
17.02.2026 (red) Negativmeldungen in Marburg und über Marburg bestimmen seit Monaten die Schlagzeilen nicht alleine der örtlichen Presse. Die Stadt und ihre Bürger sind aufgeschreckt und sehen sich mit gänzlich neuen Problemen konfrontiert. Dass gerade von den großen Pharmaproduzenten in Marburg, vorneweg CSL Behring, schlechte Nachrichten eintreffen würden, war vor Jahrefrist nicht zu erwarten. Inzwischen summiert sich die Zahl der verkündeten Arbeitsplatzverluste, angeführt mit rund 1.000 alleine bei CSL Behring, auf annähernd 1.500. Damit werden in naher Zukunft beinahe 25 Prozent der gutbezahlten, hochqualifizierten Arbeitsplätze entfallen, und ungeschminkt formuliert vernichtet. Das ist mehr als ein Aderlaß für eine Stadt mit rund 77.000 Einwohnern.
Offenbar befinden sich Parteien und Bürgerschaft derzeit noch in Schockstarre ob dieser Nachrichten und der damit verbundenen Folgen. Im Kommunalwahlkampf, soweit die Artikulationen der einzlenen Parteien sich überhaupt als solchen beschreiben lassen, ist davon jedenfalls nicht offen die Rede. Die Linke thematisiert zutreffend die Wohnungsnot. Ansonsten waren der Nahverkehr und Indiviualverkehr mit PKW Thema, Tempo 30 wurde auf der Innenstadtachse eingeführt. Völlig offen bleibt die unterentwickelte Anbindung von Uniklinikum auf den Lahnbergen und des wachsenden Campus Lahnberge der Philipps-Universität. Ein Gutachten für Oberleitungsbusse ruht (zu Recht) in einer Schublade.

Es fehlt bei den Parteien offenbar an Verortung und perspektivischer Betrachtung zur Zukunft ihrer Stadt – als Pharmastandort, Universitätsstadt und besonders als zu entwickelnde Kommune. Stadtentwicklungsplanung ist seit langem ein Fremdwort in Marburg, wurde als sozialistisches Teufeslzeug verunglimpft. Von der unseligen den Stadtraum zerschneidenden Stadtautobahn B3a redet schon gar keiner mehr. Die Chancen und Diskussionen wurden gering geschätzt und die vielspurige Asphaltpiste mitten durch das beste Stadtgebiet bleibt eher noch Jahrzehnte als lediglich nur fünf Jahre ino der Wahlzeit der kommenden Stadtverordneten.
Dabei hat Marburg inzwischen vier Hauptamtliche im Magistrat. Zu Egon Vaupels Zeiten als OB waren es gerade mal zwei. Zu fragen ist ob diese zahlenmäßige Verdoppelung der Stadt etwas gebracht hat außer erheblichen Kosten in einem üppigen Personalhaushalt von über 100 Millionen Euro, der als solcher nicht mehr finanzierbar ist. Der neue Stadtbaurat Dr. Kropatz (Klimaliste) versteht es zwar mitunter Themen zu setzen und Vorschläge einzubringen, doch Kompetenz und Bodenständigkeit lässt sein bisheriges Handeln signifikant vermissen. Von ihm wären Gedanken zur Stadtplanung und Entwicklung ressortmäßig zuallererst zu erwarten. Fehlanzeige und offenbare Leerstelle. Stattdessen kommen Vorschläge ohne Biss und Aussagen zum bedrohlichen baulichen Zustand vieler Schulen.

Ob Bürgermeisterin Nadine Bernshausen (GRÜNE) stukturelle Ergebnisse vorweisen kann – oder über Strecken eher als Frühstücksdirektorin daherkommt– wird sich womöglich im Wahlergebnis abbilden. Ihre Hochzeit dürfte hinter ihr liegen, als sie als Kandidatin zur Oberbürgermeisterin beinahe an die Stimmenzal von Dr. Thomas Spies als OB heranreichte. Dieser hat ein länger vorliegendes Gutachten zur Machbarkeit ein Bahnhalt Mitte hervorgekramt um damit offensichtlich vor der Wahl ein Thema zu setzen.
Das funktioniert nicht, schon gar nicht ohne Rekurs auf durchdachte Vorschläge, auch wenn diese 10, 12 Jahre zurückliegen. Marburgs Mitte würde in der Tat zu einem Verkehrsknoten taugen, indem von dort eine Seilbahn auf die Lahnberge startet und mündet. In Verbindung damit auch einen Bahnhalt, ähnlich dem Oswaldsgarten in Gießen, zu schaffen, wäre mit erheblichen Perspektiven unterlegt. Nweben Klinikum, Uni-Mitarbeitern und Studierenden würde damit auch eine touristische Attraktion geschaffen und vielleicht sogar der Neue Botanische Garten auf den Lahnbergen wiederenteckt und revitalisiert.
Es lassen sich für Marburg mithin Probleme. Aufgaben und Entwicklungspotentiale benennen. Alleine die Stadtpolitik und ihr Personal scheint blockiert und im klein klein verhaftet. Damit aber kann man keine Stadtentwicklung lostreten, schon gar nicht wenn die oben benannten Probleme nicht grundständig analysiert und diskutiert werden. Es wird Zeit dafür in Marburg Blick und Denkweise zu verändern. Vor den am 15. März für fünf Jahre zu wählenden Stadtverordneten liegen viele Aufgaben und Chancen.
