
01.10.2026 (pm/red) Mit dem Otto-Ubbelohde- Preis 2026 geehrt wurden die Kunstvermittlerin Ulrike Schönhagen, die blinden und sehgeschädigten Menschen einen Zugang zu Kunst ermöglicht, der Archäologe Dr. Andreas Thiedmann, der sich seit 27 Jahren für die Realisierung der „Zeiteninsel“ einsetzt, und die Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ aus Emsdorf, die die katholische Tracht des Ortes in einer ungewöhnlichen Fotoaktion festgehalten hat. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert.
Preisträger 2026
Ulrike Schönhagen ist es seit Beginn ihrer Arbeit als Kunstlehrerin an der Blindenstudienanstalt (blista) ein Anliegen, das Kunstmuseum Marburg für blinde und hochgradig sehgeschädigte Menschen erfahrbar zu machen. Sie ermöglicht ihnen den Zugang zur Kunst auf einzigartige Weise. „Im Rahmen des Projekts ,Kunst für alle‘ hat sie gemeinsam mit Samira Idrisu und Michael Weitzel Vermittlungsformate entwickelt, die beispielgebend sind“, erläuterte Landrat Jens Womelsdorf. Herausragend sei die Entwicklung von Tastmodellen, die Kunstwerke nicht nur nachbilden, sondern in eigenständige, taktile Erfahrungsräume übersetzen. Ergänzt wird ihre Arbeit durch inklusive Führungen und Formate wie „Spaziergänge zur Kunst“, bei denen sich Vermittlung mit Bewegung, Wahrnehmung und sozialer Begegnung verbindet.
Als zweiten Preisträger würdigte Womelsdorf den Archäologen Dr. Andreas Thiedmann als „Kopf und Herz“ des „Archäologischen Freilichtmuseums Marburger Land – Zeiteninsel“. Seit 27 Jahren habe er sich unermüdlich ehrenamtlich für die Realisierung des Museums, eingesetzt, das seit einigen Wochen für die Öffentlichkeit zugänglich ist. „Es ist seinem unermüdlichen Einsatz zu verdanken, dass die Zeiteninsel nun Wirklichkeit wurde, auch wenn sehr viele Akteure mitgeholfen haben, dieses Ziel zu erreichen“, betonte der Landrat. Zusammen mit den kommunalen Partnern für den Betrieb des Museums – der Gemeinde Weimar, der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf – sei es ihm gelungen, das Land Hessen davon zu überzeugen, den größten Teil der Kosten für den Aufbau der Zeiteninsel zu übernehmen. Thiedmann habe nicht nur schon früh das Potenzial der vielen archäologischen Funde bei Argenstein erkannt, er habe die Umsetzung des Museums trotz vieler Hürden und Widerstände vorangetrieben. „Als Ideengeber, Fördervereinsvorsitzender und Vorsitzender der Genossenschaft Zeiteninsel hat er sein Ziel verfolgt“, erläuterte Womelsdorf.
Verena Pfeiffer aus Emsdorf nahm als Initiatorin des Projekts „Heimat auf der Haut“ den Preis entgegen. Das Projekt entstand im Rahmen der 725-Jahrfeier des Kirchhainer Stadtteils Emsdorf und ist eine gelungene fotografische Dokumentation der katholischen Tracht aus Emsdorf. Sowohl die Models als auch die Fotografinnen und Fotografen kommen aus dem Ort. In liebevoller Arbeit haben sie gemeinsam über 500 Einzelbilder und Einzelszenen mit unterschiedlichen Trachten und Haarmoden in und um Emsdorf aufgenommen und in einem 52-seitigen immerwährenden Trachtenkalender herausgebracht. „So hat die Projektgruppe einen Beitrag zum Dorfjubiläum geleistet, das junge Leute für Tradition begeistert, Kreativität mit Brauchtum verbindet und Tradition und Moderne zusammenbringt. Die Gruppe hat mit dieser Fotokampagne aufgezeigt, wie schön die Marburger katholische Tracht wirken kann“ freute sich der Landrat.
