Reifenabrieb ergibt zwei Drittel der Feinstaubmasse in der Stadtluft

Rund zwei Drittel an Mikroplastik in der Luft gehen auf Reifenabrieb zurück, Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus Leipzig, die im Fachjournal communications earth & environment veröffentlicht wurde. Foto nn

06.04.2026 (pm/red) Eine jetzt veröffentlichte Studie vermittelt ersten Einblick in die Belastung der Atemluft mit Mikroplastik in einer Stadt, in diesem Fall Leipzig. Wie stark die Konzentrationen zeitlich und räumlich variieren, ist aber bisher noch völlig offen. Aus Sicht der Forscher sollten daher verschiedene Standorte (städtischer und ländlicher Hintergrund) einbezogen und längerfristige Probenahmen durchgeführt werden, um weiteergehende Aussagen treffen zu können.

Obwohl Plastikpartikel in der Luft zunehmend in die Wahrnehmung geraten, ist das Wissen über deren Verbreitung und Wirkung immer noch begrenzt. Die chemischen Analysen aus Leipzig liefern jetzt erstmals Details aus Deutschland dazu. Rund 4 Prozent der Feinstaub-Masse bestehen aus Plastik. Rund zwei Drittel davon gehen auf Reifenabrieb zurück, wird mitgeteilt.

Wichtige Aussagen der Studie 

  • Etwa 4% der Feinstaubmasse in der Leipziger Stadtluft bestehen aus Plastik, gemessen in PM10 und PM2,5.

  • Rund zwei Drittel (ca. 65%) dieses Plastikanteils stammen aus Reifenabrieb, der Rest u. a. aus PVC, PE und PET.

  • Hochgerechnet atmet eine Person an der stark befahrenen Torgauer Straße etwa 2,1 Mikrogramm Plastik pro Tag ein (≈ 0,7 mg/Jahr).

  • Auf Basis epidemiologischer Modelle schätzen die Autoren ein relatives Sterberisikoanstieg von etwa 5–9% für Herz‑Lungen‑Erkrankungen und 8–13% für Lungenkrebs (RR ≈ 1,08 bzw. 1,12) bei dieser Exposition.

  • Die Studie nutzt Pyrolyse‑Gaschromatographie‑Massenspektrometrie (Py‑GC‑MS), um den polymer‑spezifischen „Fingerabdruck“ von 11 Kunststoffarten einschließlich Reifenpartikeln zu bestimmen.

Was das für Bewohner bedeutet

  • Die Studie ist die erste polymer‑aufgelöste, größenfraktionierte Quantifizierung von Mikro‑ und Nanoplastik in der Außenluft in Deutschland, verbunden mit einer Expositions‑ und Risikoabschätzung.

  • Die genannten Risiko‑Zahlen sind Modellschätzungen, keine individuellen Diagnosen; sie zeigen aber, dass selbst eine relativ kleine Plastikmasse im Feinstaub gesundheitlich relevant sein kann, insbesondere wegen möglicher polymerspezifischer Toxizität und mittransportierter Schadstoffe.

  • Es gibt bislang keine WHO‑ oder EU‑Grenzwerte speziell für Mikro‑ und Nanoplastik in der Luft; die Autoren plädieren ausdrücklich dafür, Reifenabrieb in Regulierung und Stadtplanung mitzudenken.

Was man praktisch tun kann

Kurz gefasst leitet sich aus der Studie ab:

  • Verkehr und Reifenabrieb im Alltag möglichst reduzieren (weniger Auto, mehr ÖPNV/Fahrrad/Fußwege, Fahrstil mit weniger starkem Beschleunigen/Bremsen).

  • Stadtpolitisch sind wichtig: Verkehrsberuhigung, langlebige bzw. abriebärmere Reifen, bessere Straßenreinigung und Integration von Mikroplastik in Luftqualitäts‑Grenzwerte – genau das fordern die Forschenden.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, global Maßnahmen gegen die Plastikverschmutzung zu ergreifen sowie Luftqualität und Gesundheit regional unter die Lupe zu nehmen, schreiben Forscher des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg im Fachjournal communications earth & environment.

Originalveröffentlichung
Ankush Kaushik, Anju Elizbath Peter, Manuela van Pinxteren, Barbara M. Scholz-Böttcher & Hartmut Herrmann: Composition, interactions and resulting inhalation risk of micro- and nano-plastics in urban air. Commun Earth Environ 6, 985 (2025). DOI: 10.1038/s43247-025-02980-0