Warum eine Seilbahn auf die Lahnberge viele Marburger Probleme lösen kann

01.03.2026 (yb) Wer die Diskussionen zur Stadtentwcklung in Marburg der letzten 15 Jahre vergegenwärtigt, kommt am Thema Seilbahn auf die Lahnberge nicht vorbei. Dem liegt zu Grunde, dass auf den Lahnbergen erhebliche Teile der Universität mit den Naturwissenschaften, dem riesigen Uniklinikum und andere Stadt-Teile wie der Richtsberg geschaffen wurden. Dazu braucht es endlich eine leistungsfähige Verkehrsanbindung, die mit der bisherigen Erschließung alleine durch Straßenverbindungen nicht gegeben ist. Hinzu kommt die Höhendifferenz zwischen Lahntal und Lahnbergen, womit etwa dem Fahrrad als Verkehrsmittel nicht nur im Winter Grenzen gesetzt sind,

So kann es nicht überraschen, dass die ungelösten Probleme zur verkehrlichen Anbindung der Lahnberge immer wieder erörtert werden. Straßenbahnanbindung oder Oberleitungsbusse wurden untersucht, zu einem Ergebnis ist man freilich nicht gekommen. Zugleich hat man jedoch das Thema Seilbahn leichtfertig zu Seite geschoben, es gar als verstiegene Idee des damaligen Bürgermeisters Kahle von den Grünen abgetan. Mit einer Seilbahn würde Personentransport in neuer Größenordnung geleistet und auf den Lahnbergen müssen nicht immer weitere Parkplätze für PKW entstehen.

Zerschneidung und Zweiteilung von Marburg im Lahntal durch die Stadtautobahn. Sternbald Archiv-Foto Hartwig Bambey

Dabei fällt auf, dass das Thema Verkehr, ÖPNV und individueller Personenverkehr ständigen Raum in der Stadtpolitk einnehmen. Inzwischen tritt längst eine Wählerinitiative damit an. Eine diesbezügliche Bürgerbefragung hat ein ablehnendes Votum hervorgebracht.

Dass eine Veringerung des individuellen KFZ-Verkehrs in der Innenstadt wünschenswert ist, kann man kaum bestreiten. Dass dafür ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs notwendig  ist, liegt auf der Hand. Eine Seilbahn könnte viele Problem lösen und neue Perspektiven eröffnen

Zuletzt ist eine Tempo-30-Zone auf der Innenstadtachse eingerichtet worden. Die Idee eines dritten Bahnhaltpunkts wurde hervorgekramt. Doch für eine perspektivische Debatte reicht es einmal mehr nicht in Marburg.

Dass dabei die Kernfrage der Zerteilung und Zerschneidung der Innenstadtbereiche von Marburg im engen Lahntal durch die Stadtautobahn B3a nicht außer acht gelassen kann, sollte sich inzwischen rumgesprochen haben. Mehr Entlastung und Raumgewinn als durch eine Tunnelführung der Stadtautobahn lässt sich in Marburg nun einmal nicht darstellen.

Die vierspurig aufgeständerte Stadtautobahn B3a am Marburger Hauptbahnhof.Sternbald-Archivfoto Hartwig Bambey

Dabei mag es auf dem Weg dorthin, der womöglich durch eine kommende Baufälligkeit des riesigen Baukörpers der Stadtautobahn im Bahnhofsbereich an Fahrt gewinnen kann, eine Zwischenstation geben.

Im Bereich der PHIL-Fak ist einiger Raum gegeben, der es zulässt sowohl einen Bahnhaltepunkt mit Innenstadtnähe zu denken, wie auch eine Talstation für eine Seilbahn dort zu projektieren. Der heutige Parkplatz der alten Unibibliothek könnte für ein größeres mehrgeschossiges Parkhaus und als Talstation einer Seilbahn genutzt werden.

Bäume, Gras und Gewächshäuser
Botanischer Garten Marburg auf den Lahnbergen mit Gewächshäusern am 12. August 2010. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Eine Machbarkeitsstudie könnte dies genauer betrachen und neben technischen auch funktionale Fragen erschließen. Auf den Lahnbergen arbeiten und studieren und kurieren nicht alleine viele Tausend Menschen Tag für Tag.

 Zugleich sind die Lahnberge Naherholungsgebiet. Der Kaiser-Wilhelm-Turm samt Freigelände ist längst zum Veranstaltungsort geworden und der Botanische Garten auf den Lahnbergen ist viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt worden. Was mit großem Aufwand zu recht mit der Zeiteninsel im Lahntal geschaffen werden soll, ist seit Jahrzehnten als lebendiges Botanikum auf den Lahnbergen Erlebniszone.

In Verbindung mit einer überfälligen Erschließung des ausgedehnten Science-Parks Uni-Lahnberge, wozu eine Mensa und weitere gastronomische Angebote gehören sollten, bieten sich auf den Lahnbergen viele Möglichkeiten und Potentiale. Hinzu kommen Liegenschaften wie die Gebäude der vormaligen Chemie im Marburger Bausystem errichtet, deren Abbruch der Denkmalschutz verhindert.

Skizze einer Seilbahnverbindung auf die Lahnberge
Übersichtsdarstellung aus dem „Masterplan Lahnberge“, unten der Botanische Garten. 

So könnte sich nach der Kommnalwahl die spannende Frage aufwerfen lassen welche Partei oder Wählergruppe sich des Potentials der Lahnberge annimmt und dies in eine perspektivische Betrachtung zur Stadtentwicklung weitet. Einige Äußerungen von Kommunalpolitikern zur Beschäftigungskrise von Marburg als Pharmastandort deuten in diese Richtung. Wer allerdings, wie aus der CDU zu vernehmen, die Lahnberge als Option für ein weiteres Industriegebiet in Betrachtung zieht, denkt recht kurzatmig.

Der Vorstellung, dass Besucher und Bewohner in Marburg bequem und mit einigem Erlebnisgewinn auf die Lahnberge per Seibahnfahrt kommen können, hat bisher noch niemand durchgespielt.

Vielleicht braucht es diesezüglich noch einiger Phantasie und gescheiten KI-Einsatz. Einige Drohnenbilder, SKY-Pics und attraktive Perspektiven würden so manchem die Augen öffnen. Dass dabei sehr reizvolle Blickbeziehungen auf die Altstadt und zum Schloss entstehen würden liegt auf der Hand. Für Touristiker wäre ein weites Feld zu bearbeiten.