Landrat Womelsdorf ruft zu Bewerbungen für den Otto-Ubbelohde-Preis 2026 auf

28.01.2026 (pm/red)Auch in diesem Jahr vergibt der Landkreis Marburg-Biedenkopf wieder den Otto-Ubbelohde-Preis als höchste Kulturauszeichnung des Kreises. Bewerbungsunterlagen für den begehrten Kulturpreis, können bis zum 15. April 2026 eingereicht werden, wird von der Kreisverwaltung mitgeteilt. …

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IHK-Studie: Sport als Wirtschaftsfaktor mit Entwicklungspotential in Nordhessen

Derek Dinger (Geschäftsführer Kassel Huskies), Dr. Arnd Klein-Zirbes (Hauptgeschäftsführer IHK Kassel-Marburg), Uni.-Prof. Dr. Kuno Hottenrott, Felicitas Jordan (Leitung Marketing & digitale Entwicklung Jordan), Natascha Gaebelein (Leitung Standortmarketing Regionalmanagement Nordhessen und Moderatorin des Abends), Mark Weinmeister (Regierungspräsident Kassel), Kai-Georg Bachmann (Geschäftsführer Regionalmanagement Nordhessen) und Dr.- Hans-Friedrich Breithaupt (Vizepräsident IHK Kassel-Marburg). Foto Sascha Mannel

29.01.2026 (pm/red) Sport mehr als nur gesellschaftlichen Faktor begreifen und der Region damit wirtschaftliche Potenziale erschließen, schlägt die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg vor und präsentiert eine Studie. „Wirtschaftsfaktor Sport in Nordhessen“ untersucht systematisch die wirtschaftliche Bedeutung des Sports für die Region. Auftraggeber war die IHK, umgesetzt vom Regionalmanagement Nordhessen.

Die Region muss die sportliche Herausforderung im doppelten Sinne des Wortes annehmen, den Wirtschaftsfaktor Sport systematischer zu nutzen und auszubauen, um für die hiesige Wirtschaft neue Potenziale zu heben“, sagt Dr. Hans-Friedrich Breithaupt, Vizepräsident der IHK Kassel-Marburg. Dabei bestehe Entwicklungsbedarf: „Gemessen an der Größe und Bedeutung Nordhessens schöpfen wir die Chancen des Wirtschaftsfaktors Sport im hessischen Vergleich bislang unzureichend aus.“Der Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg, Dr. Arnd Klein-Zirbes, unterstreicht: Wer die Wertschöpfung in Sachen Sport erhöhen wolle, müsse ihn stärker als Teil der Standortpolitik verstehen und gezielt in Infrastruktur, Veranstaltungen und Vermarktung investieren.

„Sport ist ein Standortfaktor, der messbare Impulse für Tourismus, Dienstleister und die regionale Wirtschaft setzen und dazu beitragen kann, Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Hier gilt es, klare Strategien zu entwickeln und den Sport- und Aktivtourismus zum Beispiel explizit im tourismuspolitischen Handlungsrahmen Hessen zu verankern. Dies geht auch aus den Handlungsempfehlungen der Studie hervor“, so Dr. Klein-Zirbes.

Gleichzeitig sei festzuhalten, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, „dass die Studie noch kein vollständiges Bild des Wirtschaftsfaktors Sport im gesamten IHK-Bezirk zeigt, da die Region Marburg noch nicht abgebildet ist. Aus unserer Sicht ist es wichtig, diese Perspektive zeitnah zu ergänzen, um ein vollständiges Bild des Wirtschaftsfaktors Sport im gesamten IHK-Bezirk zu erhalten. Entsprechende Ergänzungen sollen in einem nächsten Schritt erfolgen“.

Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede bei den Umsätzen: Hessenweit liegt der steuerbare Umsatz durch Sport bei rund 3,0 Milliarden Euro, auf Nordhessen entfallen lediglich 87 Millionen Euro. Das entspricht lediglich 2,7 Prozent des Gesamtumsatzes, obwohl die Region knapp 17 Prozent der Bevölkerung stellt. Auch im Vergleich innerhalb Hessens zeigt sich die Diskrepanz: Für den Regierungsbezirk Kassel beträgt der steuerbare Sportumsatz rund 110 Millionen Euro, für Darmstadt dagegen rund 2,8 Milliarden Euro.

