
20.02.2026 (pm/red) Die Tarifvertragsparteien des öffentlichen Dienstes der Länder haben sich auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Für die ersten fünf Monate wurde eine „Nullrunde“ vereinbart. Die erste Tariflohnerhöhung von 2,8%, mindestens jedoch 100 Euro pro Monat, erfolgt ab April 2026. Elf Monate später folgt die nächste Anhebung um 2,0%. Zum Ende der vereinbarten Laufzeit im Januar 2028 werden die regulären Tabellenentgelte nochmals um 1,0% erhöht.
Tariflohnzuwächse leicht über Preissteigerungen
Die Tariflohnzuwächse dürften damit leicht über den erwarteten Preissteigerungen liegen. Die derzeit absehbaren zusätzlichen Belastungen durch weiter steigende Sozialabgaben und höhere Lohnsteuern können dadurch jedoch nicht vollständig ausgeglichen werden.
Die Tarifparteien des Öffentlichen Dienstes der Länder haben kürzlich einen neuen Tarifabschluss mit einer Laufzeit von 27 Monaten bis Januar 2028 erzielt. In den ersten fünf Monaten, beginnend im November 2025, wurde keine Anpassung vereinbart. Ab April 2026 erfolgt eine erste Steigerung von 2,8%, mindestens jedoch 100 Euro pro Monat.
Damit orientiert sich der Tarifabschluss der Länder in der ersten Stufe an dem von Bund und Kommunen, der im Mai 2026 eine Erhöhung von ebenfalls 2,8% der Löhne und Gehälter vorsieht. Im März 2027 folgt eine weitere Anpassung um 2,0%, und zu Beginn des Jahres 2028 wird das Tabellenentgelt nochmals um 1,0% erhöht.
Diese letzte Stufe kurz vor Auslaufen des Tarifvertrags hat jedoch in der aktuellen Tarifrunde nur eine marginale Wirkung auf die Gehälter. Zusätzlich wurden verschiedene Sonderregelungen getroffen, wie die Angleichung des Kündigungsschutzes in Ost- an Westdeutschland, die Reduzierung der Wochenarbeitszeit an einigen Universitätskliniken sowie eine Erhöhung der Vergütungen für Auszubildende, Studierende und Praktikanten. Insgesamt steigen die Löhne und Gehälter der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder im Jahr 2026 um 2,6% und im Jahr 2027 um 2,3%.
„Berücksichtigt man die bis zum Ende der Tarifvereinbarung erwartete Verbraucherpreisinflation, dürfte der Tariflohnanstieg die Kaufkraftverluste durch die Preissteigerungen durchaus ausgleichen“, so Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH.
Demnach steigt für die Landesbeschäftigten der reale Tariflohn im Jahr 2026 um etwa einen halben Prozentpunkt; im Jahr 2027 dürften sich Lohnanstieg und Inflation allerdings bestenfalls die Waage halten.
Steigende Sozialversicherungsbeiträge höher als realer Netto-Tariflohnzuwachs
Jedoch dürfte durch die deutlich gestiegenen Sozialversicherungsbeiträge sowie die progressive Wirkung der Lohnsteuer im Jahr 2026 der reale Netto-Tariflohn niedriger sein als im Jahr zuvor. Auch im Jahr 2027 dürften sowohl die Sozialversicherungsbeiträge als auch die Lohnsteuer nochmals überdurchschnittlich steigen und den realen Netto-Tariflohn weiter sinken lassen.
„Die vereinbarten Tarifsteigerungen erhöhen zwar die Tabellenentgelte, dennoch müssen die Beschäftigten real mit weniger verfügbarem Einkommen auskommen“, bewertet Holtemöller den Abschluss zurückhaltend.
Fazit
Die Beschäftigten erhalten zwar mehr Bruttolohn, haben aber real weniger vom Einkommen übrig, weil Abgaben und Steuern stärker steigen als die Kaufkraft.
Gesamteinschätzung
Der Abschluss gilt als maßvoll, aber in der Gesamtwirtschaftslage kaum kompensierend für reale Belastungen.
Er bringt strukturelle Verbesserungen (Arbeitszeit, Azubi-Vergütung), sichert aber keine deutliche Realeinkommenssteigerung.
Ein Beispiel: Eine Beschäftigte mit 3.000 € Monatsgehalt erhält ab April 2026 entweder +2,8 % (≈84 €) oder den Mindestbetrag von +100 €. Nach Abzug von gestiegenen Sozialbeiträgen und Steuern bleibt netto vermutlich nur ein Zuwachs von rund 40–60 €.
