Imposante Ausstellung im Regionalmuseum Wolfhagen: Schüler bringen außerordentliche Landschaftsbilder großformatig auf Leinwand

Konzentriete Betrachtung einer farbstarken Waldlandschaft. Alle Fotografien von Bernhard Balkenhol

16.02.2026 (pm/red) Eine proppenvolle Ausstellungseröffnung im Wolfhager Regionalmuseum setzte Maßstäbe und brachte das Publikum zum Staunen. Viele waren erneut gekommen,  die bei vorangegangenen Ausstellungen schon ausstellend beteiligt waren. Sie waren wieder gekommen, darüber hinaus viele Wolfhager Bürger, die inzwischen wissen, welch spannende und ungewöhnliche Eröffnungs-Events diese Ausstellungen mit der Walter Lübcke Schule darstellen. Sie wurden mit einer hoch spannenden, vielseitigen und professionell kuratierten Präsentation belohnt.

Rapper „Der beste Beckar“ wusste das Publikum zu begeistern. Foto Bernhard Balkenhol

Die Veranstaltung begann musikalisch mit dem Rapper „Der beste Beckar“, den die Schülerinnen eingeladen hatten. Nach einem ersten eigenen Rapp ließ er sich vom Publikum Stichworte zur Ausstellung auf große Papiere schreiben. Es hielt dann die Worte und Sätze über ihre Köpfe, was wie eine große Demonstration aussah. „Der beste Beckar“ verwandelte sie dann spontan in einen spannenden und amüsanten Rapp. Was für eine „Einführung“!

Begeistertes Publikum beim musikalisdhen Einstieg in die Malereiaustellung

Als Vorsitzender des Museumsvereins begrüßte Lippold von Steimker die Gäste, die gar nicht alle in den Raum passten, und verwies auf die inzwischen gute Tradition von Zusammenarbeit zwischen dem Museum und der Walter Lübcke Schule, explizit initiiert von der Kunstpädagogin Karin Balkenhol. Das sind bereits zahlreiche Ausstellungen von Schülerarbeiten, oft auch mit direktem Bezug auf die besonderen Exponate des Museums.

Begrüßung durch die neue Leiterin des Museums Dr. Julia Bock, die sich beeindruckt zeigte von der hohen künstlerischen Qualität der Malereien aber auch von dem Engagement der Schülerinnen, die die Ausstellung selbst zusammengestellt und auch gehängt hatten.
Arno Scheinost, neuer Direktors der Walter Lübcke Schule, äußerte in seinem Grußwort den großen Respekt vor den Schülerinnen, die sich nicht scheuten, mit ihren Arbeiten in die Öffentlichkeit zu gehen und sich damit zur Diskussion zu stellen.

Die inhaltliche Einführung gab Karin Balkenhol, die Leiterin des Leistungskurs Kunst, Kl. 12 der Walter Lübcke Schule Wolfhagen. Sie betonte, dass es für die SchülerInnen und die Schule als Lernort eine besondere Chance ist, die Ergebnisse ihrer künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Dadurch werde deutlich, dass Lernen keine Privatsache sei, sondern in gesellschaftlicher Verantwortung geschieht.

So hatte die hier ausstellende Schülergruppe mit großer Resonanz bereits im vergangenen Jahr im Rahmen von „Schule trifft Galerie trifft Schule“ des BDK (Bund Deutscher Kunsterzieher) eine große multimediale Ausstellung in der „Neuen Nachrichtenmeisterei“, Kassel realisiert.

Farbenfroh und expressive Gestaltung von Lilian Euler

Thema des 1. Halbjahres in der Kl.12/Leistungskurs Kunst – laut Curriculum des Kultusministeriums – ist das Medium Malerei und diese in der Kunst des 20./21.Jahrhunderts“, Karin Balkenhol entschied, speziell die „Landschaftsmalerei“ in den Focus zu stellen.

Skizzen in Zeichenbüchern als (Vor-)Ergebnisse in Vitrinen-Präsentation

Die Arbeit begann mit einer zeichnerischen Auseinandersetzung vor Ort. In den in Vitrinen ausgestellten Zeichenbüchern kann man beobachten, wie die Schülerinnen sich in der Darstellung von Körperlichkeit, Räumlichkeit und Proportion versuchen. Wie sie eine künstlerische Form für die vielen einzelnen Formen landschaftlicher Erscheinungen finden und zu einem Bildganzen zusammenfassen. Schon hier begreifen sie, das die Zeichnung kein Abbild sondern eine Erfindung, Setzung und Ausgestaltung durch den Beobachter ist.

