
17.03.2026 (pm/red) Die Stadt Marburg hat ihre verkehrswichtigen Straßen untersuchen lassen und in einem Kataster den Zustand zusammengetragen. Insgesamt sollen nun im Schnitt 15 Millionen Euro pro Jahr investiert werden, um rund 40 Kilometer Straßen in zehn Jahren grundhaft zu sanieren. Los geht es in diesem Jahr etwa mit den Planungen für den Sonnenweg in Michelbach, An der Zahlbach am Ortenberg, die Königstraße in Elnhausen oder die Wehrshäuser Straße.
Es wird später einmal niemand behaupten können, man habe nichts gewußt davon. Gemeint sind die erheblichen anstehenden finanzielle Belastungen in Marburg. Diesmal zur Straßensanierung. Dabei geht es um satte 150 Millionen Euro, aufzubringen in 10 Jahren um – gerade einmal – 40 Straßenkilometer in Marburg zu sanieren. Mit der PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄTSSTADT MARBURG Nr. 32 / 16. März 2026 wird dies einen Tag nach dem denkwürdigen Kommunalwahlergebnis seitens der Stadt Marburg öffentlich gemacht. Nachstehend zunächst einmal der weitere Text dieser Pressemitteilung ungekürzt:
Nicht alle Straßen sind in optimalem Zustand – das gilt für nahezu jede Kommune. Dennoch ist der Anspruch klar: Straßen müssen in einem ordentlichen Zustand sein, damit die Verkehrsteilnehmer sicher unterwegs sein können. Bevor eine Straße grundhaft saniert wird, geht dem jedoch einiges an Planungen voraus – auch gemeinsam mit anderen Partnern, wie den Wasser- und Energieversorgern. Und: Es kostet viel Geld und nicht alles kann auf einmal angepackt werden.
„15 Millionen Euro im Jahr in unsere Straßen investieren und das mit System und einer transparenten Reihenfolge“
Die Stadt Marburg hat daher nun die verkehrswichtigen Straßen systematisch erfasst und einen Zehn-Jahres-Plan erstellt. Ziel ist ein transparentes, fachlich begründetes Vorgehen mit klaren Prioritäten – im ausgewogenen Verhältnis zu anderen investiven Aufgaben wie Schulen, Kitas, Bädern und sozialer Infrastruktur. „Investitionen stehen immer in Konkurrenz, die Mittel sind begrenzt. Wir wollen 15 Millionen Euro im Jahr in unsere Straßen investieren und das mit System und einer transparenten Reihenfolge“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Mit dem Bildungsbauprogramm BiBaP – einem transparenten Investitionsplan für die Marburger Schulen – habe die Stadt gute Erfahrungen gemacht und weitet dies nun auf die Straßen aus. Saniert wird in Marburg seit 2019 ohne Anliegergebühren.
Systematische Analyse als Grundlage
Die Basis des Straßenbauprogramms war eine fachliche Analyse von rund 120 Kilometern verkehrswichtigen Straßen von insgesamt 300 Kilometern Straßennetz in Marburg. Geschaut wurde, welche Schäden es gibt, wieviel Verkehr auf den jeweiligen Strecken fließt, ob eine Straße für den ÖPNV von Bedeutung ist und wo nach dem Radverkehrsplan Radwege entstehen sollen. Außerdem hat die Stadt Marburg beispielsweise mit den Stadtwerken abgestimmt, wo diese in den nächsten Jahren Leitungsarbeiten machen und die Straßen dafür öffnen müssen.
Geschaut wurde auch, wo in nächster Zeit Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut werden – damit auch diese Straßenabschnitte direkt grundhaft erneuert werden können. „Dazu haben wir dann erfasst, was eine grundhafte Erneuerung der jeweiligen Straße grob kosten wird – und ob es Fördergeld oder Partner gibt, um Synergien zu schaffen“, erklärt Karsten Dittmar, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. Zusätzlich achtet die Stadt darauf, dass nicht zwei wichtige Straßen zugleich saniert werden, wenn die eine Straße als Umleitung für die andere benötigt wird. Eine komplexe Zusammenstellung mit vielen Faktoren also.
Das Ergebnis: Eine Karte der Stadt Marburg, mit Straßen, die in zehn unterschiedlichen Farben markiert sind. Dabei steht jede Farbe für ein Jahr, in dem saniert werden soll. Eine Verschiebung der Planungen kann es aber grundsätzlich geben, etwa wenn es Fördermittel für eine bestimmte Straße gibt oder wenn neue Schäden auftreten. „Rund 40 Kilometer des Straßennetzes sollen in den nächsten zehn Jahren grundhaft erneuert werden – für insgesamt rund 150 Millionen Euro. Das ist nur realistisch zu finanzieren, wenn wir Fördermittel bekommen“, so Stadtrat und Baudezernent Dr. Michael Kopatz. Die Stadt Marburg wird für viele Straßen Zuschüsse für den kommunalen Straßenbau beim Land Hessen beantragen – hier gibt es bis zu 60 Prozent Förderung.
