Marburg 12.11.2012 (pm/red) Im Rahmen der Ringvorlesung des Marburger Zentrums für Konfliktforschung wird am Montag, 19. November – 18.30 Uhr, Prof. Franz Segbers (Marburg) im Raum +1/0010 des Hörsaalgebäude in der Biegenstraße zum Thema ‚Ungleichheit als gesellschaftliches Projekt. Armut in einem reichen Land‘ referieren. Die Occupy-Bewegung hat mit ihrem Slogan ‚Wir sind die 99 Prozent‘ auf die weltweit extreme Ungleichheit der Vermögen und den Machteinfluss der Geldelite auf die Politik aufmerksam gemacht. Der kürzlich erschienene ‚Hessische Sozialbericht‘ spricht auf über vierhundert Seiten über die sozialen Verhältnisse im Land Hessen, doch gerade einmal auf anderthalb Seiten über Reichtum und Vermögen.
Offensichtlich will die Landesregierung nicht den Schleier lüften, der über den Geldmachtstrukturen liegt. Wer aber über Reichtum schweigt, der sollte auch über Armut nicht reden. Denn Armut und Reichtum sind nicht nur die beiden Enden einer Einkommensverteilung, sondern Armut und Reichtum bedingen einander. Dass es Armut in einem reichen Land wie Hessen gibt, ist kein Naturereignis sondern Folge politischer Entscheidungen. Ungleichheit wurde lange als ökonomisch durchaus wünschenswert angesehen. Der Ausbau des Sozialstaates ist der Schlüssel zur Regulierung des Finanzkapitalismus.
Ein solcher Sozialstaat muss immer auch gegen die Interessen des Finanzkapitals durchgesetzt werden. Deshalb ist die Krise nicht dann vorüber, wenn das Wirtschaftswachstum wieder anspringt und prekäre Beschäftigung wieder zunimmt, sondern Maßstab für die Überwindung der Krise ist die Überwindung von Ungleichheit, prekärer Beschäftigung und Armut in unserem reichen Land.
