
21.03.2026 (pm/red) Weiße bis graue Gespinste an Stämmen oder Astgabeln von Eichen deuten auf einen Befall mit dem Eichenprozessionsspinner hin. In Marburg ist die Anzahl befallener Bäume in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Um den Befall der Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren einzudämmen, habe die Stadt eine umfassende Bekämpfungsstrategie entwickelt, wird informiert.
Im Jahr 2025 waren etwa 350 bis 400 Bäume in Marburg vom Eichenprozessionsspinner befallen. Die Raupen des Nachtfalters bilden feine Brennhaare aus, die bei Menschen und Tieren starken Juckreiz, Hautausschläge, Entzündungen und sogar Atemwegsbeschwerden verursachen können. Der Befall birgt nicht nur Gesundheitsrisiken, sondern führt teilweise auch zu eingeschränkter Nutzbarkeit öffentlicher Flächen, wie die Sperrung der Bismarckpromenade im Jahr 2025 zeigte.
Das Verkleben und Absaugen der Nester sowie der Einsatz von heißem Wasser reichen inzwischen nicht mehr aus, um den Befall langfristig in einem vertretbaren Maß zu halten. Für dieses sogenannte mechanische Bekämpfen entstanden im Jahr 2025 Kosten in Höhe von rund 145.000 Euro – und diese Kosten dürften in den kommenden Jahren deutlich steigen.
Neue Bekämpfungsstrategie mit Bacillus thuringiensis
Deshalb setzt die Stadt Marburg zusätzlich auf die gezielte Verwendung des biologischen Wirkstoffs Bacillus thuringiensis. Dieser wird zwischen Ende März und Mitte April, zum Zeitpunkt des Eichenaustriebs, von Fachfirmen unter Beachtung aller behördlichen Auflagen ausgebracht. Das Biozid wirkt gezielt: Die Raupen nehmen es über die Nahrung auf, hören auf zu fressen und sterben nach wenigen Tagen – noch bevor sie die gefährlichen Brennhaare entwickeln. Die Wirksamkeit beschränkt sich auf blattfressende Schmetterlingsraupen. Dieses Vorgehen entspreche den natur- und artenschutzrechtlichen Bestimmungen, wird mitgeteilt.
Die Stadt setzt das Biozid nur ein, wenn andere Mittel nicht ausreichen – und nur bei passendem Wetter. Zulässig ist der Einsatz insbesondere in Siedlungen, Parks, im Umfeld von Schulen und an Verkehrsflächen. Das Mittel ist für Menschen und andere Säugetiere ungefährlich. Dennoch werden die behandelten Flächen abgesperrt und mit Hinweisschildern versehen. Es gilt: Betreten verboten, bis der Spritzbelag abgetrocknet ist. Dies benötigt in der Regel mehrere Stunden.
Wo Biozide nicht eingesetzt werden können oder es schnell gehen muss, weil Menschen gefährdet sind, lässt die Stadt die Nester weiterhin absaugen. Zusätzlich werden vorsorglich dünne Äste am äußeren Rand der Baumkrone zurückgeschnitten, um die dort abgelegten Eier schon im Frühjahr zu entfernen.
