40 Jahre Arbeit und Bildung e.V. – Fundamentsteine für gesellschaftliche Teilhabe mit warnendem Blick auf drohenden sozialpolitischen Kahlschlag

Rainer Dolle als langjähriger Geschäftsführer vergegenwärtigte beim Festakt das Auf und Ab im Ringen um Maßnahmen zur Qualifizierung suchender Menschen. Foto Steffen Rink

08.09.2026 (pm/red) „Mir hat Arbeit und Bildung e.V. Licht in mein Leben gebracht, weil mir konkret geholfen wurde, meine Ziele zu erreichen. Es braucht solche Programme in unserem Leben, denn sie geben Menschen Kraft, Mut und Hoffnung für die Zukunft,“ sagte Safa, dreifache Mutter aus dem Jemen.

Sie wurde beim Deutschlernen, bei der Jobsuche und bei der Suche nach einer Kinderbetreuung im Projekt Myturn-Encourage unterstützt. Der  Festakt im Hessischen Landestheater würdigt vier Jahrzehnte Engagement für Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe mit einem warnenden Blick auf die umgehende Sozialpolitik in der Laudatio von Dr. Ulrich Schneider

„Ohne euch hätte ich diesen Weg nicht geschafft“ erzählte Alex, der in der Marburger Produktionsschule sein Interesse an Holzarbeiten fand und jetzt im 3. Lehrjahr Fachpraktiker Holz kurz vor seinem Abschluss steht.

Safa und Alex sowie weitere Teilnehmer  aus der ErzieherInnen-Umschulung, Coaching 50+, und der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme erzählten im Hessischen Landestheater Marburg mutig ihre Geschichte. Der Festakt zum 40-jährigen Jubiläums von Arbeit und Bildung e.V. am 4. September veranschaulichte worum es seit vier Jahrzehnten geht.  Menschen mittels Bildung Chancen eröffnen, sie  stärken und ihnen neue Perspektiven für gute bezahlte Arbeit entwickeln.

Dieser Bildungsträger coacht, vermittelt, empowert und qualifiziert

Mehr als 1.600 Projekte hat Arbeit und Bildung e.V. in 40 Jahren umgesetzt, dabei 21.572 Menschen unterstützt und 60 Prozent dieser Menschen in Arbeit und Ausbildung vermittelt. Was 1986 als Initiative für Menschen mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt begann, ist bald ein vielfältiger Bildungsträger geworden, der coacht, vermittelt, empowert und qualifiziert, sich gegen Einsamkeit im Alter engagiert, für Menschen mit Behinderung, für Geflüchtete und Migranten, für Jugendliche und Frauen, in der Demokratieförderung und in europäischen Projekten.

Inzwischen liegen Verantwortung und Management bei Arbeit und Bildung e.V. in den Händen von Geschäftsführerin Cordula Weber, die sich bei vielen Partnern für Förderung ibei der sozialen Arbeit und Erziehung zu bedanken wusste. Foto Christina Mohn

150 Gäste waren zum Festakt ins Hessische Landestheater gekommen. Als Partner aus Politik, Arbeitsverwaltung und Sozialwirtschaft würdigten das langjährige Wirke und die verlässliche Zusammenarbeit des Vereins. OB Dr. Thomas Spies bezeichnete Arbeit und Bildung e.V. als „unerschütterliche Bastion in Marburg, als Bildungsträger eindrucksvoll erfolgreich und für eine offenen, solidarische und demokratische Stadtgesellschaft einfach notwendig.“

Der langjährige Geschäftsführer Rainer Dolle erinnerte an die Anfänge des Vereins im Jahr 1986 und an zahlreiche Unwegbarkeiten, die der Verein immer wieder neu zu meistern hatte. Gründungsmitglied Bodo Ramelow übermittelt seine Erinnerungen an die Anfänge per Videobotschaft. Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Volker Breustedt, JobCenter-Leiterin Andrea Martin sowie Stefan Zimmermann, Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit in Hessen e.V. hoben die Besonderheiten des Bildungsträgers hervor, sich immer wieder neu zu erfinden.

Reformen als Trittsteine sozialer Deklassierung 

Einen warnenden Blick auf die derzeitige sozialpolitische Entwicklung warf der Vortrag von Dr. Ulrich Schneider zum Thema „Sozialstaat unter Druck – Für eine offensive soziale Arbeit“. Der langjährige Chef des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Autor und Berater für soziale Fragen ist eine deutschlandweit bekannte Stimme gegen Armut.

Er kennzeichnete die der im Bundestag eingebrachten sogenannten Reformpakete um Wohngesetz, zur Streichung von Kindersofortzuschlag und Unterhaltvorschuss an Frauen, die Senkung des Bafög-Satzes, Streichung des Entlastungsbeitrages bei der Pflege in ihren destruktiven gesellschaftlichen Auswirkungenen. 10 Millionen Menschen seien davon betroffen und drohten Opfer sozialer Deklassierung zu werden mahnte mahnte Schneider.