
25.02.2026 (mm/red) Es ist ein bedeutsamer Tag in der Geschichte von Schwarzenborn, indem die kleine Kommune Stadt das sogenannte Haus Richberg kaufen wird. In den vergangenen 50 Jahren war es unter den Begriffen „Roeder-Haus“ und „Reichshof“ bundesweit bekannt worden als Örtlichkeit rechtsradikaler neonazistischer Umtriebe.
Seit einem halben Jahrhundert ist das Gebäude, das abseits der Kernstadt liegt, im Besitz von Rechtsradikalen und diente immer wieder als Treffpunkt für Gleichgesinnte und Neonazis. Ein Ruf, der längst auch der Stadt Schwarzenborn angeheftet wurde. Jetzt hat die Stadt Schwarzenborn die Möglichkeit, den Nazi-Hotspot zu erwerben und die Anhänger loszuwerden.
Wie gewichtig dieses Ereignis nicht nur für die kleinste Stadt Hessens, sondern auch für den ganzen Schwalm-Eder-Kreis ist, haben Bürgermeister Jürgen Liebermann und Landrat Winfried Becker bei einem Pressegespräch verlautbart.
„Da ziehen wir an einem Strang“, betont der Landrat. „Wir haben erstmals die Möglichkeit, das Objekt kaufen zu können“, berichtet der Bürgermeister. Der Ruf, der dem Anwesen anhängt, habe ganze Generationen belastet.
Das dunkle Bild des „Nazihauses“ werfe seit Jahrzehnten Schatten über die Stadt Schwarzenborn, die weitaus mehr zu bieten habe. „Es war wie ein schwarzer Fleck auf der Weste“, macht Liebermann deutlich.
„Es ist ein riesiger Erfolg, dass die Zeit da oben nach 50 Jahren ein Ende hat“, bestätigt der Landrat. Er sei dankbar, dass die Stadt diesen Kraftakt des Kaufes auf sich nehme. Wieviel die Immobilie Schwarzenborn kosten wird, wurde nicht mitgeteilt. Feststeht, dass der Landkreis 250.000 Euro zum Erwerb beisteuern wird, wurde mitgeteilt. „Allein könne die Stadt Schwarzenborn den Erwerb nicht stemmen“, bekundete Bürgermeister Jürgen Liebermann.
Hot-Spot rechtsradikaler Umtriebe
Der mittlerweile verstorbene Alt-Nazi und verurteilte Rechtsterrorist Manfred Roeder und seine Frau Gertrud hatten 1975 das Anwesen für 170.000 DM erworben. Mit Tagungsräumen und 15 Gästenzimmern eignete sich die abgelegene Immobilie als Veranstaltungsort. Dort fanden regelmäßig Heimatabende, Zeltlager und Sonnenwendfeiern statt, teils mit Szenegrößen aus dem In- und Ausland. In der Hochphase von Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre war es Roeder gelungen, den sogenannten Reichshof zu einem stark frequentierten Ort der lokalen und bundesweiten Naziszene zu machen
„Wir hätten uns zu jedem Zeitpunkt über die Möglichkeit des Kaufes gefreut und haben jetzt die Chance ergriffen“, betont der Bürgermeister Liebermann. Zu dem Gebäude gehört eine Freifläche von 3.263 Quadratmetern. Zum Verkäufer liegen keine Angaben vor.
