
10.03.2025 (pm/red) Ein Start-up „Zestum“ möchte Gerüche als festes Medium in der digitalen Welt etablieren – analog zu Bild und Ton. Mit KI-basierter Software und einer kompakten Hardware will das Team Düfte passend zum Bildschirminhalt ins Wohnzimmer bringen. Mit einer Kickstarter-Kampagne soll nun die erste Produktlinie finanziert werden. Zestum werde von EXIST und dem Gateway der TH Köln gefördert, wird mitgeteilt.
Duft genauso greifbar, erfahrbar und einsetzbar wie visuelle oder auditive Reize
„Wir wollen Duft genauso greifbar, erfahrbar und einsetzbar machen wie visuelle oder auditive Reize“, erläutert Gründer Salomo Bertram. Dafür hat das Team eine Software entwickelt, die mittels Künstlicher Intelligenz in Echtzeit analysiert, was auf dem Monitor geschieht. „Unsere KI erkennt Objekte und Szenarien, die auf dem Bildschirm zu sehen sind – etwa einen Wald, eine Blumenwiese oder ein Feuer – und klassifiziert diese“, so Bertram. Innerhalb von weniger als 500 Millisekunden wird ein Signal an die Hardware-Box gesendet, die den passenden Duft ausstößt. Da die normale Atemfrequenz bei drei bis vier Sekunden liegt, entsteht ein authentisches Dufterlebnis.
Pellets geben Düfte frei befüllt mit Parfüm, Ölen und ätherischen Zusatzstoffen
Die Scentbar genannte Hardware arbeitet mit sogenannten Pods, die mit speziell für Zestum hergestellten Pellets befüllt sind. Diese bestehen aus einer Mischung von Parfüm, Ölen und ätherischen Zusatzstoffen. In einem ersten Schritt möchten die Gründer drei Duftserien anbieten: Natur mit Wald, Regen oder Gras, Rennsport mit Benzin, verbranntem Gummi oder Asphalt sowie Action mit Rauch, Betonstaub oder Schießpulver. Perspektivisch soll die Palette noch erweitert werden.
Rennsport mit Benzin, verbranntem Gummi oder Asphalt
Ventilatoren in der Scentbar erzeugen einen sanften und gezielten Luftstrom, der an den Pellets vorbeiströmt, die jeweiligen Gerüche aufnimmt und zu den Nutzer*innen trägt. Damit werden die Düfte ähnlich wie im realen Leben wahrgenommen, wo sie ebenfalls über die Luft transportiert werden. Dies steht im Gegensatz zur Zerstäubung oder Nebelbildung, wie man sie etwa von Duftsprays kennt.
Eine „nahezu natürliche Dufterlebnis verfliegt nach dem Lüften sofort“
„Die von uns gewählten Mischungen hängen in der Luft und setzen sich nicht in Kleidung oder Möbeln fest. Dieses nahezu natürliche Dufterlebnis verfliegt nach dem Lüften sofort“, so Bertram weiter. Die verwendeten Stoffe entsprechen den Vorgaben der International Fragrance Association und sind damit gesundheitlich unbedenklich für Mensch und Haustier.
Kompatibilität mit der Windowswelt, Videospielen, YouTube oder Streaming-Diensten
Zum Marktstart konzentriert sich das Startup auf den PC-Bereich. Das System ist unter Windows mit gängigen Anwendungen wie Videospielen, YouTube oder Streaming-Diensten kompatibel. „Die Software nutzt die Ressourcen des Computers und ist nicht cloudbasiert, wodurch das System für unsere Kund*innen günstig und einfach bleibt“, sagt Bertram. Perspektivisch sollen weitere Anwendungen für Spielkonsolen und TV-Geräte auf den Markt kommen.
Düfte dynamisch mischbar zu machen wie bei RGB-Farben im digitalen Bildbereich
Mit der am 10. März startenden Kickstarter-Kampagne möchte das Team die Produktion der ersten Serie finanzieren und die Community aktiv in die Weiterentwicklung einbinden. Langfristig sieht Zestum großes Potenzial in Forschung und Entwicklung: Ziel sei es, Düfte künftig so dynamisch mischbar zu machen, wie es heute bei RGB-Farben im digitalen Bildbereich Standard ist. Weitere Informationen unter https://www.kickstarte…your-games.
Das Start-up Zestum wurde von Salomo Bertram, Samuel Wiebe, Jasmin Blekic und Levin Vonester gegründet, die an der TH Köln sowie der FH Aachen unter anderem Wirtschaftsingenieurwesen, Elektrotechnik, Kommunikationsdesign und Raumfahrttechnik studiert haben. Das Team wird über das Programm „exist – from science to business“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und der Europäischen Union gefördert.
Redaktionelle Anmerkung
Manche Meldungen müssen verwundern. KI soll vieles möglich machen, in Zukunft also olfaktorische Wahrnehmungen in die dröge Medienwelt bringen. Da hat man sich viel vorgenommen. Blumenwiese und Kiefernwald mag ja noch gehen. Doch wie duftet eigentlich der Straßenverkehr, oder riecht der schon. Wie ist es dann mit dem Gestank von Fäkalien oder wird das lieber weggelassen. Auch mit Feuer und Unfällen wird es nicht ganz einfach passende Duftmischungen zu servieren. Pommes mit Currywurst mag noch gehen, aber Zwiebel, Knoblauch und Schmorbraten? Ganz und gar kompliziert wird es bei kriegerischem Geschehen, Wohnungsbränden. Es kann bezweifelt werden ob die unverdrossenen Start-Up-Gründer aus Köln auch nur ansatzweise ahnen, auf was sie sich einlassen. Zunächst einmal ist ihnen die Lektüre von Patrick Süskinds „Parfüm“ zu empfehlen.
