Die Main-Weser-Bahn gerät zur Verliererstrecke

ICE-Züge und -verbindungen auf der Main-Weser-Bahn wurden ab Mitte Dezember 2018 zur regulären Taktung im Marburger Bahnhof. Aus Zwei-Stunden-Takt wird jetzt nur noch ein Vierstunden-Takt. Sternbald-Foto

12.12.2025 (red) Mit dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember verschlechtert sich das Fernverkehrsangebot der Deutschen Bahn auf der Main-Weser-Bahn erheblich. Dies betrifft besonders die Universitätsstadt Marburg mit den rund 21 Tausend Studierenden. Die kommenden Einschränkungen als Überblick zusammengefasst.

Nur noch Vierstunden-Takt: Halbierung der ICE-Halte in Marburg

Neuer Fahrplan kappt Verbindungen: Der ICE hält in Marburg nur noch alle vier Stunden statt wie bisher im Zwei-Stunden-Takt. Und eingeschränkte Verbindungen: Die ICEs fahren nun nur noch bis Bremen statt wie bisher bis Hamburg. Stadt- und Kreispolitiker kritisieren die Entwicklung scharf und sehen darin eine Schwächung des Wirtschaftsstandorts und der Tourismusregion.

Zu geringe Auslastung der Fernzüge?

Die Bahn begründet die Halbierung mit der zu geringen Auslastung der Fernzüge über Marburg und Gießen. 
Der Fahrgastverband Pro Bahn weist darauf hin, dass die ICEs auf der Main-Weser-Bahn in den letzten Jahren extrem unzuverlässig waren. Bei Baustellen oder Weichenstörungen wurden die Züge oft kurzfristig über Fulda umgeleitet, ohne ausreichende Vorankündigung.

Ein Mittelhessen-Express auf der Main-Weser-Bahn bei Marburg. Sternbald-Archiv-Foto

Hinzu kommen Korridorsanierungen: Andere Bahnstrecken werden saniert, was zu Umleitungen und Einschränkungen führt. Die Main-Weser-Bahn wird zur Ausweichstrecke für den Güterverkehr, was zu mehr Lärm für Anwohner und häufigeren Zugausfällen führt.

Sanierung der Main-Weser-Bahn auf 2034/35 verschoben

Die eigentlich für 2030 geplante Sanierung der Main-Weser-Bahn wurde auf 2034/35 verschoben. Dadurch werden auch Projekte wie etwa der barrierefreie Umbau des Marburger Südbahnhofs, die neue Bahnstation Marburg-Mitte und der Ausbau des Bahnhofs Bürgeln deutlich verzögert.

Nachteilige Auswirkungen auf den Nahverkehr

ICE-Zugausfälle erzeugen Überlastung: Die Regionalzüge werden voller, da zudem mehrere Zusatzfahrten des RE30 gestrichen wurden, um den Güterverkehr aufzufangen.

Längere Fahrzeiten: Die Fahrt von Marburg nach Kassel dauert nun eineinhalb Stunden statt einer Stunde, da der RE98 in Stadtallendorf länger hält.

Semesterticket nicht mehr für Fernverkehr im ICE

Ab dem Sommersemester 2026 ist der Fernverkehr nicht mehr im Semesterticket enthalten. Studierende können dann keine ICEs mehr nutzen. Bisher hat das Semesterticket für den Fernverkehr bis Göttingen und Heidelberg Gültigkeit. Die führt zu einer stärkeren Auslastung der Regionalzüge.

Ergebnislose Bemühungen um Zwei-Stunden-Takt

Pro Bahn und Kommunalpolitiker fordern die Beibehaltung des Zwei-Stunden-Takts und der Verbindungen bis Hamburg. Doch Gespräche mit der Bahn blieben ohne Ergebnis. Marburgs OB Thomas Spies sowie Vertreter der Landkreise Marburg-Biedenkopf und Schwalm-Eder konnten die DB jedoch nicht dazu bewegen die Pläne zurückzunehmen. Die Main-Weser-Bahn gerät zur Verliererstrecke.