Es folgte der Auftrag, mit dem Handy nicht ins Internet oder die Dateiordner der jüngsten eigenen Urlaubsfotos zu durchforsten, sondern einfach vor die eigene Tür zu gehen und – ohne Kopfhörer oder Hund an der Leine – sich ganz der Wahrnehmung der „Natur“, wie sie als Bild dann im Display erscheint, hinzugeben. Das war bereits eine intensive, auch für manche irritierende Erfahrung. Zumal die spezifischen fotografischen Möglichkeiten der Bildgestaltung wie Ausschnitthaftigkeit, Verkippung des Horizonts oder ungewöhnliche Perspektive ebenfalls zur Disposition standen. Eine Auswahl dieser Fotos waren in der Ausstellung in Vitrinen zu sehen.

Übersetzung in Malerei – kein Abmalen von Fotos

Janna Lotz nah dran mit Baumpilzen

Die dann folgende Übersetzung in eine Malerei sollte allerdings kein Abmalen einer der Fotos sein, sondern bestand darin, spezifische motivische und gestalterische Details aus den Fotos zu einer Komposition als einer konstruierten Landschaft zusammenzustellen. Dieser Transfer diskutierte nicht nur, was das Bild einer Landschaft schlüssig macht, sondern führte auch zu mutigen Erfindungen des gefundenen Begriffs auf der Leinwand.

70 x 100 cm als eine neue und besondere Herausforderung

Hanifa Hanan Impression

Das Malen selbst, das zunächst mit einer flächigen Untermalung von möglichen Gegenstände wie Baum, Strauch, Pilz, Steine auf der Leinwand begann, war in diesem Format: 70 x 100cm wiederum eine neue und besondere Herausforderung. Es begann eine zunehmend komplexe dialogische Auseinandersetzung mit dem was auf der Leinwand mit Farbe und Pinsel entsteht/entstanden war und der gegenstandsorientierten Vorstellung. Hier war immer wieder neu der Mut gefragt, zu ungewohnten Lösungen zu stehen, künstlerischen Entscheidungen gegenüber klischeehaften Vorstellungen den Vorrang zu geben.

Jasmin Gies mit surrealer Anmutung

Gleichzeitig wurde deutlich, dass jede/r ganz individuelle „Erfindungen“ machte, und so ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher und außerordentlicher Landschaftsbilder entstehen konnten.

Marieke Luise Fabian überzeugt mit Perspektive
Emilie Dibrani und Jasmin berichten

Parallel zum Malen recherchierten die Schülerinnen Malerinnen – explizit nur Frauen – des 20. und 21. Jhdts. Auch dieses Material ist in der Ausstellung zu sehen. Sie entdeckten, wie unterschiedlich und zeitgeschichtlich verwoben sich jeweils ein „Stil“ entwickelte – und dass man den nicht einfach übernehmen kann, weil man selbst anders sieht und denkt. Darüber hinaus waren sie erstaunt, dass die Malerei – trotz der Omnipräsenz neuer Medien – weiter hoch aktuell ist.

Karin Balkenhol bedankte sich bei allen „Künstlerinnen“ für ihr Engagement, für das Durchhaltevermögen und die wachsende Lust, ein gutes Bild zu malen. Spontan reagierten Emilie Dibrani und Jasmin Gies mit einem fröhlichen Dankeschön im Namen alle Beteiligten.

Der Galerieraum des Museums füllte sich dann schnell, Raum für lebhafte Gespräche. Besucher hatten die unmittelbar Gelegenheit, mit den jeweiligen AutorInnen über ihr Bild zu reden. Das wurde rege genutzt. Das hohe Reflexionsniveau und Selbstbewusstsein überzeugte und führte sogar zu einer ersten konkreten Kaufanfrage.

Das Regionalmuseum Wolfhager Land mit der Leiterin Julia Bock, hat die Tore für den Leistungskurs Kunst Klasse 12 der Walter-Lübcke-Schule weit geöffnet und sogar den Galerieraum zur Präsentation der Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt. Ein lohnendes Raumangebot für die beeindruckenden Werke und das zahlreiche Publikum.

Vernissage Do.12.Februar – 18:30 Uhr  Ausstellung 13. Februar bis 26. Februar 
Öffnungszeiten
Dienstag bis Donnerstag 10-13 und 14 – 17 Uhr
Freitag 10 – 13 Uhr
Samstag und Sonntag 14 – 17 Uhr