Für dieses Jahr sind beispielsweise Arbeiten in der Liebigstraße und im Bereich Lutherischer Kirchhof geplant und die Planungen für den Sonnenweg in Michelbach, An der Zahlbach am Ortenberg, die Wehrshäuser Straße in Wehrshausen und die Königsberger Straße in Elnhausen werden beginnen. Neben der grundhaften Sanierung wird auch weiterhin laufend repariert. Dabei gilt aber: „Baustellen machen immer Staub und Lärm und beeinträchtigen Anwohner und den Verkehr“, so Dittmar. „Das wollen wir so kompakt wie möglich gestalten, damit Beeinträchtigungen möglichst gering sind. Aber ohne wird es nicht gehen.“
„Plan, für die Bürger verfügbar und nachvollziehbar“
Beschlossen wurde das Straßenkataster durch die Stadtverordnetenversammlung. Zuvor wurde der Plan mit den Ortsvorstehern und anderen Partnern abgestimmt und Hinweise eingearbeitet. Nun hat die Stadt Marburg einen verlässlichen Plan, der auch für die Bürger verfügbar und nachvollziehbar sein soll. Wie bereits bei den Schulen möchte die Stadt solche priorisierten Planungen Stück für Stück auch für andere Bereiche in der Infrastruktur erstellen – etwa für Brücken.
Zu finden ist das Straßenbauprogramm auf der Internetseite der Stadt Marburg im Bereich der Beschlussvorlagen unter der Nummer VO/2911/2025: https://www.marburg.sitzung-online.de/public/tr010?SUCHWORT=VO/2911/2025
Wer es mag, kann sich also auch die Planungs- und Beschlußvorlagen online anschauen. Dabei ist es wenig erfreulich darin lesen zu müssen: „Im kritischen Zustand sind ca. 32 % der ausgewerteten Straßen. Für diese Straßen sind mittelfristig (nach Regelwerk bis unter fünf Jahren) Maßnahmen einzuleiten. In schlechtem Zustand sind ca. 43 % der ausgewerteten Straßen. Hierfür sind kurzfristig (nach Regelwerk bis unter zwei Jahren) Maßnahmen einzuleiten.“
Anders und einfach formuliert: Kritischer Zustand 32 %, schlechter Zustand sind 43 % der Straßen. Damit ist das Wesentliche mitgeteilt – in Marburg ist ein deutlicher Anteil der Straßen von insgesamt 300 Kilometern in kritischem oder schlechtem Zustand. Mensch könnte sich fragen, wie es dazu kommen konnte? Wurde in Marburg jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren? Es sieht stark danach aus.
Jetzt wird großertig verkündet man müsse priorisieren, also festlegen wofür derzeit das Geld nicht vorhanden ist. Dabei gehe es transparent zu, indem bei all dem die Ortsvorsteher einbezogen waren und jetzt die Bürger informiert werden welche Straßen anstehen.
Nun ja, immerhin lässt die Stadt Marburg kurz nach der Kommunalwahl die Hosen runter beim Thema Straßensanierung. Der Bedarf ist überragend, anders formuliert bestürzend – 150 Millioen in 10 Jahren für gerade einmal die wichtigsten (besser formuliert die priorisierten) Sanierungsfälle. Über die Kritierien wird man sicher streiten können, siehe obiges Foto vom Sonnenweg in Michelbach.
Die Wahlbürger haben ihre Stimmen abgegeben. Die Gewählten haben ihr Mandat für fünf Jahre vor Augen. Es sieht nicht gut aus in Marburg, sei es als Pharmastandort, wo rund 1.500 Arbeitsplatze vernichtet werden, seien es die städtischen Finanzen mit einem strukturellen Defizit von 40 Millionen Euro im Jahr, sei es im Wohnungsbau., wo seit vielen Jahren nichts passiert ist. Dass zudem in letzter Minute vor der Wahl bekannt gemacht wurde, dass die Stadt für 40 Millionen Euro das Forum als zweites Rathaus erworben hat und damit einen krass überhöhten Kaufpreis hingeblättert hat, ist dabei alles andere als beruhigend.
Zuallererst müssten sich die mittlerweile vier hauptamtlichen Magistratsmitglieder fragen und fragen lassen, wie es zu alledem kommen konnte. Aufgabe der neu gewählten Stadtverordneten wäre es solche Fragen zu stellen. Man darf gespannt sein – es sind mehr als genug Probleme und Themen bekannt.