Wertschöpfung entsteht durch Gäste von außen

Laut Studie ist für den wirtschaftlichen Effekt vor allem die außerregionale Nachfrage entscheidend: Wertschöpfung entsteht dort, wo Sport Gäste, Teilnehmende und Zuschauer von außerhalb nach Nordhessen zieht – etwa durch Sportevents, Aktivtourismus oder Trainingsangebote. Die Studie verweist auf den Economic-Base-Ansatz: Sport wirkt besonders stark, wenn zusätzliches Geld von außen in die Region fließt. „Sport wirkt entlang ganzer Wertschöpfungsketten. Er verbindet Dienstleistungen, Tourismus, Gesundheit, Infrastruktur und Veranstaltungswirtschaft“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Kuno Hottenrott. „Regionen, die diese Zusammenhänge gezielt nutzen, stärken ihre Attraktivität und erzeugen zusätzliche wirtschaftliche Effekte.“

Am Beispiel des Weltcup-Skispringens in Willingen zeigt die Studie die Wirkung: In den vergangenen drei Jahren kamen jeweils 43.100 bis 46.400 Zuschauer. Der Ticketumsatz lag 2024 und 2025 bei rund 1,13 Millionen Euro. Am Weltcup-Wochenende wurden 27.998 Übernachtungen registriert, davon rund 90 Prozent dem Skispringen zuzuordnen. Auch kleinere Formate erzeugen Wirtschaftskraft: Die Deutsche Zollmeisterschaft in Baunatal brachte eine Bruttowertschöpfung von rund 520.000 Euro – vor allem durch Teilnehmer von außerhalb.

Regionalmanagement: Chancen strategisch nutzen

„Sport ist ein verbindendes Feld, in dem Kommunen, Wirtschaft, Tourismus, Vereine und Verbände zusammenkommen – genau darin liegt eine Chance für das Standortmarketing in Nordhessen an der Schnittstelle zum Tourismusmarketing“, sagte Kai-Georg Bachmann,
Geschäftsführer der Regionalmanagement Nordhessen GmbH. „Die Region verfügt über starke sportliche Strukturen. Jetzt kommt es darauf an, diese strategisch weiterzuentwickeln – mit passenden Rahmenbedingungen, professionelleren Veranstaltungsformaten und einer engeren Verzahnung mit der Tourismus- und Gesundheitswirtschaft. Dabei wird es darauf ankommen, Aktiv- und Sporttourismus stärker in den Blick zu nehmen.“

Nachholbedarf bei Spitzensport und Infrastruktur

Die Studie benennt zudem Defizite im organisierten Spitzensport: Nordhessen sei so gut wie gar nicht vertreten – unter anderem wegen fehlender Stützpunkte und unzureichender Infrastruktur. So fehlen etwa Olympia- und Bundesstützpunkte; eine Ausnahme bildet der Ski-Bundesstützpunkt in Willingen. Im Schwimmsport fehlt seit zwei Jahren ein wettkampftaugliches Becken beim KSV Baunatal, sodass ein Landesleistungszentrum nicht mehr möglich ist. Als Handlungsempfehlungen werden der Aufbau einer Eliteschule des Sports, die Einrichtung von Nachwuchsleistungszentren sowie die Entwicklung des „Sportcampus Auepark“ in Kassel als Trainings- und Ausbildungsschwerpunkt genannt.

Konkrete Umsetzung: Sport als Standortfaktor

Die Projektpartner sehen die Studie als Arbeitsauftrag: Sie benennt Ansatzpunkte, um Sport stärker als Standorthebel zu nutzen – etwa verlässliche Rahmenbedingungen für Infrastruktur und Veranstaltungen, intensivere Kooperationen zwischen Sport, Wirtschaft, Kommunen und Tourismus, gezielte Vermarktung und engere Verknüpfung mit Fachkräfte- und Gesundheitsstrategien.
Die Ergebnisse der Studie wurden in einer von Natascha Gaebelein moderierten Podiumsdiskussion von Unternehmerin Felicitas Jordan, Regierungspräsident Mark Weinmeister, Kassel-Huskies-Geschäftsführer Derek Dinger, Uni.-Prof. Dr. Kuno Hottenrott, Dr. Arnd Klein-Zirbes und Kai-Georg Bachmann vertieft. Diese sollen nun gemeinsam mit Kommunen, Vereinen, Verbänden und Unternehmen in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

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