
02.10.2026 (pm/red) Im Jahr 2026 soll die Biographie des vielseitig gebildeten Geographen, Physikers, Mathematikers, Historikers, Schriftstellers und kommunistischen Anarchisten Pjotr Kropotkin vorgestellt werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie ein Angehöriger des Hochadels sich zu einem Anarchisten entwickeln konnte und welche Relevanz seine wissenschaftlichen Werke heute haben. Geboren als Angehörige des Hochadels, wenden sich die Brüder Pjotr und Alexander Kropotkin entschieden von der Ausbeutung der 1200 leibeigenen Bauern auf den väterlichen Gütern ab und durch ihre evolutionären, aufgeklärten Ideen einer gewalt- und herrschaftsfreien Gesellschaft als Anarchisten zu.
Es lässt sich zeigen, dass Pjotr die Verschlechterung der Lage der Bauern nach Aufhebung der Leibeigenschaft unter Zar Alexander II. und die wirtschaftliche Abhängigkeit der geographischen und geologischen Entdeckungen und Forschungen von staatlichen Geldern den Entschluss Pjotrs festigt, der gesicherten Existenz eines Sekretärs der Russischen Geographischen Gesellschaft das unsichere Leben als revolutionärer Aktivist des Anarchismus vorzieht.
Diese Entscheidung führt dazu, dass er aufgrund seiner Mitgliedschaft in anarchistischen Gruppen und wegen zahlreicher Publikationen zum Anarchismus in russische und französische Haft gerät und daraus nur durch 20 Helfer aus Russland und durch öffentliche Unterstützung, u.a. von Edgar Wallace und Victor Hugo, aus französischen Gefängnissen entkommt.
Pjotr Kropotkins anarchistischer Aktivismus (1872-1886) endet, als sein Bruder 1886 in Sibirien infolge seiner Verbannung Selbstmord begeht. Dessen Frau und Kinder fliehen zu ihm, seiner Frau und seiner gerade geborenen Tochter nach London. Infolgedessen muss Pjotr durch Publikationen in sozial-, natur-, geisteswissenschaftlichen und anarchistischen Zeitschriften und Zeitungen und durch Vorträge im In- und Ausland für den Lebensunterhalt seiner vergrößerten Familie sorgen. Mit Oskar Wilde und George Bernard Shaw bemüht er sich um die Freilassung der Chicagoer
Anarchisten Sacco und Vanzetti.
1888 schreibt Kropotkin Artikel über Landwirtschaft, Industrie und Handwerk und Lohnsystem. 1890-1996 verfasst er sein von Gustav Landauer in London übersetztes, 1902 auf Deutsch publiziertes Werk „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“. Aufgrund seiner auf Expeditionen ins östliche Sibirien bis nach China gewonnenen Erfahrungen gelangt er über Charles Darwins Vorstellung vom Konkurrenzkampf als dem das Überleben der Gattungen bestimmenden Prinzip hinaus.
Kropotkins Werk offenbart, dass eine gattungsübergreifende Solidarität das wirkliche Überlebensprinzip ist, das angesichts von kapitalistischer Konkurrenz, Hochrüstung und Klimawandel bis
heute weltweite Bedeutung hat.
Dazu wird ein Film zur Kooperation zwischen Adler und Bär gezeigt.
1892 erscheint sein bekanntestes Buch über den Anarchismus mit dem Titel „La conquête du Pain“ in der Zeitschrift „La Révolte“.
Kropotkin macht 1897 Vortragsreisen nach Kanada. Während viele Anarchisten im Krieg zwischen Deutschland und Frankreich antimilitaristische Standpunkte vertraten, ist Kropotkin überzeugt, dass sich Anarchisten auf Seiten der Franzosen und nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf Seiten der Entente-Mächte gegen Deutschland beteiligen sollten, da sich durch einen Sieg Deutschlands die autoritären Tendenzen in der Gesellschaft durchsetzen würden.
