
10.10.2025 (pm/red) Das Gesamtvermögen von Milliardären in der EU ist in den ersten sechs Monaten des Jahres um mehr als 400 Milliarden Euro gestiegen – über zwei Milliarden Euro pro Tag. Das zeigt der neue Oxfam-Bericht „A European Agenda to Tax the Super-Rich”. Oxfam kritisiert eine Steuerpolitik, die seit Jahrzehnten Superreiche begünstigt und fordert eine europäische Vermögenssteuer sowie ein europäisches Vermögensregister.
„Europa bringt Milliardäre in Rekordzahl hervor, während Millionen Europäer Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen. Diese Ungleichheit ist kein Zufall“, so Chiara Putaturo, EU-Steuerexpertin bei Oxfam.
Der neue Oxfam-Bericht zeige, wie die Steuerpolitik seit Jahrzehnten zugunsten der Superreichen gestaltet wird, während sie gleichzeitig den Großteil der Bevölkerung belastet, wird mitgeteilt. Seit den 1980er-Jahren haben EU-Regierungen die Steuern für Milliardäre und Unternehmen gesenkt und sich gleichzeitig stärker auf Steuern konzentriert, die hauptsächlich von der breiten Bevölkerung gezahlt werden, wie beispielsweise Verbrauchs- und Lohnsteuern.
Der Bericht zeigt:
- Das Gesamtvermögen der Milliardären in der EU stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 um 405 Milliarden Euro und erreichte Ende Juni 2,3 Billionen Euro.
- Im März 2025 gab es in der EU 487 Milliardäre, 39 mehr als 2024. Allein im vergangenen Jahr kam in der EU durchschnittlich alle neun Tage ein neuer Milliardär hinzu.
- Die reichsten 3.600 Menschen in der EU besitzen so viel Vermögen wie die ärmsten 181 Millionen Menschen in der EU, was in etwa der Gesamtbevölkerung Deutschlands, Italiens und Spaniens entspricht.
- Über 80 Prozent der gesamten Steuereinnahmen in den EU-Ländern werden in erster Linie von normalen Bürgern gezahlt, während nur neun Prozent von Unternehmen gezahlt werden und gerade einmal 0,4 Prozent aus Vermögenssteuern stammen.
- Eine EU-Vermögenssteuer von bis zu fünf Prozent für Millionären und Milliardären würde jährlich 286,5 Milliarden Euro einbringen. Das würde ausreichen, um den jährlichen Finanzbedarf des neuen Vorschlags der EU-Kommission für den EU-Haushalt zu decken.
Nur ein Land in der EU hat eine Vermögenssteuer
Die meisten Europäer verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Löhnen, die mit höheren Steuersätzen besteuert werden. Gleichzeitig wird das Vermögen von Superreichen kaum besteuert. Zehn EU-Länder haben keine Erbschaftssteuer. Spanien hat als einziges EU-Land eine Vermögenssteuer. 1990 waren es noch neun Länder, darunter auch Deutschland, wird informiert.
„Wir müssen die europäischen Steuervorschriften dringend überarbeiten, um sicherzustellen, dass sich alle daran halten und ihren gerechten Anteil an Steuern zahlen. Die EU sollte einen Plan zur Besteuerung der Superreichen verabschieden, und die EU-Länder sollten nicht warten – sie können jetzt handeln, indem sie die Steuern auf das Einkommen und Vermögen der Superreichen im eigenen Land erhöhen“, sagt Chiara Putaturo.
Zahlreiche Steuerprivilegien auch in Deutschland
„Auch in Deutschland zahlen Superreiche aufgrund der ausgesetzten Vermögensteuer und zahlreicher Steuerprivilegien oft weniger Steuern und Abgaben als der Großteil der Bevölkerung, der hauptsächlich von Arbeitseinkommen lebt. Statt etwa im sozialen Bereich oder bei der Entwicklungszusammenarbeit zu kürzen, sollte die Bundesregierung endlich große Vermögen angemessen besteuern und dafür sorgen, dass Superreiche ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten”, sagt Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland.

Der Bericht „A European Agenda to Tax the Super-Rich” enthält einen Fahrplan für die EU und EU-Länder zur Besteuerung von Superreichen. Oxfam fordert unter anderem eine Vermögensteuer für die Reichsten, progressive und wirksame Erbschaftsteuern sowie ein europäisches Vermögensregister.
