25.09.2026 | Ein Marburg-Krimi? – Nun ja, Leichen gibt es genug und dazu genügend ermittelnde Polizei. Und natürlich die wunderbare, junge und schöne Kriminalpsychologin Anna mit ihrem Ausbilder Dobbs, der sie zärtlich „Liebes“ nennt.
Ausführlich wird das persönliche Geflecht der einzelnen (Liebes)Beziehungen der „Polizeifamilie“ geschildert. Verlobungen, geplante Hochzeiten, das obligatorische nette schwule Paar und viele schöne persönliche Erlebnisse werden vor Leserin und Leser ausgebreitet. Dann noch ein schneller Hauskauf in Marburg – Geld scheint keine Rolle zu spielen für die noch nicht verbeamtete junge Frau. Da fragt sich die Leserin schon, wie das Haus in Cappel finanziert werden kann. Aber wahrscheinlich verdient der Verlobte Theo unglaublich viel bei der Feuerwehr und Dobbs gibt ja auch seinen Teil dazu!
Ach ja, da waren ja noch die vier Leichen und drei Überlebenden mit Pilzvergiftung zwischen Marburg und Giessen. Die clevere Anna und ihre liebevollen Männer Dobbs und Theo ergründen, wer da einen religiösen Weg entlang wandert und dabei eine Ersatzfamilie sucht, leider diese dann mit Pilzen vergiftet.
Genial, denn der Täter kann erkannt und auch gefaßt werden, kann aber nicht sprechen. Der Verlust seiner Bezugsperson gibt Hinweise auf seine Verwirrtheit, mangels Sprache bleiben die Beweggründe und das Vorgehen bei seinen Taten weitgehend im Dunkeln. Schade, eine echte Analyse wäre hier sicherlich spannend gewesen.
Spannung – nun ja. Zu viele Seiten mit Erklärungen der polizeilichen Ermittlungsarbeit, zu viele Abkürzungen der genannten Institutionen müssen umfangreich erklärt werden. Und deutlich viel zu viel Privates, bis hin zur Androhung einer Fortsetzung über das Privatleben der schönen, jungen Anna – von allen geliebt, bewundert und begehrt.
Nette Lektüre in leicht flapsiger Sprache, für verwöhnte Krimileser leider etwas langweilig, da der (durchaus interessante) Fall nicht wirklich spannend dargeboten wird und die Motive nur angedeutet bleiben.
Toni Castell Der stille Schatten: Krimi aus Mittelhessen. Der zweite Fall für Anna und Dobbs.
Hildesheim: KBV Verlag- und Mediengesellschaft mbH, 2026. 372 S.
ISBN 978-3-95441-787-2 | 15 Euro.
Ulla Grochtdreis
