04.03.2026 (pm/red) Eine aktuelle Studie der Universität München liefert einen spannenden neuen Blick auf die Rolle städtischer Vegetation im Klimaschutz. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus einer aktuellen Studie zusammengefasst:
Zentrale Ergebnisse
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Städtische Vegetation kompensiert etwa 2 % der jährlichen CO₂-Emissionen Münchens.
Diese Menge erscheint auf den ersten Blick gering, doch sie zeigt, dass Stadtgrün messbar zur Emissionsminderung beiträgt. -
Stadtbäume sind die effektivsten CO₂-Senken.
An heißen Sommertagen können sie so viel oder sogar mehr CO₂ aufnehmen, wie der gesamte städtische Verkehr Münchens gleichzeitig ausstößt. Das liegt an der starken Photosyntheseleistung bei hoher Sonneneinstrahlung. -
Grasflächen wirken oft als CO₂-Quelle.
Weil die Bodenatmung (mikrobielle Zersetzung organischer Stoffe im Boden) stärker ist als die Photosyntheseleistung des Grases, geben sie im Jahresmittel mehr CO₂ ab, als sie binden.
Methodik und technische Innovation
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Das neue CO₂-Flussmodell bildet die Stadt mit einer räumlichen Auflösung von 10 Metern ab – viel genauer als bisherige Modelle, die etwa 500 Meter nutzten.
Damit lassen sich erstmals auch kleine Parks, Straßenbäume oder begrünte Innenhöfe realistisch berücksichtigen.
Die Messergebnisse stammen aus biosphärischen Feldmessungen im Zeitraum April 2024 – Februar 2025, durchgeführt in Münchner Parks durch das Team von Prof. Jia Chen und Doktorand Junwei Li.
Bedeutung und Ausblick
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Die Erkenntnisse betonen, dass urbane Vegetation nicht homogen ist: Während manche Flächen CO₂ binden, geben andere es frei.
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Neben der CO₂-Bilanz bieten Grünflächen weitere Vorteile, etwa Kühlung durch Verdunstung, bessere Regenwasserversickerung und eine höhere Lebensqualität.
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Das Modell soll künftig auf andere Städte wie Zürich und darüber hinaus angewendet werden, um stadtübergreifend Strategien zur Klimaanpassung zu entwickeln.
Ein anschauliches Beispiel:
Ein alter Stadtbaum kann im Sommer pro Tag mehrere Kilogramm CO₂ aufnehmen, während ein Auto auf derselben Strecke ein ähnliches oder geringeres Volumen ausstößt – allerdings nur an Spitzentagen. Über das Jahr gleicht sich die Bilanz wieder aus, weshalb Bäume trotz ihrer Wirksamkeit nur einen begrenzten, aber wichtigen Beitrag leisten.
Originalpublikation
Li, J., Chen, J., Glauch, T., Brunner, D., Marshall, J., Ponomarev, N., Tang, H., Stagakis, S. (2026). Fine-scale estimation of urban biogenic CO2 fluxes: A novel framework integrating multiple versions of vegetation photosynthesis and respiration models and in situ measurements. Earth’s Future, 14, e2025EF007458. https://doi.org/10.1029/2025EF007458
