschichte und dem Marburger Geschichtsverein e.V. die neue Publikation „Das Marburger Schloss – von der Höhenburg zur Residenz“. Im historischen Fürstensaal des Landgrafenschlosses kamen zur Vorstellung der frühen Geschichte der ehemaligen Burganlage 200 Interessierte zusammen.
Uni-Präsident Prof. Dr. Thomas Nauss stellte in seinem Grußwort die Bedeutung der Anlage für die Universität heraus, während der Historiker Prof. Dr. Ulrich Ritzerfeld die Kooperation der hessenARCHÄOLOGIE mit dem Institut für Landesgeschichte und dem Marburger Geschichtsverein betonte.
„Kaum ein Schloss ist so eng mit der hessischen Landesgeschichte verbunden, wie das Marburger Landgrafenschloss“, ließ Wissenschaftsminister Gremmels mitteilen. „Es ist ein Ort, an dem sich mehr als tausend Jahre hessische Geschichte verdichten. Die archäologischen Forschungen der vergangenen Jahrzehnte haben unser Bild dieses einzigartigen Ensembles grundlegend erweitert und reichen bis in das 9. Jahrhundert zurück.“
Mit der Publikation „Das Marburger Schloss – von der Höhenburg zur Residenz“ werden diese Ergebnisse erstmals umfassend vorgestellt und in einen größeren historischen Zusammenhang eingeordnet. Das Werk setzt Maßstäbe für die Erforschung und Vermittlung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte Hessens.
Der hessische Landesarchäologe Prof. Dr. Udo Recker unterstrich, wie wichtig die technisch aufwändige Ausgrabung für die Forschungsgeschichte war. Eine umfassende Fachpublikation im Anschluss sei dabei keine Selbstverständlichkeit, so Recker. Wachsende Arbeitsbelastungen der Bodendenkmalpflege und sinkende Zahlen materialbezogener Abschlussarbeiten führten zu weniger wissenschaftlichen Aufarbeitungen archäologischer Grabungen.
„Ausgrabungen wie hier im Landgrafenschloss unter dem nur wenige Meter entfernten Westsaal zeigen uns eindrucksvoll, wie viel Potenzial selbst in scheinbar bekannten Denkmälern steckt“, so Recker. Eine umfassende wissenschaftliche Auswertung und fachliche Publikation wie in Marburg, basierend auf der vorbildlichen Arbeit eines interdisziplinären Teams, sei dabei enorm wichtig, um dieses Wissen der Forschung und der Bevölkerung zugänglich machen zu können.
Die Ergebnisse dieses Teams und die Herausforderungen der Ausgrabung stellte die damalige Ausgrabungsleiterin und heutige Außenstellenkoordinatorin der hessenARCHÄOLOGIE in Marburg, Dr. Christa Meiborg, vor. Bereits zu Beginn der Veranstaltung hatte Meiborg in zwei Führungen Gästen die Möglichkeit geboten, direkte Einblicke in das einstige Grabungsgelände zu gewinnen, während Ritzerfeld die Geschichte des heutigen Schlosses präsentierte.

Zum Abschluss der Veranstaltung ordnete der renommierte Burgenforscher Dr. Joachim Zeune die entdeckten Burgstrukturen in das spannende Forschungsfeld salierzeitlicher Burgen ein, welches sich im Vorfeld der großen Salier-Ausstellung 1991 in Speyer etablierte. Genau in diese Phase der burgenkundlichen Neuorientierung fiel die Entdeckung der beiden frühen Turmbauten unter dem Marburger Schloss, berichtete Zeune. Als burgenkundliche Leuchttürme erhellten sie damals nicht nur das wissenschaftliche Dunkel, sondern halfen, die großen gemörtelten Steintürme als bauliches Leitmotiv des Königtums und der Dynasten zu erkennen.
Der Doppelband „Das Marburger Schloss – von der Höhenburg zur Residenz“ aus der Reihe der Materialen zur Vor- und Frühgeschichte in Hessen ist im Buchhandel erhältlich.
Landesamt für Denkmalpflege Hessen (hessenArchäologie) Materialien zur Vor- und Frühgeschichte von Hessen
Bandnummer: 32, I+II, 1. Auflage 2025, 654 Seiten, 21 x 29,7 cm
ISBN: 978-3-7954-3895-1, Verlag Schnell & Steiner, Ladenpreis 96,00 Euro
