Projekt zur Erhaltung der Biodiversität – Neue Wege für Naturschutz in Afrika

07.04.2026 (pm/red) In vielen Regionen Afrikas treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Der Verlust von Biodiversität verändert Ökosysteme, während gleichzeitig Landwirtschaft, Siedlungen und Infrastruktur in Wildtierlebensräume vordringen. Dadurch steigen Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren, etwa wenn Elefanten Felder zerstören oder Raubtiere Nutztiere reißen, mit oft erheblichen wirtschaftlichen Folgen für ländliche Haushalte.

Das internationale Projekt „PEACE – Participatory Engagement for Adaptation and Conservation Efforts“ nutzt moderne, automatisierte Technologien für das Biodiversitätsmonitoring und will mit den Menschen vor Ort Lösungen entwickeln , die Naturschutz und die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung verbinden. Es wird von der Förderlinie Biodiversa+ mit über 1,8 Mio. Euro gefördert.

„Viele Naturschutzprogramme scheitern daran, dass sie lokale Interessen nicht ausreichend einbeziehen oder Entscheidungen auf zu wenigen Daten beruhen“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Björn Vollan, der das Projekt gemeinsam mit der Naturschutzökologin Prof. Dr. Nina Farwig leitet. Das Besondere an „PEACE“ ist die Kombination aus modernem Biodiversitätsmonitoring, verhaltenswissenschaftlicher Forschung und Beteiligung der lokalen Bevölkerung. „

Gemeinsam entscheiden – datenbasiert und alltagsnah

In Bürgerräten und einem transdisziplinären Panel arbeiten Wissenschaft, Praxis und lokale Akteure zusammen. Das Projekt knüpft dabei an Vorarbeiten mit Bürgerräten in Bogotá an, in denen rund neun von zehn Teilnehmenden angaben, echte Einflussmöglichkeiten gehabt zu haben, und fast alle fanden ihre Perspektiven in den finalen Empfehlungen wieder. Ergänzt wird dies durch verhaltenswissenschaftliche Methoden wie Lernspiele und Zukunftsformate, in denen mögliche Entwicklungen gemeinsam durchgespielt werden.

„So sollen Entscheidungen über Naturschutzmaßnahmen besser auf Daten gestützt werden und gemeinsam mit den betroffenen Communities praktikable Strategien und faire Ausgleichsmodelle entstehen, beispielsweise wenn Schutzmaßnahmen wirtschaftliche Interessen berühren. Die experimentellen Lernspiele bauen dabei auf früheren Spieldesigns unseres Teams im südlichen Afrika auf und machen typische Zielkonflikte im Alltag – etwa Ernteverluste, Wildtierbegegnungen und Kompensationsfragen – diskutierbar“, sagt Vollan.

An dem Projekt sind internationale und interdisziplinäre Forscher beteiligt: Die Philipps-Universität Marburg bringt Expertise aus Wirtschaftswissenschaften und Biologie ein, unterstützt wird das Projekt zudem von renommierten Forschungseinrichtungen wie dem Beijer Institute of Ecological Economics der Royal Swedish Academy of Sciences, der ETH Zürich, der Universität Innsbruck und der Utrecht University. In Afrika arbeiten die University of KwaZulu Natal und die University of Fort Hare direkt vor Ort mit lokalen Communities zusammen.