Die beeindruckend gestaltete Gedenkstätte Salaspils südlich von Riga in Lettland. Foto Katja Makhotina

02.10.2026 (m/red) In Kooperation des Herder-Instituts mit Marburger Literaturforum e.V. und Kulturelle Aktion Marburg – Strömungen e.V.  findet am 15. Oktober die Lesung „Offene Wunden Osteuropas“ statt. Die Lesung mit Katja Makhotina beginnt um  19Uhr im Technologie- und Tagungszentrum.

Deutschland gilt zwar als „Weltmeister der Aufarbeitung“, doch was wissen wir wirklich über den Krieg und deutsche Besatzung in Osteuropa? Immer wieder stellt man fest, wie breit die Kluft zwischen der wissenschaftlichen Forschung und dem öffentlichen Wissen um die Verbrechen der Wehrmacht „im Osten“ ist. So sind Massenerschießungen der sowjetischen und polnischen Juden, das Aushungern der Zivilbevölkerung durch die Leningrader Blockade, die Auslöschung ganzer Dörfer in Belarus, Ukraine oder in Litauen kaum präsent.

Im gemeinsam mit ihrer Historikerkollegin Franziska Davies erarbeiteten Band versammelt Katja Makhotina in zehn Essays Berichte osteuropäischer Zeitzeugen vor dem Hintergrund der deutschen Erinnerungslücken. Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg ist das Fundament unseres freien, geeinten Europas. Die Autorinnen bereisten zahlreiche Stätten Osteuropas, wie etwa Warschau, Lwiw, Majdanek, Stalingrad und Babyn Jar, an denen deutsche Soldaten Kriegsverbrechen begingen.

Mit Fakten, Rückgriff en auf ihre Familiengeschichten und in Gesprächen mit Überlebenden, Studierenden und Historikern veranschaulichen sie die Dimensionen des Vernichtungskriegs. Ihr Buch zeigt nachdrücklich, warum wir die Verbrechen der Wehrmacht und die Opfer des Krieges im Gedächtnis behalten
müssen.

Prof. Dr. Katja Makhotina ist Historikerin. Sie promovierte an der LMU München und habilitierte im Fach Osteuropäische Geschichte an der Universität Bonn. Mit ihren Studierenden erforscht sie seit Jahren lokale Erinnerung an die osteuropäischen Opfer in Deutschland und engagiert sich in der Gedenkstättenarbeit. Sie vertritt den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem
Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen.

Info online